Nach Panenka-Fauxpas im Afrika-Cup-Finale: Ex-Marokko-Kapitän Saïss kritisiert Díaz

Saiss verzieht das Gesicht während eines AFCON-Spiels.
Saiss verzieht das Gesicht während eines AFCON-Spiels.SEBASTIEN BOZON / AFP

Der ehemalige Kapitän der marokkanischen Nationalmannschaft, Romain Saïss, hat deutliche Worte für Brahim Díaz gefunden. Grund ist dessen missglückter Panenka-Elfmeter im Finale des Africa Cup of Nations (AFCON) 2025, das im Januar in Rabat gegen Senegal verloren ging.

Das Finale steuerte in den Schlussminuten auf einen dramatischen Höhepunkt zu, als die "Atlas-Löwen" nur zwei Minuten vor Ende der Nachspielzeit einen umstrittenen Elfmeter zugesprochen bekamen. Während die senegalesische Mannschaft heftig protestierte und sogar mit einem Spielabbruch drohte, konnte Sadio Mané die Gemüter beruhigen, sodass die Ausführung schließlich erfolgen konnte.

Zum Match-Center: Senegal vs. Marokko

Brahim Díaz, der bis zu diesem Zeitpunkt mit fünf Toren in sieben Spielen der überragende Akteur des Turniers war, übernahm die Verantwortung. Doch statt den Ball sicher zu verwandeln, entschied er sich für einen Heber in die Mitte. Senegals Schlussmann Edouard Mendy blieb stehen und parierte mühelos. Das Spiel ging in die Verlängerung, in der Pape Gueye den 1:0-Siegtreffer für Senegal erzielte. Damit sicherte sich der westafrikanische Rivale den zweiten Titel der Geschichte, während Marokko die Chance verpasste, das 50-jährige Warten auf die Trophäe zu beenden.

"Er wollte der Superheld sein"

"Auf diesem Niveau darf man das nicht absichtlich machen. Bleiben wir realistisch", kritisierte Saïss im Gespräch mit Colinterview. "Er hätte der Held sein können, aber er wollte der Superheld sein. Es tut mir leid für ihn, denn das wirft einen dunklen Schatten auf seine ansonsten starke AFCON."

Der Ex-Kapitän beschrieb seine Fassungslosigkeit im Moment des Schusses: "Ich dachte mir: ‚Das hat er jetzt nicht wirklich getan, oder?‘ Ich habe mich sofort weggedreht und den Kopf in die Hände gelegt. Man kann im Finale einen Elfmeter verschießen, das ist uns allen schon passiert und gehört zum Fußball dazu. Aber einen Panenka in der allerletzten Sekunde zu versuchen, ist unbegreiflich."

Saïss betonte die historische Tragweite des Moments: "Wir haben seit 50 Jahren keinen AFCON gewonnen und standen seit 24 Jahren nicht mehr im Finale. Und dann spielst du auch noch zu Hause. Ich dachte mir nur: ‚Zieh einfach voll in die Mitte ab. Tor, Danke, Auf Wiedersehen, wir holen den Pokal und feiern.‘"

Ein Gefühl der inneren Leere

Die Niederlage hinterließ bei Saïss tiefe Spuren. "Ich habe mich gefragt, ob ihm eigentlich bewusst war, was da gerade auf dem Spiel stand. Seit diesem Moment fühle ich mich leer", gestand er. "Es war kein Zorn, bei dem man ausrastet, um sich Luft zu verschaffen. Es war ein Schockzustand. Bis heute fühlt es sich wie ein Albtraum an, aus dem ich morgen hoffentlich aufwache."

Díaz selbst zeigte sich nach dem Spiel einsichtig und entschuldigte sich via Social Media: "Ich habe versagt und übernehme die volle Verantwortung. Es tut mir von Herzen leid. Diese Wunde wird nur schwer heilen, aber ich werde versuchen, für alle weiterzumachen, die an mich geglaubt haben."

Wenige Wochen nach dem verlorenen Finale verkündete der 34-jährige Saïss seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Er beendet damit eine beeindruckende internationale Karriere nach 86 Länderspielen. Unter seiner Führung als Kapitän erlebte Marokko seine erfolgreichste Ära, gekrönt durch den historischen Einzug ins Halbfinale der Weltmeisterschaft 2022 in Katar.

Dennis Mabuka
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