Niclas Füllkrug grinste breit, präsentierte den tosenden Tifosi strahlend seine berühmte Zahnlücke und badete in "Fülle, Fülle"-Sprechchören: So sah jemand aus, der gerade wirklich angekommen war. "Ich bin sehr dankbar, hier zu sein. In diesem Stadion zu treffen, ist wunderbar", sagte der Nationalstürmer, nachdem er mit seinem ersten Tor für die AC Mailand den 1:0-Sieg gegen Lecce gesichert und San Siro auf links gedreht hatte. Vergessen war die Pein der vorangegangen Tage, die Zehschmerzen, das ausgeräumte Hotelzimmer.
"The Fußballgott has arrived", schrieb das traditionell anglophon angehauchte Milan wie gewohnt auf Englisch und mit Pfiff auf jede Zurückhaltung bei X. Letztere wäre auch bei diesem etwas kitschigen Ablauf am Sonntagabend unangemessen gewesen: Eingewechselt in der 73. Spielminute, getroffen per Kopf in der 76., den Tabellenzweiten damit in Reichweite des Stadtrivalen Inter gehalten - so erobert man Rossoneri-Herzen.
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Pudelwohl fühle er sich in der Domstadt, teilte der 32-Jährige mit. Auch wenn seine Woche holprig verlaufen war. Am Zeh hatte er sich verletzt, von einem Bruch schrieben die Medien unbestätigt. Füllkrug biss auf die Zähne, doch während er am Donnerstag beim Auswärtsspiel in Como weilte, knackten Schurken den Safe seines Hotelzimmers. Darin laut Gazzetta dello Sport der Grundbedarf eines bodenständigen Fußball-Arbeiters: Uhren und Schmuck im Wert von 500.000 Euro.
Den Verlust wog der unbezahlbare Treffer gegen Lecce aber auf. "Ja, das reicht", bestätigte Füllkrug, der zuletzt im Mai in einem Ligaspiel getroffen hatte, lachend. Nach tristen Monaten beim taumelnden West Ham United blüht die London-Leihgabe, die in der Lombardei ums WM-Ticket kämpft, spürbar auf. Auch weil er das Vertrauen von Trainer Massimiliano Allegri besitzt.
"Er ist einfach ein Profi mit Charakter", sagte Allegri, gleichwohl er den Ex-Bremer und -Dortmunder schon im vierten Spiel nur von der Bank brachte. An Füllkrugs Jokerrolle will der Allenatore vorerst nichts ändern: "Niclas ist ein wichtiger Faktor für die späten Spielphasen."
Spät dran war "Fülle" auch im Vergleich zu großen Milan-Vorgängern: Oliver Bierhoff traf beim Debüt doppelt und in den ersten vier Ligaspielen fünfmal, auch Marco van Basten war im ersten Match erfolgreich, Andrij Schewtschenko ebenfalls, der Original-Ronaldo im zweiten.
Doch solche Vergleiche sind erstens unfair und zweitens uninteressant für Füllkrug, der doch einfach nur spielen will und nun auch kann. "Ich bin einfach glücklich." Sagte er. Sah man.
