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Verzweifelter Versuch der Europa-Rückkehr? Warum Top-Klubs João Félix meiden sollten

Joao Felix feiert das erste Tor für Portugal in Norwegen.
Joao Felix feiert das erste Tor für Portugal in Norwegen.Foto Arena LTDA / Alamy / Profimedia

João Félix gilt im Weltfußball häufig als Rätsel. Die Rede ist von einem Spieler, der eine mysteriöse, schwer greifbare Faszination ausübt – eine Beschreibung, die perfekt auf den mittlerweile 26-jährigen Portugiesen passt, der in seiner Karriere immer wieder mehr verspricht, als er am Ende hält.

Man muss sich rückblickend fragen, warum die Klubs nicht Schlange standen, als klar wurde, dass der AC Mailand seine Leihe nicht in einen festen Transfer umwandeln wollte. Doch die italienischen Giganten, Chelsea, Barcelona und Atlético Madrid können sich nicht alle irren.

Während Benfica Lissabon einst von allen Seiten dafür kritisiert wurde, sein Juwel für die Rekordablöse von 126 Millionen Euro zu Atleti ziehen zu lassen, hat die Zeit dem portugiesischen Traditionsklub recht gegeben.

Glanzmomente sind selten geworden

Vielleicht liegt das eigentliche Problem darin, dass so viele Topklubs von einem Spieler geblendet wurden, der an seinem besten Tag zwar Weltklasse ist, dessen starke Auftritte jedoch extrem selten vorkommen.

Die jüngsten Länderspiele Portugals gegen Wales und Norwegen lieferten dafür das perfekte Anschauungsmaterial: Zwei Tore in zwei Spielen klingen auf dem Papier hervorragend. Schaut man jedoch genauer hin, erfährt man kaum etwas über echten Einsatz oder dauerhafte Offensivgefahr. Diese zwei Partien fassen sein Dilemma perfekt zusammen.

Joao Felix' aktuelle Karrierestatistiken
Joao Felix' aktuelle KarrierestatistikenFlashscore

Die Nachricht, dass Félix die Saudi Pro League schon wieder verlassen und sich erneut einem europäischen Spitzenklub anschließen möchte, sollte daher mit großer Vorsicht aufgenommen werden.

Stark bei Al-Nassr – Zweifel bleiben

Obwohl seine Ausbeute bei Al-Nassr mit 30 Toren und 21 Vorlagen in 55 Pflichtspielen beeindruckend liest, läuft sein Vertrag im kommenden Sommer aus. Der offensive Mittelfeldspieler macht aus seinen Ambitionen keinen Hehl: "In meinem Kopf möchte ich nach Europa zurückkehren", wird er zitiert. 

"Noch einmal in der Champions League zu spielen und gegen die besten Teams anzutreten, motiviert mich. Es war eine Ehre, das Barça-Trikot getragen zu haben – ein Kindheitstraum von mir, meinem Vater und meinem Bruder."

Joao Felix' xG in LaLiga – Saison 2023/24
Joao Felix' xG in LaLiga – Saison 2023/24Opta by Stats Perform

"Ich fühle mich in Saudi-Arabien sehr wohl, bin glücklich und habe Freude am Fußball. Aber es stimmt: Ich denke intensiv über eine Rückkehr nach Europa nach."

Sein Landsmann João Cancelo hat nach seiner Zeit in Saudi-Arabien den Weg zurück nach Katalonien gefunden. Der offensive Außenverteidiger hat sich diese Chance allerdings durch Leistung verdient – was man von João Félix kaum behaupten kann.

Probleme gegen Europas Elite

Für Al-Nassr sah das meist großartig aus. Die Qualität der alltäglichen Gegner in der Liga ist jedoch – bei allem Respekt – überschaubar. Gegen die europäische Elite hatte der Portugiese hingegen regelmäßig das Nachsehen.

Seit seinem Wechsel zu Atlético erzielte er in keiner europäischen Ligasaison mehr als acht Tore; in seiner ersten Spielzeit bei Chelsea waren es mickrige vier Treffer.

Auch sein Passspiel wirft Fragen auf: In der vergangenen Saison bei Al-Nassr brachte er von 1.047 Pässen 855 an den Mann (81,7 Prozent Genauigkeit). Das ist zwar solide, muss aber erneut im Kontext der schwächeren Liga gesehen werden.

Im europäischen Spitzenfußball brachte er nur in drei Spielzeiten überhaupt mehr als 500 Pässe zustande. In 15 verschiedenen Wettbewerben versuchte er nicht einmal mehr als 100 Pässe per Saison. Beim Pokallauf von Atlético in der Copa del Rey 2020/21 spielte er beispielsweise im gesamten Wettbewerb nur 21 Pässe (davon 13 erfolgreich, mickrige 61,3 Prozent Quote).

Magere Ausbeute bei Flanken, Ecken und Balleroberungen

Die Schwächen setzen sich im Detail fort: Von 177 Flanken, die er seit seinem Abschied aus Lissabon geschlagen hat, kamen nur 21 an – sieben davon wohlgemerkt in Saudi-Arabien. Bei den Eckbällen sieht es kaum besser aus: Von 144 Versuchen fanden lediglich 39 ihr Ziel (davon 22 für Al-Nassr).

Joao Felix' aktuelle Spielerbewertungen
Joao Felix' aktuelle SpielerbewertungenFlashscore

574 Ballgewinne in 275 Spielen seit seinem Benfica-Abschied ergeben einen Schnitt von rund zwei Balleroberungen pro Partie. Man mag ihm zugutehalten, dass die Defensivarbeit nie zu seinen Kernaufgaben gehörte. Doch die Bereitschaft, für die Mannschaft metaphorisch durch Wände zu gehen, hätte seine Defizite an anderer Stelle ausgleichen können.

2.263 geführte Zweikämpfe klingen im ersten Moment zwar beeindruckend – bis man sieht, dass Félix 1.167 davon verloren hat. Zudem sind mickrige 155 Tacklings in fast sieben Jahren eine erschreckend magere Ausbeute, selbst wenn er davon immerhin 86 gewinnen konnte.

Niemand zweifelt an den herausragenden Fähigkeiten von João Félix. Wenn seine geschmeidige Technik aufblitzt, ist er ein Augenweide. Diese Qualitäten jedoch nur alle paar Spiele abzurufen, reicht auf Top-Niveau nicht aus.

Jeder europäische Klub, der mit einer Verpflichtung liebäugelt, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Geht das Experiment schief – was mit hoher Wahrscheinlichkeit passieren wird –, kann sich hinterher niemand beschweren. Es gilt das klassische Prinzip: Gekauft wie gesehen – Käufer aufgepasst!

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