"Cupsets": Die größten Pokal-Überraschungen in Europa (Saison 2025/26) – Teil 1

Torreense feiert den erstmaligen Gewinn der Taca de Portugal.
Torreense feiert den erstmaligen Gewinn der Taca de Portugal.VALTER GOUVEIA / NURPHOTO VIA AFP

Diese Saison bot alles, was den Pokal so magisch macht: Sensationelle Läufe von Underdogs und das völlig unerwartete Straucheln etablierter Top-Klubs. Flashscore blickt zurück auf zehn der spektakulärsten "Cupsets" der Spielzeit 2025/26.

Torreense vs Sporting CP – Taca de Portugal Finale

Wir starten direkt mit einer der größten Endspiel-Sensationen seit Jahrzehnten. Im portugiesischen Pokal ist man das Unerwartete zwar fast schon gewohnt – immerhin gab es schon in der Vorsaison ein Cupset in unserer Liste, und auch diesmal blieben Überraschungen nicht aus, als der Erstligist Rio Ave am Drittligisten Sintrense scheiterte und Estrela da Amadora gegen den Viertligisten Alpendorada den Kürzeren zog.

Doch was sich im Finale abspielte, stellte alles in den Schatten: Sporting CP, Vizemeister der Liga Portugal, stand zum 32. Mal im Endspiel und ging als haushoher Favorit in die Partie gegen den Zweitligisten Torreense. Für den Underdog war es erst das zweite Finale der Vereinsgeschichte – das erste lag stolze 70 Jahre zurück. Auf dem Weg dorthin hatten sie mit Casa Pia lediglich einen einzigen Erstligisten ausgeschaltet. Ein respektabler Weg, der jedoch verblasste gegen das, was nun in Leiria folgen sollte.

Als Kevin Zohi den Außenseiter nach nicht einmal fünf Minuten in Führung brachte, glaubte wohl kaum jemand daran, dass dieses Tor 86 Minuten lang Bestand haben würde.

Der Favorit aus der Hauptstadt antwortete knapp zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff durch Luis Suarez. Die Verhältnisse schienen geradegerückt und das Spiel den erwarteten Verlauf zu nehmen – doch Torreense dachte nicht ans Aufgeben. Sie retteten sich in die Verlängerung und hielten dem Dauerdruck von Sporting stand. In der 109. Minute folgte der emotionale Höhepunkt: Sportings Maximiliano Araujo sah wegen einer Notbremse die Rote Karte. Den fälligen Elfmeter verwandelte Stopira eiskalt.

Torreense brachte den Vorsprung über die Zeit und krönte sich zum ersten Zweitligisten der Historie, der den portugiesischen Pokal gewann. Neben dem ersten großen Titel der Vereinsgeschichte bedeutete dies auch die sensationelle Qualifikation für die Europa League. Fast wäre das Märchen perfekt gewesen, doch in der Aufstiegsrelegation unterlag "SCUT" ausgerechnet Casa Pia, die sich damit für das Pokalaus rächten. Dennoch bleibt diese Saison für die Fans von Torreense unvergesslich.

ASK Voitsberg 3:2 Austria Wien – OFB Steigl, 1. Runde

Vom dramatischen Saisonfinale springen wir zurück an den Anfang der Spielzeit, als der österreichische Fußball direkt ein echtes Beben erlebte.

Der ASK Voitsberg kam frisch aus einer sportlichen Katastrophe: dem Abstieg in die drittklassige Regionalliga. Zum Auftakt der neuen Pokalsaison wartete ausgerechnet Austria Wien. Die "Veilchen" sind mit 24 Meisterschaften und 27 Cup-Titeln der absolute Rekordsieger des Landes. Obwohl der Traditionsklub aus Wien nur zehn Jahre älter ist als die Steirer, war die Favoritenrolle deutlicher nicht zu verteilen.

Ein erstes Raunen ging in der 23. Minute durchs Stadion, als Andreas Pfingster den Außenseiter in Führung brachte. Die Sensation zur Pause lag in der Luft, doch Noah Botic glich kurz vor dem Halbzeitpfiff für den Favoriten aus.

