EXKLUSIV: Union Berlins Derrick Köhn über Champions-League-Träume und WM-Ambitionen

Derrick Köhn hofft auf ein Europa-Comeback mit Union Berlin.
Derrick Köhn hofft auf ein Europa-Comeback mit Union Berlin.ČTK / imago sportfotodienst / Maximilian Koch

Derrick Köhns Karriere ist kein klassischer Bilderbuchweg. Jede Station, jede Herausforderung und jeder Umweg haben den in Deutschland geborenen Außenverteidiger geprägt und zu einem modernen Profi geformt, der sich auf höchstem Niveau behaupten kann.

Aus dem renommierten Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern führte ihn sein Weg quer durch den europäischen Fußball. Mit Geduld und Beharrlichkeit arbeitete sich Köhn Schritt für Schritt nach oben und ist heute wieder dort angekommen, wo alles begann: in der Bundesliga. Bei Union Berlin verfolgt er nun ehrgeizige Ziele.

Nach Auslandsstationen in Frankreich und der Türkei, darunter ein viel beachtetes Engagement bei Galatasaray, entschied sich Köhn bewusst für die Rückkehr nach Deutschland. Union Berlin überzeugte ihn nicht nur sportlich, sondern auch durch den klaren Weg, den der Klub in den vergangenen Jahren eingeschlagen hat.

Die Köpenicker spielten vor zwei Spielzeiten in der Champions League und kämpfen auch aktuell wieder um die internationalen Plätze. Der Traum von Europa ist für Köhn allgegenwärtig.

"Ich bin sehr glücklich bei Union", erklärt er im exklusiven Flashscore-Interview. "Hoffentlich spielen wir eine gute Saison. Mein großer Traum ist es, mit Union in Europa zu spielen. Wir sind auf einem guten Weg und werden alles dafür geben."

Zwar hat der Verein bereits unvergessliche Champions-League-Abende erlebt, doch Köhn will Teil des nächsten Kapitels dieser Erfolgsgeschichte sein. "Jetzt ist erst einmal Urlaub, aber ab Januar geht es bis Mai voll weiter. Hoffentlich stehen wir am Ende der Saison in Europa", sagte er.

Von den magischen Nächten in der Königsklasse hat er bereits viel gehört. "Einige Jungs haben mir erzählt, wie besonders diese Abende waren. Natürlich wünsche ich mir, dass wir eines Tages wieder mit Union Berlin in der Champions League spielen."

Bundesliga-Alltag und Duelle mit Bayern

Wer in Deutschland um Europa kämpft, kommt an Bayern München nicht vorbei. Der Rekordmeister ist seit über einem Jahrzehnt das Maß aller Dinge, und dennoch kein unantastbarer Gegner.

Union bewies das auch in dieser Saison, als man dem Serienmeister ein dramatisches 2:2 abrang und ihm damit die ersten Punkte abnahm. Für Köhn zeigen genau solche Spiele die enorme Qualität der Bundesliga.

Derrick Köhns Eiserne waren nur wenige Minuten davon entfernt, Bayern München zu schlagen.
Derrick Köhns Eiserne waren nur wenige Minuten davon entfernt, Bayern München zu schlagen.ČTK / imago sportfotodienst / BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg

"Das Niveau in der Bundesliga ist extrem hoch", betonte er. "Man muss jede Sekunde konzentriert sein, weil immer etwas passieren kann. Es gibt viele starke Spieler, und Bayern gehört natürlich zu den besten Teams. Auf jeder Position sind sie hervorragend besetzt."

Union war in dieser Partie nur wenige Minuten vom Sieg entfernt. "Wir wollten Bayern schlagen, und es war wirklich knapp. Ich glaube, sie spielen nicht gerne gegen uns. Trotzdem muss man sagen: Bayern ist aktuell der beste Klub in Deutschland. Jeder will sie schlagen. Es ist schwer, aber hoffentlich schafft es irgendwann ein anderer Verein, sie vom Thron zu stoßen."

Prägung beim FC Bayern und Blick auf heutige Stars

Kaum jemand kennt das Umfeld des FC Bayern so gut wie Köhn. Er durchlief die Jugendabteilung, spielte für die zweite Mannschaft und stand mit Spielern auf dem Platz, die heute Weltstars sind: darunter Alphonso Davies und Jamal Musiala.

