Schon vor dem Showdown im Norden Londons spielte Simon Rolfes mit den Gedanken der Gunners. Der Druck auf den FC Arsenal sei "enorm", beim Premier-League-Spitzenreiter um Kai Havertz gehe es ja schließlich darum, "vielleicht sogar die Champions League gewinnen zu müssen", betonte der Sportchef von Bayer Leverkusen. Er reise jedenfalls mit einem "guten Gefühl" zum Achtelfinal-Rückspiel.
Seine versteckte Botschaft: Arsenal, das bislang mit furchteinflößender Dominanz und unbesiegbar durch Europa marschierte, habe eine Menge zu verlieren. Bayer hingegen darf als Außenseiter befreit aufspielen - und dank des überzeugenden Hinspiels (1:1) vom ersten Viertelfinale in der Königsklasse seit 24 Jahren träumen. Liegt darin die Chance?
Rolfes weiß jedoch auch, dass die Aufgabe am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video) im stimmungsvollen Emirates Stadium schwerer kaum sein könnte. "Ob Arsenal oder Bayern, die beiden besten Mannschaften in Europa im Moment, denen darfst du nicht viel anbieten", erklärte der Ex-Profi.
Match-Center: FC Arsenal vs. Bayer Leverkusen

Zweimal hatten die Rheinländer gegen die beiden Topteams zuletzt an einer Überraschung geschnuppert, zweimal blickten sie am Ende trotz eines Unentschiedens ziemlich bedröppelt drein. Und obwohl die Bayer-Profis auch am Samstag gegen die Münchner (1:1) spürten, dass mehr drin gewesen wäre, dürfen sie aus den Auftritten durchaus Optimismus ziehen. "Die beiden letzten Spiele geben natürlich Rückenwind. Vor allem in der Art und Weise, wie wir es gemacht haben", sagte Rolfes am Montag.
Und mit dem Erfolg bei Manchester City (2:0) in der Ligaphase hat Bayer bereits ein Ausrufezeichen auf der Insel gesetzt. Das Team fliege nun nach London, "um eine Runde weiterzukommen", sagte Kapitän Robert Andrich unmissverständlich: "Sonst brauchen wir gar nicht erst anreisen." Und im Hinspiel habe man ja gesehen, "dass wir Arsenal schlagen und ihnen Paroli bieten können". Einzig das späte Elfmetergeschenk für Havertz verhinderte eine bessere Ausgangslage. "Sie bestrafen jede Kleinigkeit", warnte Andrich auch deshalb.
"Es geht was" beim Gastspiel in London
Dass der Druck bei ihnen liegt, leugnen die Londoner jedenfalls nicht. Die Gunners, die in der BayArena erstmals in dieser Königsklassen-Saison nicht als Sieger vom Feld gegangen waren, müssten "das Ding" nun im Rückspiel "richten", forderte Havertz. Es gebe "definitiv Dinge, die wir anpassen und verbessern müssen", ergänzte Teammanager Mikel Arteta schmallippig.
Erwartet Leverkusen nun also eine wütende Angriffswelle des euphorisierten FC Arsenal, der in der Premier League am Wochenende einen Riesenschritt Richtung Titelgewinn machte? Es brauche "Entlastung", Bayer dürfe nicht nur im "Verteidigungsmodus" agieren. "Wir müssen auch mal versuchen, das Tempo rauszunehmen", sagte Rolfes. Das Motto könnte also lauten: Arsenal einmal mehr mit den eigenen Waffen schlagen. Wie schon im Hinspiel, als Andrich die Führung nach einer Ecke erzielte.
"Wir fahren mit Hoffnungen nach London", versicherte Trainer Kasper Hjulmand, der keineswegs daran denken wollte, dass die Partie beim FC Arsenal aufgrund der schwankenden Ligaauftritte die vielleicht letzte für über ein Jahr in der Königsklasse sein könnte. "Da geht was", sagte der Däne stattdessen: "Es ist Game On."
