ANALYSE: Amorims Frust über Man Uniteds Transferpolitik könnte zum Problem werden

Ruben Amorim steht bei Manchester United nach seinen Aussagen unter Druck.
Ruben Amorim steht bei Manchester United nach seinen Aussagen unter Druck.MOLLY DARLINGTON / GETTY IMAGES VIA AFP

Die Transferpolitik von Manchester United scheint Ruben Amorim zunehmend an seine Grenzen zu bringen. Nach dem Spiel am Sonntag fand der portugiesische Trainer ungewöhnlich deutliche Worte – ein Signal dafür, dass sich die Stimmung rund um seine Zukunft spürbar verändert hat.

Noch vor wenigen Wochen herrschte im Klub ein deutlich optimistischeres Bild. Klubnahe Quellen gingen davon aus, dass Amorims Position gefestigt sei: Er erfüllte die Erwartungen der Verantwortlichen und hielt die Mannschaft in Schlagdistanz zu den Champions-League-Plätzen.

Dieses Ziel hatte für ihn in der laufenden Saison stets oberste Priorität. Selbst in Phasen mit schwankenden Leistungen oder wenig überzeugendem Fußball blieb United konkurrenzfähig und mischte im Kampf um die vorderen Tabellenplätze mit.

Frust bei Amorim wächst

Inzwischen scheint sich die Lage jedoch gewandelt zu haben. Hochrangige Klubvertreter beraten offenbar über das weitere Vorgehen und Amorims Arbeitsplatz gilt nicht mehr als uneingeschränkt sicher.

Manchester Uniteds aktuelle Form.
Manchester Uniteds aktuelle Form.Flashscore

Auch beim Trainer selbst wächst der Frust. Aus seiner Sicht hat er seinen Teil der Abmachung erfüllt: Die Mannschaft hat sich seit seiner Ankunft stabilisiert, trotz zahlreicher Verletzungen und Abstellungen für Nationalteams blieb United konkurrenzfähig.

Gleichzeitig entsteht bei Amorim zunehmend der Eindruck, dass die Unterstützung aus der Klubführung nicht mit seinem eigenen Engagement Schritt hält. Im aktuellen Transferfenster hatte er fest mit Verstärkungen gerechnet, insbesondere mit der Verpflichtung eines Mittelfeldspielers als zentrale Priorität.

Keine Neuzugänge für United im Winter?

Der Klub bemühte sich zwar um Antoine Semenyo, scheiterte jedoch, und weitere konkrete Transferbewegungen sind bislang nicht erkennbar. Auch wenn klar ist, dass einige Wunschspieler außerhalb der finanziellen Reichweite liegen, hatte Amorim zumindest auf ernsthafte neue Anläufe gehofft, um den Kader für die entscheidende Phase der Saison breiter aufzustellen.

In den vergangenen zehn Tagen verdichteten sich laut internen Quellen jedoch die Anzeichen, dass es möglicherweise gar keine Neuzugänge geben wird. Zwar sondiert der Verein weiterhin den Markt, doch echte Fortschritte bleiben aus, was sowohl die Kaderplanung als auch die Zukunft des Trainers zunehmend in der Schwebe lässt.

Nach dem 1:1-Unentschieden gegen Leeds an der Elland Road sprach Amorim ungewöhnlich offen über seine Situation. "Ich bin hierhergekommen, um Manager von Manchester United zu sein, nicht nur Trainer", stellte er klar. "Ich weiß, mein Name ist nicht Tuchel, Mourinho oder Conte, aber ich bin der Manager."

Weiter sagte er: "So wird es in den nächsten 18 Monaten laufen oder bis das Präsidium entscheidet, etwas zu ändern. Ich werde nicht zurücktreten. Ich werde meine Arbeit machen, bis jemand anderes kommt, um mich zu ersetzen."

Auch intern verteilte Amorim klare Verantwortlichkeiten: "Jede Abteilung – das Scouting, der Sportdirektor, alle – müssen ihren Job machen. Ich mache meinen für 18 Monate, dann sehen wir weiter."

Carrick oder Southgate als Trainerlösung?

Mit Blick auf öffentliche Kritik ergänzte er: "Wenn man mit den Gary Nevilles und der ständigen Kritik nicht umgehen kann, dann muss man den Klub verändern."

Die Entscheidungsträger bei United stehen nun vor der Aufgabe, den richtigen Weg für den Verein zu finden, um wieder mit klarer Richtung und Zuversicht voranzugehen. Amorims Aussagen haben die Diskussionen über seine Position weiter angeheizt, ebenso wie die schleppende Transferaktivität im Januar. Für den Ernstfall laufen intern bereits erste Gedankenspiele.

Als mögliche Interimslösung wird Michael Carrick gehandelt, der den Verein und die Kabine bestens kennt. Auch der vereinslose Ex-England-Trainer Gareth Southgate genießt bei einigen Verantwortlichen hohes Ansehen.

Vorerst bleibt Ruben Amorim im Amt. Doch das Gefühl von Stabilität, das seine Zeit bei Manchester United zuletzt umgab, beginnt spürbar zu bröckeln.

Dean Jones
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