Barcelona ging mit breiter Brust in die Partie – acht Siege aus den letzten neun Spielen und eine Serie von 17 ungeschlagenen Heimpartien untermauerten ihre Favoritenrolle. Die letzte Heimniederlage war das schmerzhafte 0:4 gegen Atleti im Copa-del-Rey-Halbfinale. Da das Finale dieses Wettbewerbs kurz nach dem UCL-Rückspiel ansteht, darf man gespannt sein, wie Diego Simeone seine "Colchoneros" am kommenden Dienstag taktisch einstellt.
Im Camp Nou ließ der Argentinier Barca zunächst gewähren. Marcus Rashford vergab bereits in den ersten drei Minuten zwei Großchancen und blieb auch im weiteren Verlauf glücklos. Kurz darauf setzte Julian Alvarez ein erstes Ausrufezeichen für die Gäste, als sein Schuss nur knapp das Ziel verfehlte. Danach entwickelte sich das Spiel jedoch zur Belagerung: Ein Powerplay von Barcelona gegen ein tiefstehendes Atletico.

Lamine Yamals schwacher Auftritt
Schon früh wurde deutlich, dass die Katalanen ihr Spiel über Lamine Yamal aufziehen wollten. Doch das 18-jährige Wunderkind konnte dem enormen Druck an diesem Abend nicht standhalten. Sein Passspiel wirkte unpräzise; mit einer Quote von nur 77,4 % fand er zu selten seine Mitspieler. Da auch Rashford auf der anderen Außenbahn ineffektiv blieb, fiel es Barca schwer, zwingende Chancen zu kreieren.

Atletis Defensive hingegen stand wie ein Bollwerk. Besonders Nahuel Molina überzeugte, gewann alle seine vier Zweikämpfe und verzeichnete acht Ballrückeroberungen – Bestwert für sein Team. Während Barca zusehends frustriert wirkte, rieben sich Julian Alvarez und Giuliano Simeone in 30 Zweikämpfen auf, um die Räume eng zu machen und den Spielfluss der Gastgeber im Keim zu ersticken.
Die Wende: Rot für Cubarsí
Nach einer halben Stunde schien Barca alles im Griff zu haben. 69,1 % Ballbesitz und nur 9,1 % der Spielanteile im eigenen Drittel zeigten die Dominanz. Joao Cancelo schaltete sich permanent in die Offensive ein und kam im gegnerischen Strafraum öfter an den Ball als fast jeder andere. Ein Treffer von Rashford wurde zudem wegen einer hauchdünnen Abseitsposition von Yamal kurz vor der Pause aberkannt.
Doch in der zweiten Halbzeit kippte die Partie: Pau Cubarsí sah nach einem ungestümen Foul an Simeone und VAR-Eingriff die Rote Karte. Den fälligen Freistoß zirkelte Alvarez unhaltbar für Joan Garcia in die Maschen. Damit führte Atleti mit dem erst zweiten Torschuss der Partie. Für Cubarsí war es bereits der zweite Platzverweis in seinem 26. UCL-Einsatz – damit ist er der jüngste Spieler nach Antonio Silva, dem dies mehrfach passierte.
Flick reagiert, doch Sörloth entscheidet
Hansi Flick reagierte zur Pause drastisch und nahm Pedri sowie Robert Lewandowski vom Feld. Trotz Unterzahl blieb Barca spielbestimmend, scheiterte aber immer wieder an Juan Musso. Der Atleti-Keeper glänzte mit sieben Paraden, während sein Gegenüber Joan Garcia kaum eingreifen konnte. Die glänzend organisierte Abwehr der Gäste ließ kaum Lücken zu.

Nach einer Stunde hatte Rashford bereits siebenmal abgegeben, doch der Ball wollte nicht ins Netz. In der 70. Minute folgte die Entscheidung: Alexander Sörloth vollendete einen schnellen Angriff eiskalt zum 0:2. Kein langes Passspiel, keine verspielten Dribblings – purer, direkter Fußball reichte Atletico, um den Sack zuzumachen.
Zum Match-Center: FC Barcelona vs. Atletico Madrid
Zwar ist das Duell noch nicht endgültig entschieden, doch für eine Wende im Rückspiel muss Barcelona defensiv deutlich stabiler und offensiv effizienter auftreten. Es verspricht ein heißer Tanz zu werden.

