Werder Bremen (10. Platz, 17 Punkte)
Die oft gepriesene, hanseatische Gelassenheit? Lässt sich aus Bremen derzeit nicht vernehmen. Das Jahr 2025 wurde mit nur zwei Punkten aus den vergangenen fünf Spielen beendet, dabei waren bis auf RB Leipzig die Gegner mit dem 1. FC Köln, FC Augsburg, VfB Stuttgart und dem Hamburger SV keine Supermächte.
Die Probleme in Bremen sind vielschichtig. Offensiv mangelt es an Konstanz, Horst Steffen fehlen beständige Unruheherde. Der Königstransfer Samuel Mbangula zeigte seine Klasse zu selten, zuletzt bekam er auch wegen Verletzungen kaum Minuten. Defensiv müssen junge Spieler wie Karim Coulibaly früh viel Verantwortung übernehmen, was in der zweitschlechtesten Verteidigung (28 Gegentore in 15 Spielen) der Bundesliga resultiert.
Das offenbar gescheiterte Experiment mit dem schwerer verletzten Victor Boniface sorgte zudem für mächtig Aufsehen, ein neuer Stürmer ist noch immer nicht da. Werder braucht einen vernünftigen Neustart 2026 - sonst könnte es ungemütlich an der Weser werden.

1. FC Köln (11. Platz, 16 Punkte)
Einige in der Domstadt träumten nach dem starken Saisonstart und zwischenzeitlich Rang vier schon vom Europapokal, nach nur zwei Punkten aus den vergangenen sechs Spielen ist die Anfangseuphorie beim Aufsteiger aber komplett verflogen.
Auch Hoffnungsträger Said El Mala performte zuletzt nicht, in Heidenheim steht nun direkt ein richtungsweisendes Spiel an. Das weiß auch Trainer Lukas Kwasniok, der seinen Profis im Trainingslager in Spanien eine deutliche Ansage machte.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der FC beim Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund Mitte Oktober mit Timo Hübers seinen Abwehrchef verletzungsbedingt verloren hat. Auch Kev van den Bergh, der im Sommer für knapp zehn Millionen Euro an den Rhein wechselte, verpasste viele Spiele verletzungsbedingt. Immerhin kehrt van den Bergh nach seiner Rotsperre bald wieder zurück, außerdem haben die Kölner Abwehr-Talent Jahmai Simpson-Pusey von ManCity ausgeliehen.
Borussia Mönchengladbach (12. Platz, 16 Punkte)
Der Horror-Start ist zwar abgehakt, doch zu sicher will sich niemand sein. Die zwei Niederlagen zum Jahresende waren ein Weckruf - genau wie das 0:3 gegen Hannover 96 im einzigen Test der kurzen Pause.
"Nullkommanull" Relevanz habe die Pleite für den Bundesliga-Restart am Sonntag gegen den FC Augsburg, sagte Trainer Eugen Polanski, der Gladbach vom Tabellenende in ruhigeres Fahrwasser geführt hatte. Damit die Borussia da bleibt, kam Innenverteidiger Kota Takai vom Premier-League-Klub Tottenham Hotspur.
Dafür werden auch die nächsten Spiele wegweisend. Mit dem FC Augsburg und dem HSV trifft Gladbach in den nächsten zehn Tagen auf zwei direkte Konkurrenten.
Hamburger SV (13. Platz, 16 Punkte)
Stefan Kuntz ist weg - ohne seinen Aufstiegsarchitekten gehen die "Rothosen" in die zweite Saisonhälfte. Aber offenbar mit frischen Kräften und ungebrochenem Optimismus.
Stürmer Damion Downs soll aus Southampton kommen und die Torgefahr erhöhen. Nichtsdestotrotz kann Hamburg mit den Resultaten bis zur Winterpause gut leben. Gerade zu Hause sind die Hamburger ungemütlich zu bespielen und bewiesen in einigen Duellen mit späten Toren Moral.
Insgesamt ist der Klub ordentlich aufgestellt, auswärts muss der HSV nach nur zwei Punkten aus sieben Partien aber zulegen.

