Der Weg führte Ødegaard zu Real Madrid, dem wohl größten Klub der Welt. Doch schnell wurde deutlich, dass dieser Schritt für einen so jungen Spieler zu früh kam. Die Konkurrenz war enorm, die Spielzeit begrenzt und die erhoffte Entwicklung blieb zunächst aus.
Über Leihstationen bei SC Heerenveen, Vitesse und Real Sociedad fand Ødegaard schließlich zurück zu Konstanz und Selbstvertrauen. Der entscheidende Schritt folgte mit dem Wechsel zu Arsenal: zunächst auf Leihbasis, später fest verpflichtet. Ein Transfer, der sich lange Zeit als absoluter Glücksgriff erwies.
Der kreative Motor der Gunners
Mit seiner Mischung aus präzisem Passspiel, Spielintelligenz, Offensivdrang und Führungsqualitäten entwickelte sich Ødegaard schnell zu einem der zentralen Bausteine im Spiel der Gunners. Sein Einfluss war maßgeblich dafür verantwortlich, dass Arsenal in den vergangenen Jahren wieder zu einem ernsthaften Titelkandidaten reifte.
Doch in der Saison 2025/26 zeigt sich ein anderes Bild.

In der laufenden Premier-League-Spielzeit kommt der 27-Jährige bislang lediglich auf ein Tor und drei Assists, ergänzt durch eine weitere Vorlage in der Champions League. Damit liegt seine Ausbeute kaum über jener seiner Debütsaison 2020/21, ein deutlicher Rückschritt im Vergleich zu den starken Jahren zuvor.
Zum Vergleich:
2021/22: 7 Tore, 4 Assists
2022/23: 15 Tore, 7 Assists
2023/24: 11 Tore, 11 Assists
2024/25: 6 Tore, 11 Assists
Nach der Saison 2023/24 wurde Ødegaard sogar zum zweiten Mal in Folge zum Spieler der Saison gewählt.
Verletzungen und fehlender Rhythmus
Umso auffälliger ist sein aktueller Leistungsabfall. Zwei Schulterverletzungen sowie eine Knieblessur warfen ihn in dieser Saison mehrfach zurück. Zwar fehlte es ihm nie an Einsatzwillen, doch die Frage drängt sich auf, wie sehr diese Rückschläge (kombiniert mit der Verantwortung als Kapitän der norwegischen Nationalmannschaft) Spuren hinterlassen haben.
Hinzu kommt die geringe Spielpraxis: Insgesamt stand Ødegaard bislang nur 1.215 Minuten für Arsenal auf dem Platz. Zum Vergleich absolvierten Declan Rice (2.306 Minuten) und Bukayo Saka (2.028 Minuten) jeweils mindestens neun volle Spiele mehr.

Gerade Spieler, deren Spiel stark vom Rhythmus lebt, sind auf regelmäßige Einsätze angewiesen. Ein Faktor, der seine aktuelle Form zumindest teilweise erklären könnte.
Aktiv, aber weniger durchschlagskräftig
Trotzdem zeigen einige Statistiken, dass Ødegaard weiterhin eingebunden ist. Nur Rice und Saka kreierten mehr Chancen (56 bzw. 58) als der Norweger mit 35. Auch seine 442 erfolgreichen Pässe in die gegnerische Hälfte sind bemerkenswert.
Gleichzeitig fällt auf, dass er seltener ins Eins-gegen-eins geht: lediglich 88 direkte Duelle stehen zu Buche. Zum Vergleich: Mikel Merino kommt auf 306, Saka auf 261. Selbst Viktor Gyökeres, der im Emirates Stadium noch nicht restlos überzeugt, brachte es auf 168 Duelle.

Seinen bisherigen Tiefpunkt erreichte Ødegaards Saison im Spiel gegen Nottingham Forest. In 56 Minuten blieb er ohne Torschuss, brachte lediglich 18 Pässe an, spielte nur einen Schlüsselpass und verzeichnete kein einziges erfolgreiches Dribbling.
Die entscheidende Frage an Arteta
Nun steht Mikel Arteta vor einer schwierigen Entscheidung: Soll Ødegaard weiter behutsam aufgebaut werden, in der Hoffnung, dass er rechtzeitig zu alter Stärke zurückfindet? Oder braucht es gerade jetzt regelmäßige Startelfeinsätze, um genau diesen Prozess zu beschleunigen?

In der wohl intensivsten Phase der Saison kann sich Arsenal keine Passivität erlauben. Die Gunners haben die Chance, sich an der Spitze der Premier League festzusetzen und gleichzeitig eine ideale Ausgangslage für den ersten Champions-League-Triumph der Vereinsgeschichte zu schaffen.
Die zentrale Frage bleibt: Will Arteta dieses Risiko eingehen, nur weil ein Spieler, selbst wenn es der Kapitän ist, möglicherweise noch rechtzeitig seine Topform erreicht?

