Warum Ruben Amorim nie die richtige langfristige Trainerlösung für Man Utd war

Ruben Amorim von Man Utd beobachtet das Spiel beim 1:1 gegen Leeds United.
Ruben Amorim von Man Utd beobachtet das Spiel beim 1:1 gegen Leeds United.ČTK / IMAGO

Es hat 14 Monate gedauert, doch nun ist das eingetreten, was sich lange abgezeichnet hatte: Ruben Amorim wurde von Manchester United entlassen. Kaum ein Trainer passte in den vergangenen Jahren so wenig zum Klub wie der Portugiese – ein Umstand, der einmal mehr ein schlechtes Licht auf das Board wirft, das erneut eine zentrale Personalentscheidung verfehlte.

Bezeichnend für seine Zeit bei United war auch der Ausbruch nach dem enttäuschenden Unentschieden bei Leeds am Sonntag. In der anschließenden Pressekonferenz machte Amorim seinem Frust öffentlich Luft:

Ich bin hierhergekommen, um Manager von Manchester United zu sein, nicht nur Trainer. Das ist eindeutig. Ich weiß, mein Name ist nicht Tuchel, nicht Conte, nicht Mourinho, aber ich bin der Manager von Manchester United. Ich werde nicht aufgeben. Ich mache meinen Job, bis jemand anderes kommt."

Tonfall und Wortwahl waren maximal provokant. Entsprechend wenig überraschend reagierten Sir Jim Ratcliffe und die Klubführung schnell. So sehr Amorim auch versuchte, strukturelle Probleme zu überdecken: sein kompromissloser Drang, alles nach seinen eigenen Vorstellungen durchzusetzen, führte United letztlich genau an diesen Punkt.

Sturheit als strategischer Fehler

Manche mögen ihm zugutehalten, dass er seiner Linie treu blieb – gerade in einer Zeit, in der sich Vereinsführungen häufig in sportliche Entscheidungen einmischen. Amorim hatte eine klare Spielidee und ein festes Profil an Spielern, die er dafür benötigte.

Doch den hohen Erwartungen, die er mit seiner erfolgreichen Zeit bei Sporting selbst geschürt hatte, wurde er nie gerecht. Besonders problematisch war sein Umgang mit Spielern. Dass er unter anderem Marcus Rashford, Alejandro Garnacho und Kobbie Mainoo nachhaltig entfremdete, offenbarte deutliche Defizite im zwischenmenschlichen Bereich, auch wenn er dabei offenbar Rückendeckung aus dem Vorstand genoss.

West Ham United, die zeitweise als möglicher nächster Arbeitgeber galten, dürften heute froh sein, nicht zugeschlagen zu haben. Denn unabhängig von öffentlichen Rechtfertigungen sprechen Amorims Zahlen eine klare Sprache.

Defensiv erschreckend schwach

Kontinuität ist für jede Mannschaft essenziell, doch Amorim rotierte exzessiv. In seiner Premier-League-Zeit nahm er 137 Änderungen in der Startelf vor. Nur Tottenham (155) und Chelsea (141) wechselten häufiger.

Seit Amorims Amtsantritt am 24. November 2024 schaffte nur West Ham weniger Spiele ohne Gegentor als United, lediglich sieben. Gleichzeitig gehörten die Hammers zu nur drei Teams, die im gleichen Zeitraum noch mehr Gegentore kassierten. West Ham kam auf 84, Wolverhampton auf 81, United auf immerhin 72 Gegentreffer.

In 45 seiner 47 Premier-League-Spiele setzte Amorim auf eine Dreierkette, meist im 3-4-2-1, gelegentlich im 3-4-3. Nur Crystal Palace griff im selben Zeitraum noch häufiger auf dieses System zurück.

Sportlich spiegelte sich diese Starrheit deutlich wider: Seit Amorims Amtsantritt holten nur Tottenham, West Ham und Wolverhampton weniger Punkte als United. Die Red Devils kamen auf magere 58 Zähler.

Auch die Detailwerte zeichnen ein düsteres Bild: Amorim verzeichnete die zweitschlechteste Torausbeute pro Spiel (1,40), die meisten Gegentore pro Partie (1,53) und die schlechteste Zu-Null-Quote (14,9 Prozent) aller United-Trainer in der Premier League. Lediglich Ralf Rangnick schnitt in einzelnen Kategorien noch minimal schlechter ab.

In einer historischen Negativliste

Unter allen Manchester-United-Trainern mit mehr als 50 Pflichtspielen haben nur vier eine niedrigere Siegquote als Amorims 38,1 Prozent – Namen aus fernen und sportlich schwierigen Klubepochen.

In der gesamten Geschichte des Vereins in Englands höchster Spielklasse finden sich sogar nur fünf Trainer mit einer gleich schlechten oder schlechteren Quote. Auch im Premier-League-Zeitalter war Amorim statistisch der schwächste hauptamtliche United-Trainer überhaupt.

Zum Vergleich: Selbst der oft kritisierte David Moyes kam auf eine Siegquote von 50 Prozent, Erik ten Hag auf 51,8 Prozent.

Unterm Strich war Amorims Engagement ein vollständiges Desaster – für ihn selbst ebenso wie für den Klub. Die sportliche Talfahrt vertiefte die ohnehin bestehende Entfremdung zwischen Mannschaft, Umfeld und Fans weiter.

Sollte das Board nun erneut eine falsche Entscheidung treffen, dürfte Sir Jim Ratcliffes ambitioniertes Ziel, Manchester United bis 2028 wieder zur Premier-League-Meisterschaft zu führen, kaum mehr als eine Illusion bleiben.

Jason Pettigrove
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