Die Geschichte der WM-Bälle seit 1930: Übersicht, Geschichte und Wissenswertes

Der Jabulani gilt als umstrittenster Ball der WM-Geschichte.
Der Jabulani gilt als umstrittenster Ball der WM-Geschichte.GIANLUIGI GUERCIA / AFP

Im Oktober 2025 wurde der Adidas "TRIONDA" als offizieller Spielball der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Kanada, den USA und Mexiko vorgestellt. Doch welche Bälle rollten bei den letzten Austragungen des wichtigsten Turniers im Weltfußball über den Rasen?

Für die meisten Fans des Fußballs sind Spielbälle weit mehr als nur ein kleiner Teil einer Partie. Sie wecken Erinnerungen an spielentscheidende Tore, markieren Epochen der Fußballgeschichte oder lassen einen nostalgisch an die eigene Schulzeit zurückdenken. Daher können das Aussehen, die Haptik und der Flug eines Fußballs bei Fans und Spielern gleichermaßen einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Einige Spielbälle sind eng mit bestimmten Merkmalen verbunden, die es uns ermöglichen, schnell zu verstehen, in welchem Wettbewerb man unterwegs ist. Ob es nun die Sterne des Champions-League-Balls oder die bunten Derbystar-Bälle der Bundesliga sind – das Aussehen eines Fußballs vermittelt uns ein Gefühl von Vertrautheit, Zweck und Anlass.

Darüber hinaus werden sie oft zum Synonym für Wettbewerbe, Spieler oder Schlüsselmomente, da ihre auffälligen Designs immer dann ins Blickfeld rücken, wenn wir an vergangene Ereignisse denken. Eine Generation von England-Fans wird sich für immer an den leuchtend orangefarbenen "Challenge 4-Star" erinnern, den Geoff Hurst 1966 in Wembley an die Latte knallte, während viele Torhüter immer wieder Albträume vom viel geschmähten Jabulani der WM 2010 haben.

Für jede einzelne Weltmeisterschaft wurde ein maßgeschneiderter Spielball hergestellt, der jeweils eine Reihe einzigartiger Merkmale aufweist. Ob es sich nun um architektonisches Design, Ästhetik oder die verwendeten Materialien handelt, alle 22 bisherigen WM-Spielbälle – plus der neu erschienene TRIONDA – lassen sich leicht voneinander unterscheiden.

Im Folgenden gehen wir auf jeden dieser Bälle ein und zeigen auf, wie sich technologische Fortschritte, Änderungen in der Designmethodik und die taktische und technische Entwicklung des Spiels auf das Aussehen und die Funktionalität des WM-Spielballs ausgewirkt haben.

Spielbälle der Weltmeisterschaft seit 1930

1930 (Uruguay): T-Model / Tiento

Nachdem das T-Model bereits bei den beiden vorangegangenen Olympischen Spielen zum Einsatz gekommen war, wurde er als erster Ball für das größte Sportereignis der Welt ausgewählt. In Uruguay musste er jedoch das Rampenlicht mit seinem Cousin, dem Tiento, teilen.

Das allererste WM-Finale brachte eines der seltsamsten Kapitel in der Geschichte des Turniers hervor, da mit zwei völlig unterschiedlichen Bällen gespielt wurde. Nachdem sich die beiden Kapitäne vor Anpfiff nicht auf einen Ball einigen konnten, kam es zu einem Kompromiss. Der Tiento sollte vor der Pause zum Einsatz kommen, um die Wünsche der Argentinier zu erfüllen, während das von den Uruguayern bevorzugte T-Model in der zweiten Halbzeit zum Einsatz kommen sollte.

Beide Mannschaften zeigten eine Vorliebe für den von ihnen gewählten Ball. Argentinien führte am Ende des ersten Durchgangs, bevor Uruguay nach der Halbzeitpause zurückschlug. Am Ende sicherten sich die Gastgeber den Pokal dank einer starken zweiten Halbzeit mit einem 4:2-Sieg.

Das T-Model, das seinen Namen aufgrund der elf T-förmigen Lederstreifen erhielt, die sich um die Oberfläche des Balls wickelten, war schwer, unhandlich und nicht perfekt rund. Immer wieder sprang der Ball unkontrolliert umher.

1934 (Italien): Federale 102

Obwohl der Federale 102 bei der Weltmeisterschaft 1934 am häufigsten verwendet wurde, tauchten im Laufe des Turniers mehrere andere Modelle auf.

Der in Großbritannien hergestellte Zig-Zag stand im Mittelpunkt des Endspiels zwischen Italien und der Tschechoslowakei, nachdem die Kapitäne Gianpiero Combi und František Plánička – das einzige Mal, dass zwei Torhüter ihre jeweiligen Länder im selben WM-Finale anführten – dieses Modell anstelle des offiziellen Turnierspielballs wählten.

