Vor der Woche der Wahrheit schob Simon Rolfes all die Anspannung gelassen beiseite. Er könne sich "vieles Schlimmeres vorstellen" als die Chance auf drei große Siege binnen sechs Tagen. "Das sind ja die Aufgaben, die du haben willst", versicherte der Sportchef von Bayer Leverkusen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die wacklige Werkself könnte in kürzester Zeit nahezu alles verspielen.
Inmitten des unübersichtlichen "Finals" der Champions League muss Bayer immerhin am Mittwoch (21 Uhr/DAZN) nur die Pflichtaufgabe gegen FC Villarreal lösen. Oder? Die in der Königsklasse chancenlosen Spanier haben lediglich ein Pünktchen gesammelt, in der Liga trumpft das "Gelbe U-Boot" als Tabellenvierter aber groß auf. Daher werde es "mit Sicherheit ein harter Brocken", warnte Kapitän Robert Andrich.
Mit einem Sieg erreicht Bayer sicher die Play-offs, selbst ein Punkt oder eine Pleite könnten reichen, sofern die Konkurrenten mitspielen. Aber: Wenn Leverkusen nicht gewinnt, droht zugleich das Ende aller Königsklassen-Träume schon in der Ligaphase. Ein Spaziergang, das verdeutlichte Bayers Fehlstart ins neue Jahr, wird es mitnichten.

Es ist "nicht alles scheiße"
Obwohl die Rheinländer dank des mühsamen Erfolgs gegen Werder Bremen (1:0) durchatmen durften, offenbarte der Auftritt in einigen Bereichen, woran es dieser Tage hakt bei der Werkself.
Andrich und seine Teamkollegen sparten nicht mit Selbstkritik. Die effiziente Ergebnismaschine, die Trainer Kasper Hjulmand zum Start seiner Amtszeit ins Laufen gebracht hatte, geriet zuletzt jedenfalls ziemlich ins Stocken.
Dennoch dürfe man es nicht falsch verstehen: Gegen Bremen sei "auch nicht alles scheiße" gewesen, betonte Andrich: "Es war halt nur kein Hurrafußball."
Omlin ersetzt Flekken
Die Leverkusener, die am Dienstag auf die Verletzung ihres Stammtorhüters Mark Flekken reagierten und den Gladbacher Jonas Omlin verpflichteten, hätten im zweiten Durchgang am Samstag jedoch ein "Team der Hilflosen" gestellt, schrieb etwa der kicker.
Die Sehnsucht nach spielerischem Glanz bleibt Bayers stetiger Begleiter seit der Xabi-Alonso-Ära. Aber auch in dieser Woche dürfte das Motto lauten: Ergebnis vor Erlebnis. Nach der Königsklasse wartet in der Liga erst das Verfolgerduell mit den kriselnden Frankfurtern, dann die Chance aufs Pokal-Halbfinale gegen den Abstiegskandidaten St. Pauli.

"Das ist ja immer das Spannende, vor allem im Frühjahr, dass es dann in Richtung Entscheidung geht", sagte Rolfes voller Zuversicht, zugleich müsse Bayer zusehen, "dass du in diesen Phasen da bist und dein Level erhöhst. Klar, das sind drei total wichtige Spiele, jedes für sich."
Match-Center: Leverkusen vs. Villarreal
Voraussichtliche Aufstellungen
LEVERKUSEN (3-4-2-1): Blaswich - Quansah, Andrich, Bade - Vazquez, Garcia, Fernandez, Grimaldo - Maza, Poku - Schick / Trainer: Kasper Hjulmand
VILLARREAL (4-4-2): Luiz Junior - Navarro, Marin, Veiga, Pedraza - Buchanan, Comesana, Parejo, Moleiro - Moreno, Mikautadze / Trainer: Marcelino
SCHIEDSRICHTER: Espen Eskas (Norwegen)