Als Maurice Malon im zweiten Durchgang das 2:1 für die Austria schoss, schien die Partie den erwarteten Weg zu gehen. Voitsberg bewies jedoch Comeback-Qualitäten: Luka Zivanovic und Martin Krienzer drehten die Partie mit einem Doppelschlag innerhalb von nur zwei Minuten komplett auf 3:2. Die Wiener drängten in der Schlussphase wütend auf den Ausgleich, doch Voitsberg verteidigte leidenschaftlich und brachte den größten Coup der österreichischen Pokalsaison über die Runden.

Zwar schied Voitsberg in der nächsten Runde gegen die Admira aus, die Saison wurde dennoch zum vollen Erfolg: Neben diesem historischen Pokalsieg feierten sie die Meisterschaft in der Regionalliga und die direkte Rückkehr in die 2. Liga.

Macclesfield FC 2:1 Crystal Palace – FA Cup, 5. Runde

Zum Abschluss der Saison 2024/25 feierte Crystal Palace mit dem FA-Cup-Sieg den ersten großen Titel der Vereinsgeschichte und krönte das Jahr im Anschluss sogar mit dem Gewinn der Conference League. Die Mission Titelverteidigung im FA Cup würden die Palace-Fans jedoch wohl am liebsten aus den Geschichtsbüchern streichen.

In der 5. Runde wartete der Sechstligist Macclesfield FC – der Nachfolgeverein des einst aufgelösten Klubs Macclesfield Town. Zur Einordnung der Dimensionen: Die "Silkmen" mussten sich durch fünf Runden kämpfen, um überhaupt so weit zu kommen. Mit 15 erzielten Toren im Rücken empfing der Amateurklub den Premier-League-Vertreter im heimischen Stadion.

Obwohl Macclesfield im Ligasystem satte 117 Plätze hinter Palace lag, spielten sie von Beginn an mutig auf. Kurz vor der Pause belohnte Kapitän Paul Dawson den Außenseiter mit dem Führungstreffer. Angetrieben von der emotionalen Motivation, für ihren kurz zuvor verstorbenen Ex-Spieler Ethan McLeod zu spielen, legten die Gastgeber nach: Isaac Buckley-Ricketts erhöhte nach einer Stunde auf 2:0 – das Stadion Moss Rose stand Kopf.

Trotz der klaren Feldüberlegenheit der Londoner verbuchte Macclesfield am Ende sogar 13:12 Torschüsse. Der späte Anschlusstreffer von Yeremi Pino kam für die "Eagles" zu spät. Macclesfield hielt stand und sorgte für eine der größten Sensationen der FA-Cup-Geschichte: Es war das erste Mal seit 1909, dass ein unterklassiger Klub den amtierenden Titelverteidiger aus dem Wettbewerb warf.

In der nächsten Runde verabschiedete sich Macclesfield erhobenen Hauptes mit einem knappen 0:1 gegen Brentford. In der National League North reichte es am Ende zu Platz vier, ehe man im Play-off-Halbfinale an den Kidderminster Harriers scheiterte. Der Sieg gegen Palace bleibt dennoch das absolute Highlight der Vereinsmoderne.

Krusevo 2:2 Borac Banja Luka, 2:0 im Elfmeterschießen – Bosnischer Pokal, 1. Runde

In Bosnien und Herzegowina erwischte es Borac Banja Luka kalt. Der Traditionsverein, der in dieser Saison sein 100-jähriges Bestehen feierte und im Vorjahr noch in der K.-o.-Phase der Conference League stand, hatte große Pläne. Erst ein einziges Mal in der Vereinsgeschichte hatten die "Crveno-plavi" den nationalen Pokal gewonnen – zum Jubiläum sollte der zweite Streich folgen.

Zum Auftakt reiste man zum Drittligisten Kruševo. Der Underdog hatte zwar im Vorjahr überraschend das Viertelfinale erreicht, besaß aber keinerlei Erstliga-Erfahrung. Entsprechend einseitig wurde die Partie erwartet, was sich früh bestätigte: Cherif Atab Diouf und Ognjen Radosevic schossen Borac mit einem Doppelschlag innerhalb einer Minute scheinbar komfortabel mit 2:0 in Front.

