Dieser Abstand ist in keiner Weise akzeptabel. Umso mehr, wenn man bedenkt, wie dominant Liverpool in der vergangenen Spielzeit die englische Meisterschaft gewonnen hat. Unter Arne Slot strahlte das Team damals eine Aura der Unbesiegbarkeit aus. Die Art und Weise, wie Gegner kontrolliert und phasenweise regelrecht überrollt wurden, war beeindruckend und ließ kaum Zweifel an der Vormachtstellung der Reds.
Gerade vor dem Hintergrund, dass Slot das schwere Erbe von Jürgen Klopp antrat und viele seinen Job als potenziellen Schleudersitz betrachteten, hätte sein Einstand kaum besser verlaufen können. Liverpool gewann die Liga mit zehn Punkten Vorsprung und stürmte förmlich zum Titel, doch nur eine Saison später ist von dieser Dominanz kaum noch etwas übrig.
Defensive Schwächen und ein verunsicherter Konaté
Über weite Strecken wirkt Liverpool in dieser Spielzeit überraschend durchschnittlich. Besonders auffällig ist der Leistungsabfall in der Defensive: Während man in der gesamten Vorsaison lediglich 41 Gegentore kassierte, sind es in der laufenden Spielzeit bereits 29.
Virgil van Dijk befindet sich zwar nicht in Bestform, gilt jedoch weiterhin als verlässlicher Abwehrchef, der seine Mannschaft auch in schwierigen Phasen stabilisieren kann. Anders präsentiert sich sein Nebenmann Ibrahima Konaté, der über längere Zeiträume orientierungslos und unsicher wirkte.

Diese Formschwankungen könnten auch mit den stockenden Vertragsverhandlungen zusammenhängen. Berichten zufolge ist auch das jüngste Treffen zwischen Spieler und Vereinsführung ergebnislos geblieben. Beide Seiten sollen in ihren Vorstellungen über akzeptable Vertragsbedingungen weiterhin deutlich auseinanderliegen.
Die Gespräche ziehen sich inzwischen seit rund 16 Monaten hin. Da Konatés Vertrag am 30. Juni ausläuft und er den Klub anschließend ablösefrei verlassen könnte, wächst der Zeitdruck für Liverpool erheblich. Der zentrale Streitpunkt scheint dabei klar das Gehalt zu sein.
Vergleich mit Van Dijk?
Zwar räumt der französische Nationalspieler selbst ein, in dieser Saison nicht konstant an seine besten Leistungen angeknüpft zu haben, dennoch ist er der Ansicht, dass seine bisherigen Verdienste an der Anfield Road eine deutliche Gehaltserhöhung rechtfertigen. Aktuell verdient Konaté rund 90.000 Euro pro Woche.
Zum Vergleich: Kapitän Virgil van Dijk erhält ein Wochengehalt von etwa 400.000 Euro. Auch wenn Konaté und seine Berater akzeptieren, dass er nicht in diese absolute Spitzenklasse aufsteigen wird, halten sie den derzeitigen Abstand für zu groß.
Sportdirektor Richard Hughes, der die Verhandlungen auf Klubseite führt, ist jedoch nicht bereit, die geforderte Summe zu zahlen. Gleichzeitig weiß man bei Liverpool, dass es sportlich wie wirtschaftlich kaum zu rechtfertigen wäre, einen 26-jährigen Verteidiger im besten Fußballalter ablösefrei ziehen zu lassen.
Ein genauer Blick auf Konatés Leistungsdaten erklärt die Zurückhaltung der Verantwortlichen zumindest teilweise. Zwar verzeichnete er in dieser Saison mehr als doppelt so viele Tacklings wie van Dijk (38 zu 16), doch seine Erfolgsquote liegt mit 55,3 Prozent nur minimal über der seines Abwehrpartners.
Zahlen sprechen gegen Konaté
Zudem verlor Konaté deutlich mehr Zweikämpfe und zeigte Schwächen im Spielaufbau: Von 1.733 gespielten Pässen gingen lediglich 571 nach vorne. Das relativiert auch seine auf den ersten Blick solide Passquote von 89,5 Prozent. Besonders auffällig ist der Unterschied bei langen Pässen: Konaté brachte lediglich 56 präzise Zuspiele an den Mann, während van Dijk auf 133 kommt.
Auch bei sogenannten "Launches", also langen, hohen Bällen in gefährliche Räume, offenbaren sich Defizite: Nur fünf von 30 Versuchen waren erfolgreich. Für ein Team, das für seine Passsicherheit und Spielkontrolle bekannt ist, ist das eindeutig zu wenig.
Zwar sprechen Konatés Kopfballstärke (107 gewonnene Luftduelle bei 142 Versuchen) sowie seine 176 erfolgreichen Eins-gegen-eins-Duelle am Boden für ihn. Dennoch kann man argumentieren, dass solche Werte für einen Innenverteidiger auf Topniveau im modernen Fußball eher Grundvoraussetzung als Ausnahme sind.
Unbestritten ist: Konaté könnte bei einem anderen Klub deutlich mehr verdienen als aktuell. Liverpool hat auch signalisiert, bereit zu sein, sein Gehalt an das Niveau vergleichbarer Spieler auf seiner Position anzugleichen. Die klare Weigerung jedoch, ihn in die gleiche Gehaltsklasse wie van Dijk, Mohamed Salah und andere Topverdiener zu heben, sorgt offenbar für Unmut beim Spieler und seinem Umfeld.
Zum Match-Center: Olympique Marseille vs. FC Liverpool
Fest steht: Beide Seiten müssen zeitnah eine Entscheidung treffen, wenn die Zusammenarbeit über den 30. Juni hinaus fortgesetzt werden soll. Andernfalls droht Liverpool nicht nur der Verlust eines wichtigen Spielers, sondern auch ein weiteres Symbol für die sportlich wie strukturell schwierige Saison.

