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DFB-Elf stellt die Sinnfrage: Sind wir wirklich niemand mehr?

Die deutsche Nationalmannschaft steht nach zwei nicht gewonnenen Partien unter Druck.
Die deutsche Nationalmannschaft steht nach zwei nicht gewonnenen Partien unter Druck.REUTERS/Kai Pfaffenbach

Der Bayern-Jungstar wirbelt, der Torjäger der "Alten Dame" versenkt die Bälle nach Belieben, und auf der anderen Seite des Platzes verhindert der Erbe von Manuel Neuer ein Tor nach dem anderen. Diese Truppe soll nur Mittelmaß sein? Wer Lennart Karl, Nick Woltemade, Jonas Urbig und all den anderen in der zweiten "Halbzeit" von Jürgen Klopps XXL-Casting zuschaut, wird die Debatte um die Qualität der deutschen Nationalmannschaft mit großer Verwunderung verfolgen.

Allerdings haben die beschriebenen Szenen allesamt Schönheitsfehler: Sie spielten sich im Training ab. Wenn es ernst wird und ein echter Gegner auf dem Platz steht, gibt es seit Jahren ein anderes Bild. Und da ist es egal, ob das Gegenüber Weltklasse bietet - oder Nordmazedonien, Paraguay, Griechenland heißt. Und der Bundestrainer Joachim Löw, Hansi Flick, Julian Nagelsmann oder Klopp.

"Wir sind keine Topmannschaft mehr, wir sind im Mittelmaß angekommen", lautete die Diagnose von ARD-Fußball-Doktor Bastian Schweinsteiger, die DFB-Elf leidet an Morbus Durchschnitt. Auch Sky-Kolumnist Lothar Matthäus vermisst "Spieler, die auf allerhöchstem Niveau den Unterschied ausmachen". Und Stefan Effenberg schrieb bei t-online, nach dem Auftritt in der Nations League gegen Griechenland (0:1) sei der Mittelmaß-Stempel "verdient". Wer auf ein Wunder durch Heilsbringer Klopp gehofft habe, müsse "nun leider sagen: Willkommen in der Realität."

Fehlt den DFB-Spielern das Niveau?

Klopp will in das Wehklagen nicht einstimmen, wies die Co-Diagnose Depression zurück und behauptete: "Wir tun die richtigen Dinge, haben aber ein kleines Zeitproblem." Seinem 25-köpfigen "Kader zwei" mit neun möglichen Debütanten für die Duelle mit Serbien am Donnerstag (20.45 Uhr/ZDF und Flashscore-Audioreportage) in München und am Sonntag mit Griechenland in Thessaloniki rief er zu: "Ihr seid alle herzlich eingeladen, euch zu zeigen, euch kennenzulernen. Wichtig ist, dass alle, die schon ein bisschen länger hier sind, offene Arme haben für alle, die neu dabei sind."

Dabei war es fast schon egal, wer in den vergangenen Jahren neu dazu kam: Auch die größten Hoffnungsträger befiel irgendwann die DFB-Krankheit. Seit dem letzten Titelchen mit dem Confed-Cup-Sieg 2017 reiht sich eine Enttäuschung an die nächste, nicht nur, aber vor allem bei Turnieren. Matthäus sprach von einem "Rucksack" und fragte: "Warum haben unsere Spieler in ihren Klubs Lösungen, aber nicht im DFB-Team?" Vielleicht, weil sie im Verein mit Harry Kane oder Lamine Yamal zusammenspielen.

Ein wiederkehrendes Problem: Gegen tief stehende Gegner fällt der Offensive nichts ein, fehlt die Durchschlagskraft. Klopp spricht von DER "großen Herausforderung im Fußball", auch Spanien oder andere Topteams täten sich da schwer - aber kaum eine "große" Nation so oft wie Deutschland.

In den vergangenen neun Jahren hat der viermalige Weltmeister gegen 19 verschiedene Mannschaften insgesamt 25 Spiele verloren - gegen Spitzenmannschaften wie Spanien (zweimal), Frankreich (dreimal) oder England. Aber auch gegen Österreich (zweimal), Japan (zweimal), Mexiko, Südkorea, Nordmazedonien, Ungarn, Polen, die Türkei, die Slowakei oder jetzt gegen die Griechen. Spanien verlor gegen neun Teams, je einmal: England, Kroatien, Ukraine, Schweden, Frankreich, Schweiz, Japan, Schottland, Kolumbien.

Klopp glaubt an sein System

Wo Spanien Lösungen findet, spielt sich Deutschland ineffektiv einen Wolf. Ballbesitz beim WM-Aus gegen Paraguay: 75,6 Prozent. Ballbesitz in Augsburg gegen Griechenland: 75,8 Prozent. Aber: keine Tiefe, schleppende Ballzirkulation, zu dürftige Box-Besetzung, mangelnde Positionstreue, sträflich vernachlässigte Halbräume.

Klopps Rezept sind intensiveres Gegenpressing und stärker tororientierte Außen in einem 4-3-3. Dieser Ansatz brachte einen Treffer in 180 Minuten - Negativrekord für einen Bundestrainer-Start. Klopp aber gibt sich unerschütterlich. Es müsse keiner klagen: "Gott, wir sind ja doch so schlecht." Fakt sei aber auch: "Wir sind nicht schon wieder so gut, wie wir gerne wären." Trotz all der guten Trainingseindrücke.

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