40. Geburtstag von Vincent Kompany: Aus dem Notnagel wird ein ganz Großer

Kompany wird 40 Jahre alt
Kompany wird 40 Jahre altKARL-JOSEF HILDENBRAND / AFP

Vincent Kompany feiert seinen 40. Geburtstag. Der Cheftrainer vom FC Bayern München hat seine einst zahlreichen Kritiker längst in die Schranken gewiesen. Mit dem deutschen Rekordmeister hat er in der laufenden Spielzeit sogar die Chance auf den ganz großen Wurf, das europäische Triple befindet sich in Reichweite.

Als Vincent Kompany im Sommer 2024 als neuer Cheftrainer vom FC Bayern München vorgestellt wurde, herrschte vielerorts große Skepsis. Vor seinem Engagement beim deutschen Rekordmeister hatte der ehemalige Weltklasseverteidiger lediglich RSC Anderlecht und den FC Burnley trainiert – und mit den Engländer war er kurz zuvor noch aus der Premier League abgestiegen.

Nicht viele trauten dem Belgier den Sprung zu einem absoluten Spitzenverein zu. Dass die Bayern zuvor um große Namen wie Xabi Alonso oder Julian Nagelsmann geworben hatten, erhöhte den Druck massiv. In den Medien wurde Kompany zunächst als Notnagel dargestellt – und selbst der einflussreiche Ehrenpräsident Uli Hoeneß war vom Belgier zunächst nicht ganz überzeugt.

"Wir waren anfangs skeptisch", sagte er kürzlich in einem Interview mit dem kicker. Doch Sportvorstand Max Eberl und Christoph Freund konnten die Verantwortlichen an der Säbener Straße von Kompany überzeugen – und sie sollten für den riskanten Poker rasch belohnt werden.

Kompany "gehört zur ganz großen Trainer-Gilde"

Angeführt von Torjäger Harry Kane formte der neue Trainer rasch eine Meistertruppe, die in der Bundesliga souverän den Titel einfahren sollte. Satte 13 Punkte Vorsprung hatten die Bayern zum Saisonende auf das zweitplatzierte Leverkusen

Nach den zwei Spielzeiten zuvor, in denen man Borussia Dortmund erst in allerletzte Sekunde die Meisterschalle wegschnappen konnte und sich Bayer 04 ungeschlagen zum deutschen Meister krönte, war das Balsam auf der geschundenen FCB-Seele.

Die Bayern eilen unter Kompany von Erfolg zu Erfolg
Die Bayern eilen unter Kompany von Erfolg zu ErfolgREUTERS/Ana Beltran

Mittlerweile sind nicht nur in München alle von Kompany überzeugt. Auch Eberl fühlt sich bestätigt, gegenüber dem Münchner Merkur/tz schwärmte er vom 40-Jährigen: "Er gehört schon jetzt zur ganz großen Trainer-Gilde." Auch menschlich hat der Belgier so seine Qualitäten: "Die Leute hatten schon immer Respekt vor ihm. Aber er lässt diesen Respekt jeden Tag wachsen. Indem er einfach er selber ist." 

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Klare Worte im Umgang mit der Presse

Tatsächlich gab es auch Zweifel, ob der Trainer dazu in der Lage sein würde, die oft launige Bayern-Kabine in Schach zu halten. Unmittelbar nach seiner Verpflichtung ging in den Sozialen Medien ein Video viral, in dem Kompany während seiner Amtszeit bei Burnley seine Spieler oft scharf und beinahe unbarmherzig kritisierte. Die Frage tauchte auf: Haben sich die Münchener einen ungeduldigen Choleriker ins Boot geholt?

Der anfänglichen Skepsis ist mittlerweile große Bewunderung für Kompanys kommunikative Fähigkeiten gewichen. Vor allem während seiner Anfangszeit versuchten erfahrene Journalisten, ihm auf den Pressekonferenzen Details zu Transferverhandlungen oder Mannschaftsinterna zu entlocken – vergeblich. Konsequent blockte Kompany all zu neugierige Fragen ab und verschaffte sich dadurch auch in der Medienlandschaft viel Respekt.

Emotional wird Kompany immer noch – aber zumeist mit Maß und Ziel
Emotional wird Kompany immer noch – aber zumeist mit Maß und ZielREUTERS/Ana Beltran

Dieser ist vor einigen Wochen nach einem bemerkenswerten Monolog rund um eine rassistische Beleidigung gegen Real Madrids Superstar Vinicius Junior nochmals deutlich gestiegen. Aussagen seines Trainerkollegen José Mourinho, der den Vorfall runterspielen wollte, zerpflückte er mithilfe seiner eigenen Biografie. 

"Wissen Sie, was Schwarze Spieler in den 1960er Jahren durchmachen mussten?", sagte er mit Blick auf seinen aus der DR Kongo stammenden Vater: "Damals blieb ihnen wahrscheinlich nur die Möglichkeit, still zu sein, nichts zu sagen, darüber zu stehen und zehnmal besser zu sein, um wenigstens ein bisschen Anerkennung zu bekommen."

Taktikfuchs – und bald Triple-Sieger?

Doch nicht nur bei Medienrunden, sondern auch auf dem Trainingsplatz verfügt Kompany über ein einzigartiges Talent. Zusammen mit seinem Kollegen René Maric entwickelte er beim FC Bayern eine neue Spielidee, die sich durch extrem flexible Positionierungen auszeichnet. Auch die Konterabsicherung hat man in den Griff bekommen – in den Jahren zuvor oft eine Schwachstelle der dominanten, hochstehenden Abwehrkette.

So stehen die Bayern nicht nur vor der souveränen Titelverteidigung in der Bundesliga – auch in der UEFA Champions League könnte noch der große Wurf gelingen. In der Königsklasse feierte man zuletzt einen 2:1-Erfolg gegen Real Madrid, für das Rückspiel in der heimischen Allianz Arena hat man also ausgezeichnete Karten – es winkt der Einzug ins Halbfinale. Dasselbige hat man im DFB-Pokal bereits erreicht, dort trifft man Ende April auf Bayer Leverkusen.

Krönt Kompany sein zweites Jahr in München also mit dem europäischen Triple? Feststeht: Diesen Bayern ist alles zuzutrauen.   

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