"Ich habe mit ihnen gespielt und wünsche ihnen nur das Beste", sagte er. "Sie sind jetzt auf dem Höhepunkt ihrer Karriere."

Vor allem Musialas Entwicklung beeindruckt ihn bis heute. "Damals war Jamal noch sehr klein und schmächtig. Jetzt ist er einer der besten Spieler der Welt. Darauf kann man nur stolz sein. Auch Alphonso kam als junger Kerl aus Kanada – heute kennt ihn die ganze Fußballwelt."

Während seiner Zeit in München durfte Köhn auch regelmäßig bei den Profis mittrainieren. Ein Spieler blieb ihm dabei besonders in Erinnerung: Thiago Alcantara.

"Seine Technik, sein erster Kontakt – einfach unglaublich. So etwas hatte ich vorher nie gesehen. Mir fehlen wirklich die Worte. Für mich war er etwas ganz Besonderes."

Jugendnationalmannschaft und frühe Weggefährten

Köhns Leistungen im Nachwuchs brachten ihm Einsätze für die deutsche U19 ein. Bei seinem Debüt steuerte er direkt eine Vorlage bei. Einer seiner damaligen Mitspieler: Nico Schlotterbeck.

"Man hat schon damals gesehen, dass er es schaffen wird", erinnerte sich Kohn. "Er war extrem professionell, hat zusätzlich trainiert, auf Ernährung geachtet – alles."

Für Köhn ist Schlotterbeck ein Vorbild: "Deshalb steht er jetzt da, wo er ist."

Ghana statt Deutschland – und der große WM-Traum

Trotz seiner Einsätze für deutsche Nachwuchsteams blieb Kohn der Sprung in die A-Nationalmannschaft verwehrt. Stattdessen entschied er sich bewusst für Ghana – für seine Wurzeln und für einen neuen Traum: die Weltmeisterschaft 2026.

Die Gruppe mit England, Kroatien und Panama hat es in sich, doch Köhn blickt selbstbewusst nach vorne. "Das ist eine schwere Gruppe, nicht nur wegen England. Auch Panama darf man nicht unterschätzen. Wir müssen jedes Spiel ernst nehmen."

Der Plan ist klar: "Im ersten Spiel brauchen wir unbedingt drei Punkte. Mit dieser Energie gehen wir dann auch gegen England. Unsere Einstellung ist: Wir wollen jeden schlagen."

Gerade auf mögliche Duelle mit den englischen Stars freut er sich. "Natürlich wird es gegen Spieler wie Saka, Kane oder Bellingham sehr schwer. Aber England wird es nicht leicht haben, uns zu schlagen."

Besonders aufmerksam verfolgt Köhn die Entwicklung Englands unter Trainer Thomas Tuchel. "Er ist ein Top-Trainer, einer der besten aus Deutschland. Mit England macht er einen richtig guten Job."

Galatasaray, große Namen und persönliche Vorbilder

Vor seiner Rückkehr in die Bundesliga sammelte Köhn bei Galatasaray wertvolle Erfahrungen – in einer Kabine voller internationaler Top-Spieler.

"Es war ein Traum, mit solchen Spielern zusammenzuspielen. In den ersten Tagen dachte ich manchmal: ‚Wach auf, das ist doch nicht real‘. Aber es war Realität", sagte er lachend. "Spieler wie Mertens, Zaha oder Ziyech haben mir viel beigebracht."

Besonders eng ist seine Freundschaft zu Wilfried Zaha geblieben. "Er ist unglaublich talentiert und wie ein großer Bruder für mich. Wir stehen noch immer in Kontakt. Ich wünsche ihm beim Afrika-Cup nur das Beste."

Auf die Frage nach dem aktuell besten Linksverteidiger der Welt antwortete Kohn ohne Zögern: "Nuno Mendes. Ich mag ihn wirklich sehr."

Sein größtes persönliches Vorbild stammt jedoch aus seiner Zeit beim FC Bayern: David Alaba. "Ich habe ihn immer beobachtet. Marcelo war natürlich auch überragend, aber mein Spielstil ähnelt Alaba mehr – mit Flanken, Schüssen, Standards."

Sein Ziel ist klar: "Hoffentlich erreiche ich eines Tages sein Niveau."

Owuraku Ampofo
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