Guirassy hat seit seinen vier Treffern an den ersten drei Spieltagen nur noch ein einziges Bundesliga-Tor nachgelegt, Ende Oktober war das. Auch beim 3:3 bei Eintracht Frankfurt zum Jahresauftakt blieb der 29-Jährige blass, verschuldete sogar einen Elfmeter. "Jeder Stürmer muss immer mal wieder durch so eine Durststrecke. Das gehört zum Fußball. Es ist ganz klar: Ich halte ihm weiterhin die Stange", sagte Kovac, der so langsam aber sicher vor einem Dilemma steht.
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Einerseits will der 54-Jährige seiner einstigen Lebensversicherung weiter das Vertrauen schenken, andererseits aber auch gute Leistungen belohnen. Herausforderer Fábio Silva wäre die erste Option, um Guirassy am Dienstag gegen Werder Bremen (20.30 Uhr/Sky und Flashscore-Audioreportage) eine Denkpause auf der Bank zu verschaffen. "Der ist hungrig und wartet auf seine Chance. Und als Trainer musst du dann irgendwann gerecht sein", urteilte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei Sky: "Ob Guirassy das dann einsehen wird, das ist die große Frage."
Guirassy-Ersatz Silva nah an der Startelf
Der Nationalstürmer Guineas hatte zuletzt immer wieder genervt auf Auswechslungen reagiert, ließ sich auf dem Spielfeld schnell hängen. "Er schaut traurig aus, spielt nicht mit Freude", sagte Matthäus: "Guirassy ist zur Zeit sicher mit dem Kopf nicht 100-prozentig da. Ich weiß nicht, was ihn ablenkt. Vielleicht arbeitet der Kopf zu viel." Die Ansage des ehemaligen Weltmeisters: "Er sollte weniger nachdenken und einfach wieder Tore schießen", so Matthäus.
In der Vorsaison erzielte Guirassy wettbewerbsübergreifend 38 Tore, Kovac setzte bislang trotz Flaute uneingeschränkt auf seinen Torjäger. Doch auch dem Coach gehen irgendwann die Argumente aus. "Fabio hat nach seiner Einwechslung richtig viel Betrieb gemacht. Und es war eine knappe Entscheidung. Ich hätte den ein oder anderen schon eher oder von Beginn an bringen können. Ich habe mich heute für Serhou entschieden", sagte Kovac nach dem Frankfurt-Spiel.
"Alles kann er nicht verlernt haben", sagte Matthäus. Und auch seine Mitspieler wollten noch nicht zu sehr schwarzmalen. "Serhou arbeitet jeden Tag hart. Er macht viele Wege, die er sonst nicht gemacht hat", sagte Innenverteidiger Waldemar Anton: "Das ist nur eine Frage der Zeit, bis er wieder trifft."
Ob er diese Zeit bekommt, entscheidet Kovac.
