Vom Ruhrgebiet über London in den Osten Frankreichs. Was nach einer ambitionierten Reiseroute klingt, ist für den jungen Fußballprofi Aarón Anselmino harte Realität.
Innerhalb von nur einer Woche musste der Argentinier zweimal den Klub wechseln. Erst brach der FC Chelsea die Leihe mit Borussia Dortmund ab – um Anselmino dann im Tausch mit Mamadou Sarr zu Racing Straßburg zu transferieren. Natürlich erneut auf Leihbasis bis Saisonende. Kontinuität sieht anders aus.
Tränen und gescheiterte Verhandlungs-Tricks
Das Vorgehen der Londoner zeigt eine eiskalte Seite im Milliardengeschäft Fußball. Anselmino weinte, als er in Dortmund verabschiedet wurde. Chelsea hatte im letztmöglichen Moment eine Klausel im Leihvertrag aktiviert, um den Spieler dann wie Ware hin- und herzuschieben.
Anselmino sei "ein toller Bursch, menschlich 1A mit Sternchen", sagte Dortmunds Trainer Niko Kovac, Torhüter Gregor Kobel bezeichnete den 20-Jährigen als einen "super Typen – auf und neben dem Feld".
Doch die menschliche Komponente zählt nicht. Chelsea wollte laut Medienberichten zunächst Jeremy Jacquet von Stade Rennes haben, die Rückkehr Anselminos sollte die Verhandlungsposition der Londoner stärken. Doch der Franzose entschied sich für einen Transfer zum FC Liverpool.
Das Karussell dreht sich
Woraufhin sich Chelsea-Teammanager Liam Rosenior eben den ihm aus Straßburg bekannten Sarr nach London wünschte. Und Anselmino? Der bewies seine im Fußballgeschäft so wichtige "Polyvalenz", war dann eben nicht Druckmittel, sondern Tauschware, damit der zweite Wunschspieler kommen konnte.
Er habe es sich "ein Stück weit ausmalen" können, dass die Londoner gegenwärtig nicht mit Anselmino planen, sondern ihn wahrscheinlich erneut abgeben würden, sagte Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl: "Wir hätten Aarón gerne behalten, aber das Thema hatte sich in dem Moment erledigt, als uns Chelsea informiert hat, dass sie ihn zurückwollen."
FIFA unter Handlungszwang
Im Profisport in den USA ist es Usus, dass Spieler beinahe willkürlich herumgereicht werden. Davon kann etwa Deutschlands Weltmeisterkapitän Dennis Schröder ausführlichst berichten, die Cleveland Cavaliers sind sein bereits elftes Team in der Basketballprofiliga NBA.
Im Fußball sind derlei Auswüchse (noch) nicht verbreitet. Doch weil immer mehr Geld im Spiel ist, werden sich solche Extremfälle wie bei Anselmino häufen – insofern der Weltverband FIFA keinen Riegel vorschiebt.
