Kommentar: Totalschaden - der Absturz des Meisters von 2009

Daniel Bauer hat den VW in Richtung Wand gesetzt.
Daniel Bauer hat den VW in Richtung Wand gesetzt.ČTK / imago sportfotodienst / Christian Schroedter

Nur vier Monate hielt Daniel Bauer durch. Nach kurzem Aufwind infolge seiner Amtsübernahme im November verpuffte der Trainer-Effekt schnell, der VfL Wolfsburg rauscht ungebremst Richtung 2. Liga. Die ungeschriebenen Gesetze des Profifußballs sehen vor, dass in einer solchen Situation der Chefcoach gehen muss. Wäre jedoch nur der 43-Jährige geschasst worden, hätte man von einem, das Wortspiel sei erlaubt, Bauernopfer sprechen müssen.

Natürlich schaffte er die Wende nicht, natürlich stellt er die Mannschaft auf, doch die Probleme am Mittellandkanal gehen viel tiefer. Jörg Schmadtke, Marcel Schäfer, Sebastian Schindzielorz – sie alle waren seit der letzten erfolgreichen Saison 2020/2021 als Sport-Geschäftsführer oder Sportdirektor in der Verantwortung – und sind mittlerweile weg. Seit Sonntagvormittag ist mit Peter Christiansen der nächste Sportchef Geschichte.

Im fatalen und nicht immer geräuschlosen Zusammenspiel mit dem mächtigen Aufsichtsrat, in dem mehrere Vertreter des alimentierenden Autoriesen VW sitzen, verwandelte die jeweils in Verantwortung befindliche sportliche Führung den Klub in eine Geldverbrennungsmaschine, die kaum fußballerische Erfolge produzierte. Zuletzt spielte der VfL im Jahr 2021 in der Champions League, die Meisterschale von 2009 und der DFB-Pokal von 2015 wirken dieser Tage wie Relikte aus einem früheren Leben.

Sinkendes Schiff in der Autostadt

Christiansen war 2024 geholt worden, um Wolfsburg wieder zurück nach Europa zu führen, dies war auch vor der laufenden Saison das klare Ziel. Er scheiterte. Der von ihm ausgewählte Trainer Paul Simonis funktionierte nicht, wurde im November durch U19-Coach Bauer ersetzt. Dazu hat der Däne einen Kader zu verantworten, der in seiner jetzigen Zusammenstellung die Qualitätsfrage aufwirft. Dabei stehen in der aktuellen Spielzeit Transferausgaben von rund 68 Millionen Euro Einnahmen von rund 38 Millionen gegenüber.

Es ist also nicht verwunderlich, sondern mehr als nachvollziehbar, dass Christiansen neben Bauer freigestellt wurde. Durchaus berechtigt ist die Frage, ob dieser Schritt eventuell früher hätte kommen müssen. Denn viel lässt sich nun nicht mehr personell ändern. Die Hoffnung wird sein, dass der neue Coach den Verein, dessen Kultur laut Bauer "nicht bundesligatauglich" ist, irgendwie wachküsst. Gleichzeitig muss er die Fans, die sich nach dem 1:2 gegen den Hamburger SV klar von der Mannschaft abwandten, zurück ins Boot holen. Denn sonst droht in der Autostadt der Totalschaden.