Erst Tapas, dann Titel: DFB-Frauen hungrig auf das "finale Finale"

Sjoeke Nüsken und Elisa Senß nach dem 0:0 im Hinspiel.
Sjoeke Nüsken und Elisa Senß nach dem 0:0 im Hinspiel.ČTK / imago sportfotodienst / Hendrik Gräfenkämper

Die deutschen Fußballerinnen sind in Madrid angekommen und wollen dort trotz des verschenkten Siegs im Hinspiel den Titel in der Nations League holen.

Stadtbummel nach der Siesta, ein kleiner Plausch in den Cafeterías, leckere Tapas beim gemeinsamen Abendessen - die deutschen Fußballerinnen genossen an ihrem freien Sonntag in Madrid ein Wohlfühlprogramm. Die Ablenkung kam gelegen, um nicht ständig über den verschenkten Sieg im Finalhinspiel der Nations League sinnieren zu müssen. Ganz verdrängen konnten Klara Bühl und Kolleginnen die schmerzhaften Gedanken an die verpassten Chancen zwar nicht, mehr leiden sollen am Ende aber doch die Spanierinnen.

"Nun wollen wir das finale Finale gewinnen", sagte Mittelfeldmotor Sjoeke Nüsken vor dem Rückspiel am Dienstag (18.30 Uhr/ARD) im Estadio Metropolitano gegen die Weltmeisterinnen. "Jetzt erst recht" lautet das Motto im Lager der DFB-Auswahl trotz der wenig komfortablen Ausgangslage nach dem 0:0 vom vergangenen Freitag: "Natürlich ist es ärgerlich, dass wir so viele Chancen vergeben haben. Aber wir haben gesehen, was möglich ist."

Match-Center: Deutschland vs. Spanien

Tatsächlich hätte das Team von Bundestrainer Christian Wück das erste Endspiel vor 40.159 Fans auf dem stimmungsvollen Betzenberg in Kaiserslautern für sich entscheiden müssen. Doch die Gastgeberinnen hatten vergessen, wo das Tor steht.

Wie schon bei der EURO im vergangenen Sommer standen die großen Schwächen beim Abschluss dem Erfolg im Weg - Kapitänin Guilia Gwinn und ihre Teamkolleginnen konnten sich nicht wie erhofft für die bittere Niederlage im EM-Halbfinale (0:1 nach Verlängerung) revanchieren. "Spanien kommt in Kaiserslautern mit dem Leben davon", kommentierte die Marca das schmeichelhafte Ergebnis für den Vize-Europameister.

"Wollen unbedingt diesen Titel holen"

Der Frust darüber bei Wück ("Wieder die alte Leier mit der fehlenden Effizienz vor dem Tor"), Verteidigerin Rebecca Knaak ("Wir ärgern uns sehr") und Torhüterin Ann-Katrin Berger ("Die Chancenverwertung war jetzt nicht die beste") soll bis Dienstag aber endgültig verzogen sein - der erste Titelgewinn seit dem Olympiasieg 2016 in Rio steht nach wir vor auf dem Plan.

Deshalb forderte Janina Minge ihre Kolleginnen auf, mit "Mut und Zuversicht" in das zweite Endspiel vor etwa 50.000 Fans (spanische Rekordkulisse für ein Frauen-Länderspiel) zu starten. "Wir dürfen keinen Zentimeter weniger gehen. Wir können es schaffen", sagte die Vizekapitänin: "Wenn wir in die Verlängerung oder das Elfmeterschießen müssen, schaffen wir das auch. Ich habe keine Angst."

Ein Elfmeterschießen könnte zur Bühne Bergers werden - in ihrem vielleicht letzten Spiel im deutschen Tor. Nach der Partie wird die 35-Jährige mit Wück darüber sprechen, ob sie in Richtung der WM 2027 weitermacht oder nicht. Ihr "totaler Fokus" richte sich auf das Rückspiel, sagte Berger: "Danach werden wir auf jeden Fall mal zusammensitzen und gucken, wie es weitergeht."

Auch Wück ordnet dem Kampf um den Pokal alles unter. Mit der klaren Leistungssteigerung seit der EM, die schon in den Halbfinals gegen Frankreich zu erkennen war, möchte sich der Coach nicht begnügen. "Wir sind auf einem guten Weg. Aber jetzt wollen wir unbedingt diesen Titel holen", sagte Wück: "Wir möchten in Madrid bestehen. Erst dann sind wir zufrieden."