EXKLUSIV: Podolski über "besonderes" Köln, Bayern-Lehren und den "Fehler" Mailand

Lukas Podolski verbrachte drei Jahre in London und spielte dabei für den FC Arsenal
Lukas Podolski verbrachte drei Jahre in London und spielte dabei für den FC ArsenalJAMIE MCDONALD / GETTY IMAGES EUROPE / Getty Images via AFP

Von seiner "besonderen" Zeit beim 1. FC Köln bis hin zu einer erfolgreichen Periode unter Arsene Wenger beim FC Arsenal: Lukas Podolski hat eine Karriere hingelegt, um die ihn viele beneiden. Im zweiten Teil unseres großen Exklusiv-Interviews mit dem ehemaligen deutschen Stürmer spricht "Poldi" über seine früheren Vereine Köln, Bayern, Arsenal und seinen größten "Fehler" Inter Mailand.

Den ersten Teil unseres Interviews mit Podolski kannst du hier nachlesen.

Der 40-jährige Podolski, der derzeit bei seinem Jugendverein Gornik spielt, kann auf eine lange und glanzvolle Karriere zurückblicken, in der er sowohl in der Bundesliga als auch in der Türkei Meister wurde und 2014 mit Deutschland die WM gewann.

Familie und Loyalität ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Karriere – und das begann schon früh während seiner Zeit in Köln. Der Stürmer durchlief 1995 die Akademie des Vereins und debütierte 2003 nach acht Jahren in der Jugend in der ersten Mannschaft.

In seiner ersten Saison stand er vor dem Abstieg, aber er beeindruckte mit 10 Toren in 19 Spielen – ein Rekord eines jungen Spielers, der erst von Florian Wirtz bei Bayer Leverkusen gebrochen wurde. Trotz der Angebote aus ganz Europa für die Teenager-Sensation Podolski hielt er den "Geißböcken" lange die Treue.

Podolski über Köln: "Können in der Bundesliga bestehen"

Im Gespräch mit Daniel Sobis von Flashscore erinnert sich Podolski zurück: "Der 1. FC Köln ist etwas Besonderes. Ich bin '95 als 10-Jähriger in der Jugendakademie zu diesem Verein gekommen. Ich bin geblieben, weil ich nicht bereit war für die nächste Stufe und ich in Köln bleiben wollte, um mehr zu lernen und den Fußball besser zu verstehen. Wir sind in die 2. Bundesliga abgestiegen, und in den unteren Ligen ist es manchmal schwieriger als in der ersten Liga. Ich denke, wenn ich jetzt hier sitze, hat mir das eine Jahr in der 2. Bundesliga vielleicht etwas gegeben. Weil es dort mehr um Kampf, mehr Laufen und mehr Disziplin geht, und deshalb habe ich mich entschieden, zu bleiben."

Köln spielt derzeit wieder in der ersten Liga und befindet sich in einer ähnlichen Situation wie zu Podolskis Zeiten, als der Klub nach dem Aufstieg in der vergangenen Saison nur vier Punkte vor der Abstiegszone lag. Seinem Ex-Klub drückt "Poldi" natürlich die Daumen: "Sie haben eine Mannschaft, die in der Bundesliga bestehen kann, aber im Sport weiß man nie. Man muss ein gutes Budget haben, und man muss das Ziel haben, in der Liga zu bleiben oder sogar um die Qualifikation für die Champions League zu spielen. Ich folge meiner Mannschaft und hoffe, dass der Geist bis zum Ende da sein wird, mal sehen."

Das Problem in Köln sei, "dass es in 30 oder 40 Jahren immer auf und ab geht, mit einigen kleinen Veränderungen. Dann heißt es immer: 'Wir können das und das nicht schaffen'... Wo ist das Potential - mit der Stadt, mit dem Verein im Rücken? Das ist mein Wunsch: stabil in der Liga zu bleiben und dann den ganzen Verein zu entwickeln. Sowohl die Akademie, als auch die Spieler, und dafür muss man natürlich in der Liga bleiben und dafür muss man immer einen Schritt nach vorne gehen oder sogar zwei. Ich hoffe, dass dieser Verein das in den nächsten Jahren erreichen kann."

Bayern eine "gute Enscheidung"

Nachdem er beim 1. FC Köln zum Publikumsliebling und Leistungsträger gereift war, wuchs das Interesse anderer Vereine beinahe zwangsläufig. Schließlich setzte sich der deutsche Rekordmeister Bayern München im Rennen um den begehrten Angreifer durch. Drei Jahre verbrachte Lukas Podolski in München – doch seine Karriere hätte auch einen ganz anderen Verlauf nehmen können. Mehrere europäische Klubs warben um ihn. Es ist reizvoll, sich vorzustellen, wie der junge Offensivspieler sich entwickelt hätte, wenn er anstatt an die Isar nach Spanien oder England gewechselt wäre.

