Wie ist die Stimmung in der Mannschaft nach den Siegen gegen Real Madrid und Rayo sowie dem Remis gegen Valencia?
Was die Moral und das Selbstvertrauen angeht, fühlen wir uns natürlich deutlich besser als noch vor einem Monat. Tabellarisch hat sich die Situation jedoch kaum entspannt. Es gab Spieltage, an denen fast alle Mannschaften im Tabellenkeller gewonnen haben. Zum Glück konnten wir Real Madrid schlagen – ein Sieg, mit dem niemand gerechnet hatte. Ohne diese drei Punkte stünden wir jetzt ganz woanders. Die Mannschaft ist intakt, wir haben Selbstvertrauen und der Spielplan lässt noch alles offen.
Wie geht man mental damit um, wenn man zwar überraschende Siege einfährt, die Konkurrenz aber ebenfalls punktet und man nicht vom Fleck kommt?
In LaLiga ist es extrem eng geworden. Die Zeiten, in denen Real oder Barça jedes Jahr die 100-Punkte-Marke knacken, sind wohl vorbei. Natürlich sind sie immer noch überlegen, aber vom fünften bis zum zwanzigsten Platz ist das Niveau sehr ähnlich. Jedes Spiel ist ein Kampf. Deshalb waren diese zwei Siege in Folge so wichtig für uns – ich glaube, wir hatten über ein Jahr lang nicht mehr zwei Partien hintereinander gewonnen. In dieser Liga wird am Ende derjenige bestehen, der sportlich und mental am stabilsten ist und die größte Leidensbereitschaft zeigt.
Sie haben aktuell zwei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Ist es ein Vorteil, dass so viele Teams involviert sind? Schauen Sie ständig auf die Tabelle?
Die Realität ist: Wir müssen auf uns schauen, denn wir haben es selbst in der Hand. Wir befinden uns in einem Prozess mit einem neuen Trainer und müssen dessen Konzepte erst verinnerlichen. Dennoch würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, dass wir nicht auf die Ergebnisse von Klubs wie Sevilla schauen. Das ist unvermeidlich. Ab 40 Punkten ist man wohl gerettet, aber davor kämpfen aktuell fünf bis sieben Mannschaften.

Letzte Woche sah es für Rayo oder Valencia noch sicher aus, doch durch unseren Sieg und die Ergebnisse der anderen ist plötzlich wieder bei allen die Nervenanspannung spürbar. Je mehr Teams unten drin hängen, desto besser für uns.
Wie nehmen Sie den Kampfgeist von Teams wie Levante wahr, die bis zum Schluss alles geben?
Wir wussten, dass sie nicht aufgeben würden. Levante kommt aus der zweiten Liga und weiß jedes Spiel in der Primera División zu schätzen. Solche Mannschaften können, wenn es läuft, problemlos zwei oder drei Siege in Folge holen. Dass die Konkurrenz über ihnen ebenfalls punktet, ist ihr Pech, aber sie leben noch. Vor zwei Monaten sah es so aus, als stünden zwei Absteiger bereits fest – heute würde ich sagen, dass alle drei Plätze noch völlig offen sind. Wir müssen extrem wachsam sein.
Ankunft von Neu-Trainer Demichelis
Mallorca erlebt ein wechselhaftes Jahr. Warum geht es eher um den Klassenerhalt als um das gesicherte Mittelfeld?
Wir steckten seit dem letzten Jahr in einer negativen Dynamik fest, die vom Supercup bis in den Pokal reichte. Wir kamen da einfach nicht raus, ohne genau sagen zu können, woran es lag. Jagoba Arrasate hat alles versucht, die Spieler ebenso. Aber manchmal bewirkt ein Trainerwechsel eben diesen nötigen Impuls, wie man es auch bei anderen Klubs sieht. Wir haben einen Neustart gewagt, die Rollen einiger Spieler haben sich verändert. Ohne Jagobas Arbeit schmälern zu wollen – er ist ein großartiger Trainer –, hat uns der Wechsel zu Martín (Demichelis) gutgetan.
Welches Trainerprofil braucht ein Verein wie Mallorca?
Das hängt von der Phase ab. Als ich kam, war Javier Aguirre da. Das war wichtig, um den Verein in der Liga zu etablieren – auch wenn der Fußball vielleicht nicht immer schön war. Dann kam Jagoba mit einer direkteren Spielweise, was uns in der Hinrunde über 30 Punkte einbrachte.
Jetzt aber brauchten wir jemanden wie Martín: Ein Trainer mit Biss, einer starken Persönlichkeit und einem gewissen Ego. Er hat als Spieler eine Weltkarriere hinter sich, steht als Trainer aber noch am Anfang und brennt darauf, sich einen Namen zu machen. Er hat die Dinge klarer strukturiert und sich hervorragend an den Kader angepasst. Pablo Ortiz gebührt Anerkennung für das Risiko, auf einen in Spanien noch unerfahrenen Trainer zu setzen. Momentan ist er der perfekte Coach für uns.
Gegenwart und Zukunft von Sergi Darder
Ihre Rolle unter dem neuen Trainer war anfangs kleiner. Werden Sie nächste Saison trotzdem auf Mallorca bleiben?
Ja, absolut. Zuletzt stand ich wieder in der Startelf und konnte zeigen, was ich kann. Ich habe mein Lächeln nie verloren, auch wenn ich selbstkritisch genug bin, um zuzugeben, dass ich phasenweise nicht auf dem Niveau war, das ich bei Espanyol gezeigt habe. Mein Spiel war zu unkonstant. Ich musste die Jokerrolle unter Martín akzeptieren und habe versucht, dem Team so gut wie möglich zu helfen. In den letzten Spielen durfte ich wieder im defensiven Mittelfeld ran. Das ist meine Position, dort kann ich meine Stärken besser ausspielen.
Wie lange läuft Ihr Vertrag noch?
Ich habe noch einen Vertrag für dieses Jahr und zwei weitere Spielzeiten.
Ist es Ihr ausdrücklicher Wunsch, über die Saison hinaus zu bleiben?
Eindeutig ja. Im Fußball kann natürlich viel passieren: der Verein könnte andere Pläne haben, ein Angebot könnte reinkommen oder der Trainer entscheidet sich um. Aber mein persönlicher Wunsch ist es, noch viele Jahre hier zu spielen.
Der Schlüssel zur Rettung
Es stehen noch sieben Spiele an. Gehen Sie diese einzeln an oder gibt es "Schlüsselpartien"?
Zuhause sind wir traditionell stark. Die kommenden Wochen werden den Unterschied machen. Dabei ist es egal, ob der Gegner Real Madrid oder ein direkter Konkurrent ist – jedes Spiel ist ein Finale. Wir dürfen keine Punkte verschenken. Ziel muss es sein, den Klassenerhalt so früh wie möglich zu sichern, damit es in den letzten zwei Partien nicht zu einem Nervenkrieg um unser Leben kommt.
Wie wichtig ist ein Spieler wie Vedat Muriqi, der um die Torjägerkrone kämpft?
Es ist leicht, ihn zu loben, wenn er 21 Tore schießt, das macht ihn zum Unterschiedsspieler. Aber selbst wenn er mal nicht trifft, gibt er der Mannschaft etwas Einzigartiges. Er kämpft, er presst, er ist immer positiv und führt das Team. Solche Qualitäten sieht man bei Stürmern selten. Es ist ein Luxus, ihn zu haben. Ohne seine Tore und seinen Einsatz stünden wir ganz sicher am Tabellenende. Zum Glück ist er bei uns und in Topform.
