Die riesige Kluft zwischen Bayern und dem Rest ist jedoch nicht das einzige Thema, das für Zündstoff sorgt, wenn die Bundesliga am Freitag (18.20 Uhr/ZDF, MagentaTV und DAZN) mit der Partie des Meisters bei Union Berlin in die neue Saison startet. Immer mehr Stars wandern ins Ausland ab, Playoff-Pläne sorgen für heiße Diskussionen, und überhaupt schwelt die Frage, wie die Liga ihre Attraktivität erhöhen kann.
Auf einen spannenden Meisterkampf sollten die Verantwortlichen eher nicht setzen. Satte 16 Punkte lag der Branchenprimus am Ende der vergangenen Spielzeit vor Vizemeister Wolfsburg, und Trainer José Barcala, der das Team spielerisch weiterentwickelt hat, kündigte im SID-Interview bereits an, dass die Vorsaison als "unsere Inspiration und unser Antrieb" diene. Die Verfolger haben dagegen zum Teil gravierende Umbrüche zu moderieren.
Namhafte Abgänge machen Sorgen
Das Finale um Europas Krone ist das nächste große Ziel, das die Bayern auch mit der Investition in den Sportpark Unterhaching unterstrichen. Im aufgeheizten Transfermarkt kommen jedoch selbst sie an ihre Grenzen. Der Kader wurde nach dem schmerzhaften Abgang von Mittelfeldchefin Georgia Stanway (FC Arsenal) mit Perspektivspielerinnen verstärkt. Zahlreiche Verträge laufen dazu 2027 aus, auch bei heiß begehrtem Personal wie Klara Bühl, Giulia Gwinn und Franziska Kett.
Ligaweit sorgten namhafte Abgänge schon in diesem Sommer für Aufsehen: Wolfsburg-Ikone Alexandra Popp zog es zu ihrem Herzensklub Borussia Dortmund in die Regionalliga, neben Stanway verabschiedeten sich Selina Cerci, Nicole Anyomi (nach England) oder Elisa Senß (Real Madrid) ins Ausland. Der 1. FC Köln lockte derweil die erfahrene Nationalspielerin Kathrin Hendrich (34) aus den USA zurück in die Bundesliga.
Baustellen gibt es dennoch viele, über allem steht die Ausgliederung der Frauen-Bundesliga (FBL) aus dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Ab der Saison 2027/2028 soll die Liga im Kampf um ihren Stellenwert unter eigener Führung "sichtbarer, innovativer und wachstumsfähiger" werden, wie FBL-Präsidentin Katharina Kiel versprach. Sie und ihre Mitstreiter werden zeitnah die Frage beantworten müssen, wie eine sportliche und wirtschaftliche Weiterentwicklung der Liga aussehen kann.
Die TV-Rechte werden im September ausgeschrieben, für Diskussionen sorgten zuletzt Planspiele mit Playoffs, die mit potenziellen Medienpartnern diskutiert wurden, um die Bundesliga spannender und für den TV-Markt attraktiver zu machen. Seit 14 Jahren hieß der Meister nämlich nur noch Wolfsburg oder - wie zuletzt viermal in Serie - FC Bayern. Daran wird sich vorerst nichts ändern. Glauben jedenfalls die Coaches.