Der Federale 102 ähnelte dem T-Model, war aber mit Baumwoll- statt mit Lederfäden genäht, um den Kopfball weniger unangenehm zu machen.

1938 (Frankreich): Allen

Der Allen, der seinen beiden Vorgängern sehr ähnlich war, war mit einem satten braunen Material überzogen und bestand aus einer Reihe von länglichen Platten.

Von diesem Zeitpunkt an bis 1966 wurden die Spielbälle für die Weltmeisterschaft stets von Herstellern aus dem Gastgeberland hergestellt.

1950 (Brasilien): Superball Duplo T

Der Superball Duplo T war der erste WM-Ball, der nicht durch Schnürsenkel zusammengehalten wurde. Er wurde durch ein Ventil aufgepumpt, das sich in einer der 12 handgenähten Lederbahnen befand. Dadurch konnte der Ball eine kugelförmigere Form annehmen und eine gleichmäßigere, glatte Oberfläche erhalten.

Obwohl auf der Vorderseite der Schriftzug "Industria Brasileira" (brasilianische Industrie) prangt, wurde der Ball von einer argentinischen Firma entworfen, die nach dem Zweiten Weltkrieg eine Produktionsstätte auf brasilianischem Boden eröffnete.

1954 (Schweiz): Swiss World Champion

Der senfgelbe und in Fettleder gehüllte Swiss World Champion hatte ein spezielles Außenmaterial. Obwohl er bei schlechtem Wetter viel besser zu sehen war als seine Vorgänger, neigte der Ball von 1954 immer noch dazu, viel Wasser zu absorbieren.

Dieser Konstruktionsfehler trat besonders im Finale zutage, als das Wankdorf-Stadion in Bern von anhaltenden Regenfällen heimgesucht wurde. Dass der Ball mit zunehmender Spieldauer immer schwerer wurde, könnte auch der Grund gewesen sein, warum nach vier Toren in den ersten 18 Minuten erst wieder in der 84. Minute ein Tor fiel.

1958 (Schweden): Top Star

Der allererste WM-Ball, mit dem der spätere Rekordweltmeister Pelé spielte, war der bescheiden aussehende Top Star, der in den Farben gelb, braun und weiß hergestellt wurde und ein extrem einfaches Design aufwies.

Der Ball war mit Wachs beschichtet, um das Eindringen von Feuchtigkeit in das Leder zu verhindern.

1962 (Chile): Mr. Crack

Der exzentrisch benannte Mr. Crack hatte eine bessere Form als frühere WM-Bälle, da er aus abgerundeten und raffinierteren Platten zusammengesetzt war. Die Lage des Ventils, das aus Latex und nicht aus Metall bestand, trug ebenfalls dazu bei, die Rundheit des Balls zu erhalten, da die Geschwindigkeit, mit der die Luft entweichen konnte, reduziert wurde.

1966 (England): Challenge 4-Star

Obwohl der Challenge 4-Star in drei verschiedenen Farben erhältlich war, werden sich die meisten an die orangefarbene Version des Balls erinnern. Mit diesem erzielte der Engländer Geoff Hurst im Finale einen Hattrick gegen den westdeutschen Torwart Hans Tilkowski.

Nachdem sich Slazenger als führender Anbieter von Tennis- und Golfausrüstung einen Namen gemacht hatte, konnte das Unternehmen seine Glaubwürdigkeit bei den Fußballfans mit der Entwicklung des Challenge 4-Star steigern.

1970 (Mexiko): Telstar

Die WM 1970 markierte eine wesentliche Änderung in der Produktion der Spielbälle, als Adidas eine lukrative Partnerschaft mit der FIFA einging. Das deutsche Unternehmen wurde im Rahmen einer Vereinbarung, die bis heute besteht, zum exklusiven Hersteller der WM-Bälle, was eine deutliche Abkehr von den früheren Bieterkriegen zwischen rivalisierenden Herstellern bedeutete.

Adidas riss das Regelwerk komplett um und schuf ein neues Design, das die Zeit überdauern sollte. Von diesem Zeitpunkt an spiegelte die Vorstellung, wie ein "klassischer" Fußball aussehen sollte, das schlichte Erscheinungsbild des Telstars wider. Mit seinen 12 schwarzen Fünfecken, die auf 20 weiße Sechsecke geschichtet wurden, war der Ball nicht nur funktionell, sondern auch mühelos modisch.

