Nach dem für den Hamburger SV erlösenden Schlusspfiff führte der erste Weg von Vincent Kompany zu Schiedsrichter Harm Osmers. Der Trainer des FC Bayern hatte Redebedarf, doch den erneuten Patzer des souveränen Herbstmeisters konnte auch Kompany an seiner alten Wirkungsstätte nicht wegdiskutieren. Nach dem dürftigen 2:2 (1:1) beim Aufsteiger droht der komfortable Vorsprung des deutschen Rekordmeisters an der Tabellenspitze weiter zu schmelzen. Borussia Dortmund kann am Sonntag mit einem Sieg gegen Schlusslicht 1. FC Heidenheim auf sechs Punkte an den Tabellenführer heranrücken.
Verlieren die Bayern ihre Souveränität
"Wir haben zu viele Torchancen zugelassen. Wir wollten hier gewinnen. Das ist das, worüber ich mich gerade ärgere. Fehler von uns werden gerade bestraft", sagte der Münchner Sportvorstand Max Eberl bei Sky und ergänzte in Richtung Osmers: "Der Schiedsrichter war etwas überfordert."
Harry Kane (42.) und Luis Diaz (46.) drehten nach Rückstand durch einen Foulelfmeter von Fabio Vieira (34.) die Partie zwischenzeitlich für die Münchner, die dann noch den Ausgleich von Toptalent Luka Vuskovic hinnehmen mussten (53.). "Man muss immer dran glauben - und das haben wir getan. Wir haben einen guten Job gemacht", sagte HSV-Profi Albert Sambi Lokonga.
Damit gelang es dem Meister nicht, das 1:2 gegen Augsburg vom vergangenen Samstag gänzlich abzuschütteln. Die erste Reaktion hatten die Münchner zwar in der Woche in der Champions League beim 2:1-Sieg in Eindhoven gezeigt - in der deutschen Eliteklasse geht ihnen derzeit aber die gewohnte Souveränität ab.

Kein Sieger bei Kompany-Rückkehr
Die Hamburger jubelten dagegen über einen nicht wirklich eingeplanten, aber wertvollen Punkt im Abstiegskampf. Zudem verhinderten die "Rothosen" um Trainer Merlin Polzin die zehnte Pflichtspiel-Pleite in Serie gegen die Bayern in dem einst "Nord-Süd-Gipfel" genannten Duell.
Die Vorfreude auf die Partie zweier früherer Rivalen war auf beiden Seiten groß. Kompany sprach nochmal über die "geile Zeit", die der 39 Jahre alte Belgier einst als Profi in Hamburg von 2006 bis 2008 erlebte. Polzin und sein Team wollten den Branchenriesen vor stattlicher Kulisse dagegen ärgern.
Zwei große Themen hatten aber für reichlich Ablenkung gesorgt. Bei den Bayern der für den Sommer angekündigte Abschied von Nationalspieler Leon Goretzka, der zunächst auf der Bank saß. Beim HSV drehte sich viel um die Suspendierung von Jean-Luc Dompé, dessen Abwesenheit aber zunächst nicht ins Gewicht fiel.

Viera trifft vom Punkt zur Führung
Von Beginn an entwickelte sich vor 57.000 Zuschauern eine unterhaltsame Partie mit einem HSV, der den Bayern die Stirn bot. Beide Teams erarbeiteten sich in der ersten Hälfte mehrere Topchancen. Unter anderem köpfte Vuskovic nur knapp am Tor des mehrfach geprüften Manuel Neuer vorbei (6.). Joshua Kimmich drosch den Ball für die Bayern an die Latte (29.) und verursachte dann den Elfmeter, den die Münchner noch vor der Pause konterten.
Die Bayern wirkten aber wenig dominant, ein Eindruck, der auch im zweiten Durchgang trotz schneller Führung erst einmal weiter Bestand hatte. Dayot Upamecano (65.) traf nach einer Ecke dann den Pfosten. Aber auch die Hausherren blieben gefährlich, Alphonso Davies musste nach einem perfekten Konter gegen Vieira kurz vor der Linie für Neuer klären (75.). München drückte danach, es mangelte aber an der zündenden Idee.
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