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Frankreichs letzter Außenposten: AS Miquelonnaise geht auf Coupe-de-France-Reise

Die Coupe de France sorgt für eine Auswärtsreise von über 4.000 Kilometern.
Die Coupe de France sorgt für eine Auswärtsreise von über 4.000 Kilometern.sezer ozger / Alamy / Profimedia

Frankreichs letzter Fitzel in Nordamerika ist kalt, windig und meist von Nebel bedeckt. 600 Menschen leben auf der Insel Miquelon vor der kanadischen Küste, sie zahlen mit Euro, essen Baguette und Croissants - und am Samstag sind sie alle Fußball-Fans. Denn die AS Miquelonnaise nimmt erstmals am französischen Pokal teil - 4200 Kilometer weiter östlich in der Nähe von Lille.

"Diese Reise ist weit mehr als nur ein Fußballspiel. Für uns ist es eine Gelegenheit, die Farben unseres Vereins und unseres Archipels auf dem Festland voller Stolz zu vertreten", teilte der Klub vor dem Langstreckenflug nach Paris mit. Am Samstag (18.00 Uhr) tritt Miquelonnaise bei Siebtligist US Lesquin an, ein Sieg wäre eine Überraschung.

Einst beanspruchte Frankreich fast die Hälfte Nordamerikas, übrig sind nach politischen Wirren nur noch die Inseln Saint-Pierre und Miquelon vor Neufundland. Drei Fußballvereine gibt es dort, zwei davon auf Saint-Pierre (5200 Einwohner). Jene zwei waren im Kampf um das begehrte Pokal-Ticket immer zu stark für Miquelonnaise. Bis zum 1. August.

Interkontinentale Reisen an der Pokal-Tagesordnung

Nach dem 7:6 im Elfmeterschießen gegen Saint Pierraise gab es im Hauptort der Insel sogar eine Art Parade, um den historischen Tag zu feiern. Von Glamour war dabei aber keine Spur: Die Mannschaft stand jubelnd auf der Ladefläche eines rostigen Trucks, der von mehreren hupenden Autos verfolgt wurde. Am Straßenrand standen Männer und schossen mit Gewehren in die Luft.

Das Abenteuer von Miquelonnaise ist indes nur die neueste von vielen skurrilen Geschichten aus dem französischen Pokal. Seit 1961 dürfen die Übersee-Departements, die "Territoires d'outre-mer", am Coupe de France teilnehmen. Ab und an müssen Teams vom Festland sogar in Guadeloupe, Neukaledonien oder Martinique antreten, die eigene Bereitschaft vorausgesetzt. Frankreichs Verband übernimmt einen Großteil der Reisekosten.

Weil Saint-Pierre und Miquelon anders als viele Überseegebiete nicht Mitglied eines Kontinentalverbands sind, wäre theoretisch sogar ein Kuriosum möglich: Gewinnt der Insel-Klub den Pokal, könnte der Europacup im kommenden Jahr in Nordamerika Station machen. Nun ja, das Stade de l'Avenir mit seinen 500 Plätzen müsste noch auf den UEFA-Standard erweitert werden. Aber immerhin: Nur 300 Meter entfernt steht der kleine Flughafen der Insel. Ganz so weit wäre die Anreise also gar nicht.