Christian Eckerlin gehört zu den bekanntesten Gesichtern der europäischen MMA-Szene. Der Frankfurter betreibt einen Nachtclub, ist erfolgreicher YouTuber und füllt im OKTAGON ganze Stadien. Doch seine sportliche Laufbahn begann tatsächlich auf dem Fußballplatz.
Vom Fußballprofi zum "King of Frankfurt"
Eckerlin spielte in der Jugend-Bundesliga und schaffte den Sprung bis in die 3. Liga. Parallel trainierte er bereits Kampfsport – bis schließlich die Entscheidung fiel.
"Damals ist im Hintergrund einiges passiert, unter anderem ein Trainerwechsel und noch andere Dinge. Aber die endgültige Entscheidung fiel nach meinem ersten Kampf. Ich wusste, dass ich diesen Weg gehen muss, weil ich mich noch nie so lebendig gefühlt habe wie in diesem Moment. Der Rest ist Geschichte", erzählt Eckerlin im exklusiven Interview mit Flashscore.

Trotz seiner MMA-Karriere hat er den Fußball nie ganz hinter sich gelassen. 2024 schrieb er mit OKTAGON Geschichte, als die Organisation den Deutsche Bank Park in Frankfurt mit rund 60.000 Zuschauern ausverkaufte und einen neuen Rekord für ein MMA-Event aufstellte. Im Oktober kehrt Eckerlin mit OKTAGON erneut in seine Heimatstadt zurück.
Der überraschende Anruf aus Brighton
Noch vor seinem großen Heimauftritt hatte allerdings ein völlig anderer Einsatz auf den Frankfurter gewartet: eine Einladung aus der Premier League. Brighton-Coach Fabian Hürzeler wollte die Mannschaft in Zweikämpfen bei Standardsituationen verbessern – und sah in MMA-Training einen möglichen Vorteil.
"Fabian Hürzeler wollte seine Mannschaft in diesem Bereich verbessern. Er fand es eine gute Idee, mich dazuzuholen, also wurde ich von seinem Trainerteam kontaktiert", verrät Eckerlin. Die Zusammenarbeit mit dem Premier-League-Klub habe ihn beeindruckt: "Ich habe die modernen Trainingsbedingungen und die generelle Einstellung der gesamten Mannschaft sehr geschätzt. Jeder Spieler kam offen und lernbereit zum Training. Sie haben das Workout sehr angenehm gemacht und ich bin sicher, sie hatten auch Spaß dabei."
Besonders überrascht habe ihn die Offenheit der Profis gegenüber den ungewöhnlichen Übungen: "Kämpfen ist etwas Natürliches, und jeder fühlt sich irgendwie dazu hingezogen – Fußballer sind da keine Ausnahme."
"Milner und Dunk haben sich wirklich hervorgetan"
Gefragt nach den Spielern, die bei den Einheiten besonders auffielen, nennt Eckerlin sofort zwei Routiniers: "Die Mannschaft hat insgesamt gut mitgemacht, aber James Milner und Lewis Dunk haben sich wirklich hervorgetan."
Vor allem deren Mentalität habe ihn beeindruckt: "Sie haben diesen Kampfgeist und die nötige Aggressivität, lernen aber auch sehr schnell und haben eine tolle Körperbeherrschung. Sie sollten es auf jeden Fall ausprobieren – ich würde sie gerne beim Training und allem anderen unterstützen."
Warum MMA beim Verteidigen von Standards helfen kann
Für Eckerlin liegt der Nutzen solcher Einheiten auf der Hand. Gerade im Strafraum gehe es oft um kleine Vorteile im direkten Körperkontakt: "Jede Situation im Strafraum wird zu einem Kampf um jeden Zentimeter. Man muss bereit sein, sich zu behaupten und sich nicht wegdrängen zu lassen."
Daraus habe sich auch seine zentrale Regel für Verteidiger entwickelt: "Kämpfe um jeden Zentimeter – so einfach ist das", so der Ex Fußballer, der glaubt, dass besonders Techniken aus dem Ringen Fußballern helfen können.
"Jede Sportart basiert auf Hüftpositionierung, aber im MMA und Ringen ist das unser tägliches Brot. Ich hatte das Gefühl, dass ein paar grundlegende Ringtechniken ihnen helfen könnten, eine bessere Körperhaltung und Balance zu bekommen", sagte Eckerlin.
"Das Adrenalin im MMA ist unvergleichlich"
Auch wenn seine Einheit mit Brighton in den sozialen Medien viral ging, blieb ein weiterer Anruf aus dem Profifußball bislang aus. Eckerlin ist dennoch überzeugt, dass die Verbindung zwischen Fußball und MMA künftig häufiger zu sehen sein wird.
"Jeder Profisport hilft dir zu verstehen, wie wichtig es ist, jeden Tag hart zu arbeiten", weiß Eckerlin. Seine Liebe zum Fußball sei geblieben – dennoch könne nichts mit dem Gefühl im Käfig mithalten: "Ich liebe Fußball immer noch, aber MMA ist eine ganz andere Welt. Es ist ein einzigartiges Gefühl zu kämpfen, und man muss verstehen, dass es kein Teamsport ist."

Gerade diese völlige Eigenverantwortung mache den Reiz aus: "Natürlich braucht man ein gutes Team um sich herum, aber im Käfig kämpft man ganz allein. Ich verlasse mich gerne auf meine eigenen Fähigkeiten. Das Adrenalin im MMA ist einfach unvergleichlich", so Eckerlin abschließend