Doch Kruševo bewies die alte Fußballweisheit, dass ein Zwei-Tore-Vorsprung trügerisch sein kann. In der zweiten Halbzeit verkürzte Ivan Raguz für die Hausherren, bevor Ivan Zelenika nach einer Stunde den sensationellen Ausgleich erzielte. Borac hatte den Faden komplett verloren und musste nach 90 Minuten ins Elfmeterschießen.

Dort versagten dem Favoriten komplett die Nerven: Kein einziger der vier Schützen von Banja Luka traf das Tor. Kruševo reichten zwei verwandelte Elfmeter, um das Wunder perfekt zu machen.

Wie so oft war für den Drittligisten in der nächsten Runde Endstation (1:5 gegen Radnik Bijeljina). In der Liga lief es mit Platz drei ordentlich, während Borac Banja Luka den Pokalschock immerhin gut verdiente: Sie sicherten sich am Ende den vierten nationalen Meistertitel und spielen im Sommer in der Champions-League-Qualifikation.

FC Breitenrain 1:0 FC Thun – Schweizer Cup, 1. Runde

Die letzte Überraschung im ersten Teil führt uns in die Schweiz, die ohnehin eine historische Saison erlebte. Der FC Thun schaffte das schier Unmögliche und krönte sich nur ein Jahr nach dem Aufstieg aus der Challenge League sensationell zum Schweizer Meister.

In der 128-jährigen Vereinsgeschichte hatten die Thuner zwar schon in der Champions League gespielt, aber noch nie einen großen Titel gewonnen. Bevor die Saison jedoch historisch gut endete, begann sie mit einer kalten Dusche im Cup. In der ersten Runde gastierte man beim drittklassigen FC Breitenrain. Der Berner Quartierverein ist seit anderthalb Jahrzehnten eine feste Größe in der Promotion League.

Da die Saison noch jung war, wusste niemand genau, wo Thun leistungsmäßig stand. Dass es beim drittklassigen Nachbarn so enden würde, ahnte dennoch niemand. Breitenrain hielt den Favoriten im ersten Durchgang geschickt in Schach und ging kurz nach dem Seitenwechsel durch einen verwandelten Elfmeter von Neto in Führung.

Thun warf in der Schlussphase alles nach vorne, fand aber kein Durchkommen. Nach dem Schlusspfiff stürmten die Fans den traditionsreichen Platz am Spitalacker, um den historischen Coup zu feiern. Während Breitenrain danach eine eher ruhige Saison spielte (Aus in der nächsten Runde gegen Zug, Platz 12 in der Liga), wirkte das frühe Pokalaus für Thun wie ein Hallo-Wach-Effekt für den späteren sensationellen Meistertitel.

Besondere Erwähnungen

Wir schließen den ersten Teil mit drei bemerkenswerten Resultaten ab:

Irland: Der Zweitligist Kerry drehte im Viertelfinale gegen die Sligo Rovers einen scheinbar aussichtslosen Drei-Tore-Rückstand und siegte am Ende dramatisch mit 4:3 durch ein Tor von Daniel Okwute in der 117. Minute. Nach dem vorherigen Sieg gegen Athlone Town war es bereits das zweite Erstliga-Opfer, ehe im Halbfinale gegen den späteren Double-Sieger Shamrock Rovers Schluss war.

Serbien: Der siebenfache Pokalsieger und frühere Europacup-Finalist Partizan Belgrad erlebte beim 0:2 bei Mačva Šabac ein Debakel. Es war das Spiegelbild einer enttäuschenden Saison, die Partizan nur auf Rang drei hinter Double-Sieger Roter Stern Belgrad und Vojvodina abschloss.

Ukraine: Für die größte Sensation im ukrainischen Pokal sorgte der Fünftligist Ahrotekh Tyshkivka. Nach einem 1:1 nach regulärer Spielzeit behielt der krasse Außenseiter im Elfmeterschießen mit 7:6 gegen Epitsentr die Nerven. Im Achtelfinale endete die Reise schließlich – nach einem erneuten Elfmeterschießen – gegen Feniks-Mariupol.