"Die Chancen stehen sechzig zu vierzig für Mainz. Sie sind der Favorit, aber wenn Sigma ein Tor erzielt...", lässt er im Interview mit Flashscore eFotbal.cz die Tür für die Tschechen einen Spalt weit offen.
Herr Pospěch, Sie haben drei erfolgreiche Jahre in Mainz verbracht. Was assoziieren Sie heute mit dem Verein?
"Mainz ist ein echter Familienverein. Er ist nicht riesig, aber die herzliche Art der Menschen dort hat mich tief beeindruckt. Bis zum Ausbruch der Pandemie bin ich immer wieder gerne dorthin zurückgekehrt."
Schon zu Ihrer Zeit galt Mainz als Team ohne Stars, das über den Kampf und ehrlichen Fußball kommt – ein Profil, das perfekt zu Ihnen passte. Hat diese Symbiose deshalb so gut funktioniert?
"Absolut, genau so war es und so scheint es immer noch zu sein. Der Fokus liegt darauf, junge, noch unbekannte Spieler zu holen und ihnen eine Bühne zu bieten. Viele nutzen Mainz als Sprungbrett zu Topklubs. Lange Zeit klebte an Mainz das Image des typischen Zweitligisten, doch mittlerweile haben sie sich fest in der Bundesliga etabliert und ihre Ambitionen sind spürbar gewachsen."
Kontakt zu Mainz nicht ganz abgerissen
Dieser Aufstieg zeigt sich auch in der Teilnahme am Europapokal. Damals arbeiteten Sie unter Thomas Tuchel. Wie haben Sie seine Entwicklung verfolgt?
"Es war schon damals beeindruckend, wie sehr er für den Fußball gelebt hat. Er war detailbesessen, alles musste perfekt sein. Man konnte förmlich zusehen, wie er als Trainer wuchs, und es war klar, dass er bei einem größeren Klub landen würde. Dass er es so weit bringt, konnte natürlich niemand ahnen – das ist absolut bewundernswert."
Als das Los Mainz und Sigma zusammenführte: Gab es Kontakt zu Ihrem alten Arbeitgeber?
"Journalisten haben zwar nicht angerufen, aber aus dem Verein hat sich tatsächlich jemand gemeldet. Dabei ging es aber gar nicht um taktische Infos über Sigma. Man wollte eher wissen, ob ich beim Spiel in Olmütz dabei bin und wie es mir persönlich geht. Das war eine sehr nette Geste."
Sie haben das Hinspiel sicher verfolgt. Wie beurteilen Sie die Leistung der Mainzer?
"Ehrlich gesagt war ich ein wenig enttäuscht, vor allem vom Offensivspiel. Sie wirkten, als wären sie nur gekommen, um nicht zu verlieren – und dieses Remis haben sie dann auch mitgenommen. Dennoch bleiben sie für das Rückspiel der Favorit."
Ist nach dem 0:0 im Hinspiel noch alles drin?
"Wenn Mainz weiterkommen will, müssen sie sich definitiv steigern. Der Verein hat sich seit meinem Abschied enorm weiterentwickelt. Trotz der familiären Strukturen wachsen die Ansprüche. Ich sehe die Chancen bei sechzig zu vierzig für Mainz. Ich weiß nicht, ob das Stadion ausverkauft sein wird, aber mit über 20.000 Zuschauern wird die Atmosphäre sicher großartig."
Pospech ist dem Fußball erhalten geblieben
Könnte Mainz den Gegner unterschätzen?
"Vielleicht ist in den Hinterköpfen, dass man als Favorit den Aufstieg fest einplant. Das könnte Sigmas Chance sein. Sie kennen ihre Ausgangslage: Wenn sie ein Tor erzielen, wird es richtig spannend."
In Olmütz weht nach dem Besitzerwechsel ebenfalls ein neuer Wind. Es wird investiert wie nie zuvor. Wie bewerten Sie diesen Weg?
"Es ist das erste Jahr unter der neuen Führung, wir müssen abwarten. Grundsätzlich ist es toll, wenn wohlhabende Investoren Geld in den Fußball stecken. Ich verfolge die Schritte, die Sigma macht, sehr genau. Es ist gut, dass der Verein Ambitionen zeigt, und ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung."
Auch Trainer Janotka steht im Fokus. Was halten Sie von seiner Arbeit?
"Ich kenne ihn nicht persönlich, aber die Ergebnisse sprechen für sich: Wenn Sigma erfolgreich spielt und sich auf europäischer Bühne zeigt, leistet er offensichtlich gute Arbeit."
Nach Ihrem Karriereende wurde Ihnen oft eine Laufbahn als Manager prophezeit. Warum ist es dazu bisher nicht gekommen?
"Momentan fehlen mir da einfach die Ambitionen. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie; meine drei kleinen Kinder erfüllen mich voll und ganz."
Trotzdem kicken Sie noch in der fünften Liga für Kravaře – und das sehr treffsicher als Tabellenführer.
"Die Freude am Fußball ist einfach immer noch da. Und was die Tore angeht: Die Jungs legen mir die Bälle meistens so gut auf, dass ich sie nur noch verwandeln muss (lacht)."
In Mainz haben Sie in drei Jahren ein Tor erzielt. Haben Sie das noch vor Augen?
"So etwas vergisst man nicht. Es war gegen Schalke. Ich bekam den Ball auf dem rechten Flügel, habe abgezogen und er schlug ein. Ich weiß heute nur nicht mehr ganz genau, ob ich beim Schuss schon im Strafraum stand oder noch knapp davor."
Zum Match-Center: Mainz 05 vs. Sigma Olmütz
