Die Punkteausbeute ist besser als in der letzten Meistersaison unter Jürgen Klopp, doch die Stimmung bei Borussia Dortmund erinnert längst nicht an den Glanz vergangener Tage. "Ich habe das auch noch nicht erlebt, dass ich nach 18 Spielen diese Punkteanzahl hatte", sagte Julian Brandt nach dem 3:2 (1:0) gegen den FC St. Pauli, bei dem sich der BVB selbst in arge Bedrängnis gebracht hatte: "Es würde noch ein bisschen besser aussehen, wenn wir nicht im Süden eine Mannschaft hätten, die es geisteskrank macht in dieser Saison."
"Müssen uns weiter an den Plan halten"
Diese Mannschaft, gemeint ist Bayern München, überragt mit ihren 50 Zählern alles, und so bleibt dem BVB wohl "nur" der zweite Platz. Stolze 39 Punkte hat das Team von Trainer Niko Kovac gesammelt, 2012 unter Klopp waren es zum identischen Zeitpunkt deren 37. "Der Ist-Zustand ist so, wir müssen uns weiter an den Plan halten. Wir schaffen es überwiegend, die Ergebnisse zu holen. Das ist das, woran uns jeder misst", sagte Brandt, Torschütze zum 1:0 (45.+1), und in der Vergangenheit bereits Kritiker des Spielstils des BVB.
Dieser ist alles andere als begeisternd, doch höchst effektiv. Als Bundeskanzler Friedrich Merz in der Ehrenloge neben BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke das 2:0 durch Karim Adeyemi (54.) bejubelte, schien der Sieg bereits sicher. Doch dann war der BVB "sehr schlampig im Ballbesitz" und habe "St. Pauli das Gefühl gegeben, dass hier noch was geht", berichtete Brandt - James Sands (62.) und Ricky-Jade Jones (72.) bestraften Dortmunder Nachlässigkeiten. Erst ganz spät erlöste Emre Can (90.+5) den BVB, als der Kapitän einen Foulelfmeter, den es erst nach Hinweis des Videoassistenten gegeben hatte, zum Siegtreffer verwandelte.
Der Elfmeterheld sprach von einer "Achterbahnfahrt", für seine Nervenstärke hatte er eine simple Erklärung. "Ich habe mir gedacht, dass er reingeht. Man muss es sich vorstellen und manifestieren, man darf nicht zweifeln", sagte er.
"Ballzirkulation muss sehr viel schneller sein
Dass es überhaupt diesen späten Treffer benötigte, schob Kovac auf die Nachlässigkeiten seiner Mannschaft. "Wir haben es verpasst, auf dem Gaspedal zu bleiben. Dass du am Ende das Ding ziehst, bedeutet, dass die Mannschaft trotzdem den Willen und den Glauben hat", sagte der 54-Jährige: "Jetzt gehen wir mit einem positiven Ergebnis nach London, der Sieg ist für uns sehr wichtig gewesen."

Denn bereits am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video) geht es für den BVB in der Champions League bei Tottenham Hotspur weiter, Kovac hat aus dem Spiel gegen St. Pauli einige Aufgaben mitgenommen. In Führung müsse Dortmund durch Ballbesitz die Kontrolle bewahren. "Die Ballzirkulation muss sehr viel schneller sein", sagte er. Es gelte, "aggressiv zu verteidigen, Raum und Zeit zu reduzieren."
Weil am Ende doch ein Sieg heraussprang, legte Kovac den Fokus auf das Positive. "Wir haben wieder mal ein Spiel zum Schluss gebogen, klar glücklich, aber oft ist Glück auch Können."
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