Irans Fußballerinnen: Große Träume – noch größere Sorgen

Sara Didar
Sara DidarDAVE HUNT / EPA / Profimedia

Irans Frauen spielen bei der Asienmeisterschaft in Australien um ihren Traum von der WM in Brasilien - während in der Heimat Krieg herrscht.

Sara Didar kämpfte mit den Tränen. "Natürlich sind wir alle besorgt und traurig wegen der Ereignisse in unserem Land und wegen unserer Familien und Angehörigen", sagte die Stürmerin, die gerade mit dem Iran bei der Asienmeisterschaft spielt – während in der Heimat der Krieg tobt.

Selbst unter normalen Umständen wäre die Teilnahme von Irans Fußballerinnen bei dem Turnier in Australien schon etwas Besonders. Doch nach dem Ausbruchs des Krieges in der Heimat ist die Aufmerksamkeit noch einmal größer geworden.

Didar (r.) am Ball
Didar (r.) am BallAAP/Dave Hunt via REUTERS ATTENTION EDITORS

Didar und Co. waren wenige Tage vor dem Start der Angriffe nach Australien gereist, mittlerweile bereiten sie sich auf das zweite Gruppenspiel gegen die Gastgeberinnen vor – während zu Hause im Iran nach dem Tod von Ayatollah Ali Chamenei 40 Tage Staatstrauer angeordnet wurden und Freunde und Familien in Gefahr sind.

 

Kontakt zur Familie unterbrochen

Durch eine Internetsperre ist es für die Spielerinnen fast unmöglich, Kontakt in die Heimat aufzunehmen. Man sei "völlig von ihnen abgeschnitten", sagte Trainerin Marziyeh Jafari am Mittwoch bei der Pressekonferenz vor der Partie gegen Australien am Donnerstag.

"Es ist eine schwierige Situation, und es ist wirklich mutig von ihnen, hier zu sein und anzutreten", sagte die Australierin Amy Sayer: "Unser Mitgefühl gilt ihnen und ihren Familien." Trotz der "aktuellen politischen Lage" und all "der Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben", hätte die iranische Mannschaft schon im ersten Gruppenspiel gegen Südkorea "eine wirklich starke Leistung gezeigt".

Breite Unterstützung

Dennoch verlor die Mannschaft von Jafari mit 0:3. Kapitänin Zahra Ghanbari und ihre Kolleginnen spielten wie üblich mit Kopftuch und in knöchellanger Kleidung. So will es das Regime, es beruft sich bei den Vorgaben auf Gesetze des Islam. Sittenwächter begleiten die Mannschaft in Australien.

Trainer Jafari und ihre Kapitänin
Trainer Jafari und ihre KapitäninAAP/Dave Hunt via REUTERS ATTENTION EDITORS

Auf den Tribünen skandierte eine Gruppe iranischer Fans während der Partie gegen Südkorea Parolen und schwenkte rot-weiß-grüne Fahnen, darunter war auch die Flagge aus der Zeit vor der Islamischen Revolution zu sehen. "Wir sind so froh, dass die iranischstämmigen Australier uns hier unterstützen", sagte Jafari.

Das Team war nach Australien gereist, um "das Potenzial der iranischen Frauen" zu zeigen, wie Jafari sagte. Ghanbari träumte gar von der Qualifikation für die WM in Brasilien 2027. "Wir wissen, dass es harte Spiele werden, aber wir haben eine starke Mentalität und wollen unser Bestes geben", hatte sie im Vorfeld gesagt. Und Jafari meinte: "Wir werden unser Bestes geben, um uns auf das bevorstehende Spiel zu konzentrieren." Trotz allem.

Match-Center: Iran vs. Australien