Neustart nach 811 Tagen: Die Rückkehr des Paul Pogba – Comeback bei "Les Bleus"?

Paul Pogba feiert bei der AS Monaco ein bemerkenswertes Comeback.
Paul Pogba feiert bei der AS Monaco ein bemerkenswertes Comeback.VALERY HACHE / AFP

Als Paul Pogba am vergangenen Samstag in Rennes die Seitenlinie überquerte, erlebte der französische Fußball einen Moment, der sich wie eine Erlösung anfühlte. Der 32-Jährige, eingekleidet in Monacos gelbes Ausweichtrikot, betrat in der 85. Minute bei strömendem Regen den Platz, und trotz eines 0:4-Rückstands seiner Mannschaft wurde er gefeiert wie ein Held.

Pogbas letzter Pflichtspieleinsatz lag zu diesem Zeitpunkt 811 Tage zurück, es war ein Auftritt für Juventus Turin gegen Empoli am 3. September 2023. Dazwischen lagen Jahre voller Rückschläge: zahlreiche Verletzungen, die seine Rückkehr in seiner zweiten Juventus-Phase auf 161 Minuten begrenzten, eine vierjährige Dopingsperre (später auf 18 Monate reduziert) und eine erschütternde Erpressungsaffäre, die sogar zur Verurteilung seines Bruders Mathias führte.

Nun also war Pogba zurück, und das Publikum liebte es. Schon sein erster signifikanter Ballkontakt, ein Diagonalpass vom Mittelkreis, löste Begeisterung aus. Cruyff-Drehung, Sombrero-Ansatz, No-Look-Pass – kleine Erinnerungen an den Pogba früherer Tage, die selbst die Heimfans mit zustimmendem Geraune belohnten.

Nach dem Abpfiff kniete Pogba auf dem durchnässten Rasen nieder. Tränen in den Augen, die Hand auf dem Herzen. „Die Begrüßung durch die Fans hat mich wirklich bewegt“, erklärte er später. „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass die Fans so aufstehen und applaudieren würden.

Die besondere Bedeutung seines Ligue-1-Debüts

Eine Woche später gab es vor den heimischen Fans die Wiederholung: In der 86. Minute wurde er beim großen Spiel gegen Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain eingewechselt, diesmal durfte er sogar einen 1:0-Sieg bejubeln.

Obwohl Pogba Weltmeister ist und über 50 Länderspiele bestritten hat, machte er in Rennes das erste Ligue-1-Spiel seiner Karriere. Seit seinem letzten Auftritt für die U17 von Le Havre waren über 16 Jahre vergangen. Als Teenager galt Pogba in der berühmten Le-Havre-Akademie als herausragendes Talent: ein intelligenter, selbstbewusster und hilfsbereiter Spieler, der trotz seines Ehrgeizes stets andere unterstützte.

Sein Wechsel zu Manchester United im Jahr 2009 hinterließ bei Le Havre tiefe Wunden und führte zu schweren Vorwürfen und langwierigen Verhandlungen. Doch bereits damals zeigte sich der Weg, auf dem Pogba letztlich globaler Superstar werden sollte.

Sein Transfer zu AS Monaco nahm im Mai dieses Jahres bei einem geheimen Besuch im Fürstentum Form an. Pogba war beeindruckt von den modernen Einrichtungen des Vereins und der ruhigen Umgebung. Nachdem Juventus ihn während seiner Sperre im November 2024 entlassen hatte, nutzte Pogba seine Freiheit, um sorgfältig einen Verein auszuwählen. Monaco bot ihm Stabilität, hervorragende medizinische Voraussetzungen und die Möglichkeit, sich in Ruhe wieder aufzubauen.

Sein Wechsel schlug weltweit Wellen, nicht zuletzt, weil Pogba beim Unterzeichnen seines Zweijahresvertrags in Tränen ausbrach. „Mir kamen unzählige Bilder in den Sinn: das Doping, die Verletzungen“, sagte er später. „Aber es war auch ein Moment der Freude.

Aufgabe und Verantwortung im jungen Monaco-Kader

Monaco, aktuell Achter in der Ligue 1 und mit einem sehr jungen, talentierten Team ausgestattet, verpflichtet Pogba auch als Führungsspieler. Geschäftsführer Thiago Scuro betont, Pogbas Einfluss werde helfen, die Mannschaft reifer und stabiler zu machen.

Hinter den Kulissen beeindruckt Pogba mit Bodenständigkeit: Gespräche mit Fans, Geduld bei Selfie-Wünschen, Ratschläge für die jüngeren Spieler. Für viele im Team ist er ein Idol, und zugleich jemand, der täglich vorlebt, was Professionalität bedeutet, indem er hart trainiert und häufig zwei Einheiten pro Tag absolviert.

Schon bevor er wieder spielte, machte Pogba in Monaco auf sich aufmerksam: mit einem Retro-Trikot in Le Havre, einer korrekten Tor-Prognose für Ansu Fati oder seinen neuen geschäftlichen Aktivitäten wie einer Schmuckkollektion, einer Bekleidungslinie und seiner Rolle als prominentes Gesicht des neuen Ligue-1-Senders.

Doch sportlich verfolgt er ein großes Ziel: die Rückkehr in die französische Nationalmannschaft. Sein letztes Länderspiel liegt mehr als dreieinhalb Jahre zurück, doch Pogba macht keinen Hehl daraus, dass er zur WM im kommenden Jahr wieder dabei sein möchte.

Ein Neustart und die Chance, Geschichte zu schreiben

Zum ersten Mal in seiner Karriere spielt Paul Pogba Vereinsfußball im eigenen Land. Die Ligue 1, sein Heimatland, Monaco – all das ist Neuland für einen der berühmtesten Fußballer Frankreichs. Sein Comeback in Rennes war erst der Anfang. Die Reise ist noch lang, doch Pogba hat eine seltene Gelegenheit: die Geschichte seiner Karriere neu zu schreiben.