VfL Wolfsburg (14. Platz, 15 Punkte)
Nachdem der VfL Wolfsburg mit der Ambition Europapokal in die Saison gestartet war, folgte die Ernüchterung. Nur zwei Siege aus den ersten zehn Spielen kosteten Trainer Paul Simonis den Job, ebenso Sportdirektor Sebastian Schindzielorz.
Aus der Mission Europa ist inzwischen die Mission Klassenerhalt geworden – angeführt vom neuen Trainer Daniel Bauer. Mit diesem ging es zuletzt aber bergauf, auch wenn nach zwei Siegen gegen Union Berlin und Mönchengladbach gegen Freiburg eine 3:4-Niederlage folgte. Wie gegen Union und Gladbach gelangen Wolfsburg aber wieder drei Tore - die schwache Offensive hat Bauer also wiederbelebt.
Mit den Bayern wartet jetzt erstmal ein Brocken, doch Duelle gegen St. Pauli, Heidenheim und Mainz werden anschließend richtungsweisend sein.
FC Augsburg (15. Platz, 14 Punkte)
Mit Sandro Wagner wollte der FCA hoch hinaus - doch das Experiment scheiterte krachend. Schon in den drei Spielen vor der Winterpause vertrauten die Schwaben auf Manuel Baum, der die Augsburger nun sogar bis zum Saisonende betreuen wird.
Mit Altbewährtem zum Ligaverbleib, heißt das Motto. Dazu passt auch die Rückkehr von Michael Gregoritsch. Zudem wurde Yannik Keitel vom VfB Stuttgart verpflichtet.
Mit Baum gab es vor der Winterpause Licht und Schatten, immerhin stabilisierte der 46-Jährige aber die schwache Defensive. Sollte Gregoritsch als echter Neuner, der den Fuggerstädtern bislang fehlte, einschlagen, könnte der FCA wieder der unangenehme Gegner werden, der er in seiner langen Bundesliga-Zugehörigkeit oft war.
St. Pauli (16. Platz, 12 Punkte)
Der Endspurt im Jahr 2025 machte den Kiezkickern Mut. Vier Pflichtspiele ohne Niederlage und das Ende der Sieglos-Serie stärkten auch Trainer Alexander Blessin, der im Japaner Tomoya Ando bisher eine Winter-Verstärkung seines Kaders erhielt. Ein Stürmer soll folgen, denn in Andréas Hountondji fehlt zunächst der bislang beste Torschütze.
Nichtsdestotrotz erwartet die Hamburger eine harte Aufgabe zum Auftakt. Nach einem Heimspiel gegen Leipzig geht es nach Wolfsburg und Dortmund, ehe das Stadtderby gegen den HSV wartet. Kommt Pauli gut durch dieses Programm, ist im Abstiegskampf aber sicherlich etwas möglich - mindestens die Relegation ist anhand der Konkurrenz definitiv machbar.

1. FC Heidenheim (17. Platz, 11 Punkte)
Trainer-Urgestein Frank Schmidt appelliert nach einer bisher verkorksten Saison vehement an die FCH-Tugend, die den kleinen Klub von der Ostalb schon zweimal zum Klassenerhalt verholfen hat: Mentalität!
Dies sei, so Schmidt, "kein Talent, das ist eine Einstellung". Trotz der prekären Situation herrscht rund um den Schlossberg kaum Unruhe. Schmidt sitzt auch nach über 18 Jahren fest im Sattel.
Mit Köln und Mainz warten direkt zu Beginn zwei direkte Konkurrenten. Gerade das Spiel gegen Mainz wird richtungsweisend, könnte man so die 05er auf bis zu sechs Punkte hinter sich halten.
FSV Mainz 05 (18. Platz, 8 Punkte)
In 15 Spielen gelang nur ein Sieg, Coach Bo Henriksen musste gehen. Unter dem neuem Trainer Urs Fischer ist der Klub noch ungeschlagen, den Bayern wurde ein 2:2 abgetrotzt.
Die Neuzugänge Phillip Tietz und Silas sollen den Sturm beleben. Mit Union Berlin, Heidenheim, Köln und Wolfsburg warten nun schlagbare Gegner. Eine Aufholjagd wie 2021 und 2024 scheint realistisch, da die Qualität des Kaders definitiv besser ist als Platz 18, auch wenn der Abgang von Johnny Burkhardt bisher nicht aufgefangen werden konnte.
Das zeigen auch die guten Leistungen in der Conference League. Die Doppelbelastung ist zwar Teil des Problems, im Laufe der Rückrunde sollte die Belastung aber sinken.