1974 (BR Deutschland): Telstar Durlast

Obwohl auch der ursprüngliche Telstar in eine Durlast-Kunststoffbeschichtung gegossen wurde, erhielt der Ball den Namen dieses wasserfesten Mittels erst 1974. Abgesehen von einem zusätzlichen Branding war der Telstar Durlast eine Kopie seines Vorgängers.

1978 (Argentinien): Tango Durlast

Adidas verzichtete auf das Flickwerk aus Sechsecken und Fünfecken, das dem Telstar so viel Charakter verliehen hatte, und brachte 1978 eine Reihe von geschwungenen Dreiecken auf den Markt. Diese markanten Formen sollten in jedem der nächsten fünf offiziellen WM-Spielbälle zu finden sein, wurden aber regelmäßig neu designt, um die Kulturen, Traditionen und repräsentativen Farben der Gastgebernation darzustellen.

1982 (Spanien): Tango España

Vor der Weltmeisterschaft 1982 wurde die Durlast-Beschichtung aufgegeben und stattdessen Polyurethan verwendet - ein haltbares Polymer, das einen besseren Schutz gegen Abnutzung bietet.

Übrigens: Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Tango Españas wurde der offizielle Ball der EM 2012 "Tango 12" genannt.

1986 (Mexiko): Azteca Mexico

Der Azteca Mexico war der erste WM-Ball, der ausschließlich aus synthetischen Materialien bestand. Er nahm weniger Wasser auf als frühere Bälle und fühlte sich daher oft leichter an.

Sein Äußeres wurden so verändert, dass es die architektonischen Merkmale der von den Azteken – die zwischen ca. 1300 und 1521 auf dem Gebiet des heutigen Mexiko ansässig waren – errichteten Gebäude widerspiegelt.

1990 (Italien): Etrusco Unico

Bei der Überarbeitung des WM-Balls zur Austragung 1990 entwarfen die Designer von Adidas wieder einmal einen neuen Satz von Dreiecken, der diesmal die Kultur der antiken Etrusker zelebrierte.

Das Volk der Etrusker, das kurz vor der ersten Jahrtausendwende in Nord- und Mittelitalien lebte, stellte in seinen Kunstwerken oft die brüllenden Köpfe dreier Löwen dar. Der Etrusco Unico enthält daher diese Symbolik.

1994 (USA): Questra

Ein weiterer enger Verwandter des ursprünglichen Tango-Balls, der Questra, erhielt nur eine kleine Anpassung, um den Gastgebern der Fußballweltmeisterschaft 1994 gerecht zu werden.

Als Anspielung auf den Erfolg des amerikanischen Raumfahrtprogramms enthielten die Bälle Bilder von Planeten, Sternen und Raketen.

1998 (Frankreich): Tricolore

Der Tricolore, der mehrere bahnbrechende Elemente enthielt, fand bei der französischen Bevölkerung besonderen Anklang. Mit seinen blauen, roten und weißen Farben war er nicht nur der erste mehrfarbige Ball, der jemals bei einer WM verwendet wurde, sondern vielleicht auch das einzige Design, das bei der Bevölkerung eines Gastgeberlandes das Gefühl von Patriotismus hervorrief.

Der Tricolore profitierte auch von den neuesten Materialinnovationen: Die Außenschicht bestand aus Schaumstoff, der mit Gas gefüllte Mikrokügelchen enthielt. Dadurch konnte sich der Ball noch effizienter durch die Luft bewegen.

2002 (Südkorea): Fevernova

Die Ära der ikonischen Dreiecke wurde 2002 beendet, als Adidas zu Beginn des neuen Jahrtausends einen anderen ästhetischen und architektonischen Designweg einschlug.

Der Fevernova zeigte als Design vier "Dreiecke", die die Form von Windturbinen nachahmten. Die Turnierveranstalter wollen so das Bewusstsein für grüne Energie schärfen. Eine verstärkte Schicht aus Schaumstoff sorgte dafür, dass sich der Ball weicher anfühlte und trug Berichten zufolge dazu bei, die Genauigkeit von Pässen, Schüssen und Flanken zu verbessern.

2006 (Deutschland): +Teamgeist / +Teamgeist Berlin

Eine Reihe weiterer wissenschaftlicher Fortschritte ermöglichte es Adidas, die Grenzen der Ballentwicklung im Jahr 2006 zu erweitern, als der +Teamgeist in Produktion ging. Der +Teamgeist war weniger als ein Prozent davon entfernt, perfekt kugelförmig zu sein. Seine Bestandteile waren thermisch miteinander verbunden.

Im WM-Finale setzte man auf eine goldene Version des Balls. Weltmeister Italien durfte den +Teamgeist Berlin die kommenden vier Jahre bei Länderspielen verwenden.