Auf die Gerüchte angesprochen, die ihn Mitte der 2000er-Jahre mit Spitzenklubs aus der spanischen Liga in Verbindung brachten, stellte Podolski klar: "Ein konkretes Angebot gab es nicht, aber es lagen Anfragen vor. Neben Bayern München gab es Interessenten aus England, Frankreich und auch aus der Bundesliga. Am Ende habe ich mich für Bayern entschieden, den größten Verein Deutschlands. Rückblickend war das eine gute Entscheidung. Als junger Spieler lernt man enorm viel – und damals war es im deutschen Fußball noch nicht selbstverständlich, dass so viele junge Spieler auf höchstem Niveau zum Einsatz kamen."

Er ergänzte: "Heute sind 17-, 18-, 19-Jährige ganz normal. In München habe ich im Training unglaublich viel gelernt. Der Konkurrenzkampf mit 23 oder 24 Spielern, die alle spielen wollten, war enorm. Viele waren Nationalspieler, jeder wollte mehr erreichen. Ich war einer von ihnen – und das gibt dir etwas Besonderes."

Fehler Inter Mailand?

Gleichzeitig weiß Podolski, wie unberechenbar Karrieren im Profifußball verlaufen: "Man weiß nie, was passiert wäre. Wäre ich nach Frankreich oder zu einem anderen Bundesligisten gegangen, hätte sich meine Laufbahn vielleicht anders entwickelt. Aber irgendwann muss man eine Entscheidung treffen. Ich habe sie getroffen – und wenn ich heute auf meine Karriere zurückblicke, bin ich mit meinen Entscheidungen zufrieden."

Einen weiteren Schritt in seiner Karriere bewertet er jedoch kritisch: seinen Wechsel zu Inter Mailand in die italienische Serie A. Im Januar 2015 schloss er sich dem Traditionsklub auf Leihbasis bis zum Ende der Saison 2014/15 an, nachdem er bei Arsenal nur noch sporadisch zum Einsatz gekommen war.

"Ich sage immer, dass es ein Fehler war", räumte Podolski ein. "Eine Leihe über nur wenige Monate ergibt für mich wenig Sinn. Wenn eine Mannschaft nicht funktioniert, sind Leihspieler die Ersten, die außen vor sind – schließlich gehören sie dem Verein nicht langfristig. Ich kam im Januar, die Saison endete im Mai – das sind viereinhalb Monate. Der Fehler war nicht, zu Inter zu gehen, sondern eine so kurze Leihe zu vereinbaren."

Wenger als "Vaterfigur"

Ganz andere Erinnerungen verbindet Podolski mit seiner Zeit in London beim FC Arsenal. Gemeinsam mit seiner Familie lernte er eine neue Stadt und ein neues Land kennen. Besonders prägte ihn sein damaliger Trainer Arsène Wenger.

"Abseits des Platzes war er wie eine Vaterfigur", sagte Podolski. "Ein großartiger Mensch, der nie schrie oder aggressiv wurde. Er hatte einen hervorragenden Draht zu den Spielern, war stets offen für Gespräche und immer ehrlich. Es war eine fantastische Zeit."

Von Trainern wie Wenger habe er viel gelernt – ebenso wie von Persönlichkeiten wie Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes oder Joachim Löw. "Man nimmt von allen etwas mit – vielleicht auch mit Blick auf eine spätere Rolle als Trainer oder in einer anderen Funktion im Verein. Das gibt dir unglaublich viel."

Podolski glaubt an Arsenal-Titel

Bei Arsenal spielte Podolski auch an der Seite des heutigen Trainers Mikel Arteta. Während die "Gunners" aktuell von der Meisterschaft in der Premier League träumen, zeigt sich auch der Deutsche davon überzeugt, dass seinem früheren Klub der große Wurf gelingen kann: "Ich glaube daran", betonte er.

Podolski spielte beim FC Arsenal auch in der Champions League
Podolski spielte beim FC Arsenal auch in der Champions LeagueJAMIE MCDONALD / GETTY IMAGES EUROPE / GETTY IMAGES VIA AFP

"Diese Saison fühlt sich besonders an. Vor allem für Mikel hoffe ich es, denn er investiert enorm viel. Schon als wir zusammengespielt haben, hatte ich das Gefühl, dass er etwas Besonderes ist. Er sprach nach Trainingseinheiten und Spielen oft mit Arsène Wenger – man merkte, dass er Trainer werden wollte. Zu sehen, wie er diesen Weg nun geht und einen großartigen Job macht, ist fantastisch", so Podolski.