2010 (Südafrika): Jabulani / Jo’bulani

Der wohl umstrittenste Spielball in der Geschichte der Weltmeisterschaft und womöglich des Fußballs insgesamt, war der Jabulani. Dieser schwankte, wackelte und neigte sich, während er völlig unvorhersehbare Flugbahnen einschlug. Die unberechenbare Bewegung des Balls verschaffte den Angreifern einen klaren Vorteil, da eine Reihe überforderter Torhüter nicht in der Lage waren, das endgültige Ziel eines Weitschusses zu erkennen.

Die elf Farben des Jabulani stehen für die Anzahl der offiziellen südafrikanischen Sprachen, die Anzahl der Spieler einer Fußballmannschaft und die Anzahl der Austragungsstädte der Weltmeisterschaft 2010. Im Finale setzte man auf den Jo’bulani – eine Version des Balls, die in Anlehnung an den Finalort Johannesburg benannt wurde

2014 (Brasilien): Brazuca / Brazuca Final Rio

Um kein weiteres Missgeschehen wie 2010 zu haben, wurde der Brazuca von 30 Gruppen an Wissenschaftlern und rund 600 Profispielern auf seine Festigkeit getestet und einer sorgfältigen Qualitätskontrolle unterzogen.

Der gründliche Testprozess hat sich zweifellos gelohnt, denn die aerodynamischen Eigenschaften, der feste Griff und die symmetrische Struktur des Brazuca sorgten dafür, dass der Ball 2014 eine deutliche Verbesserung gegenüber seinem Vorgänger darstellte. Der Brazuca Final Rio, der im Finale verwendet wurde, unterscheidet sich in seiner grün-goldenen Farbgebung.

2018 (Russland): Telstar 18 / Telstar Mechta

Obwohl der Telstar 18 an den allerersten Adidas-WM-Spielball erinnern sollte, der fast fünf Jahrzehnte zuvor auf den Markt gekommen war, bedeutete er auch einen Sprung in die Zukunft. Ausgestattet mit einem NFC-Chip (Near Field Communication) konnten Fans, die einen Replica kauften, ihren Ball mit einem Smartphone scannen, um zusätzliche Produktinformationen und WM-bezogene Inhalte abzurufen.

Anders als bei den drei vorangegangenen Turnieren (und dem folgenden in Katar), gab es beim Finale der WM 2018 keinen "goldenen" Ball. Stattdessen kam ab dem Achtelfinale der rote Telstar Mechta zum Einsatz – ein russischer Begriff, der einen Traum oder Ehrgeiz ausdrückt.

2022 (Katar): Al Rihla / Al Hilm

Der Spielball Al Rihla knüpfte an den technologischen Erfolg des Telstar 18 an und zeichnete sich durch mehrere bahnbrechende Designkomponenten aus.

Das Modell für Katar 2022 verfügte nicht nur über einen CRT-Kern, der eine höhere Präzision, Geschwindigkeit und Flugstabilität ermöglichte, sondern war auch mit der "Connected Ball"-Technologie ausgestattet. Diese ermöglicht es den Schiedsrichterteams, dank der detaillierten Einblicke schnellere und genauere Entscheidungen zu treffen, sei es in Bezug auf knappe Abseitsentscheidungen, die Verkürzung der VAR-Prüfungszeit oder die Identifizierung des Kontaktpunkts bei einem besonders harten Zweikampf.

Mit seiner leuchtenden Farbgebung und dem auffälligen Dreiecksmuster wird der Al Rihla für immer mit Messis bahnbrechendem WM-Triumph verbunden sein, auch wenn ab dem Halbfinale mit dem Al Hilm, einer Version in gold und bordeauxrot, gespielt wurde.

Die Geschichte der WM-Bälle: FAQ

1. Seit wann stellt Adidas WM-Bälle her?

Adidas liefert den offiziellen WM-Spielball seit dem Jahr 1970, als Mexiko zum ersten Mal Gastgeber der Weltmeisterschaft war.

2. Wie viele WM-Bälle hat es bisher gegeben?

Es gab bisher 22 Ausgaben der Fußball-Weltmeisterschaft und jede Ausgabe hatte ihren eigenen Ball.

3. Wann wurde der erste WM-Ball aus Kunststoff hergestellt?

Der erste WM-Ball, der vollständig aus synthetischen Materialien hergestellt wurde, war der Azteca, der 1986 in Mexiko verwendet wurde.

4. Welcher WM-Ball war der umstrittenste?

Der Jabulani war wegen seiner "Grip n' Groove"-Textur und seiner unberechenbaren Flugbahn umstrittener als jeder andere WM-Ball.

5. Wie heißt der Ball für die WM 2026?

Der Ball, der in diesem Sommer in Nordamerika verwendet wird, heißt TRIONDA