Ecuador verzweifelt an Curacao - und fürchtet Fußball-"Großmacht" Deutschland

Ecuadors Nationaltrainer Sebastian Beccacece baut seine Spieler nach dem 0:0 gegen Curacao auf.
Ecuadors Nationaltrainer Sebastian Beccacece baut seine Spieler nach dem 0:0 gegen Curacao auf.REUTERS/Issei Kato

Nationaltrainer Sebastián Beccacece versammelte seine ratlosen Spieler im Kreis, hob den linken Zeigefinger und stimmte Ecuadors enttäuschtes Team mit einer leidenschaftlichen Rede auf den Schlagabtausch mit der Fußball-"Großmacht" Deutschland ein. Selbst 28 (!) Torschüsse hatten den Südamerikanern beim verrückten 0:0 gegen den Fußball-Zwerg Curacao nicht zum ersten WM-Treffer gereicht - nun muss der Bann ausgerechnet gegen Rekordtorhüter Manuel Neuer gebrochen werden.

Ein Sieg gegen die nach dem feststehenden Gruppensieg selbstbewusste DFB-Elf ist für Ecuador nach dem zweiten Spiel ohne eigenen Treffer Pflicht. "Es ist noch nicht vorbei, es gibt noch eine Chance", sagte Beccacece kämpferisch: "Wir sollten nicht an uns zweifeln. Solange wir noch im Rennen sind, werden wir alles geben."

Weil aber schon beim Auftakt gegen die Elfenbeinküste (0:1) die gewohnte Flaute vor dem Tor herrschte, steht "El Tri" gegen das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann massiv unter Druck. Es droht das frühe WM-Aus.

Curacao-Torwart Room wächst über sich hinaus

Welche Botschaft er denn an die besorgten Fans habe, wurde Beccacece gefragt. Der Argentinier sprach von einer "schwierigen Zeit für das ecuadorianische Volk" und versicherte, den Schmerz der Fans zu fühlen. Deutschland sei eine fußballerische "Großmacht", aber "wir haben noch rund 100 Minuten vor uns, und wir werden da sein. Wir haben eine Chance auf den Sieg. Aber wir müssen Tore schießen."

Schier verzweifelt war Ecuador am Samstagabend in Kansas City an Curacaos herausragendem Schlussmann Eloy Room. 15 Paraden zeigte der 37-Jährige - seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1966 hatte nie ein Keeper mehr während der regulären Spielzeit. Das war bemerkenswert, der einzige Grund für das überraschende Remis war Room Leistung aber nicht.

Ecuadors Offensive um Kapitän Enner Valencia ließ beste Möglichkeiten fahrlässig aus und scheiterte letztlich auch am eigenen Unvermögen. "Natürlich sorgt es für Frust, dass wir kein Tor erzielt haben", sagte Beccacece: "Im Fußball gibt es Dinge, die man nicht erklären kann."

Zum Match-Center: Ecuador vs. Curacao

Ecuador zeigt in Nordamerika das aus der WM-Qualifikation bekannte Gesicht. Defensiv steht das Team zumeist sicher, vor dem gegnerischen Tor aber fehlen Kaltschnäuzigkeit und Konsequenz. In 18 Spielen der CONMEBOL-Qualifikation erzielte Ecuador nur 14 Tore. Den zweiten Platz hinter WM-Titelverteidiger Argentinien sicherte die stabile Abwehr, die nur fünf Gegentore zugelassen hatte. "Wir müssen akzeptieren, was passiert ist. Es schmerzt. Niemand will das Tor verfehlen", sagte Beccacece.

Im abschließenden Vorrundenspiel gegen Deutschland in East Rutherford am Donnerstag (22.00 Uhr MESZ/ARD, MagentaTV und Flashscore-Audioreportage) bietet sich die vielleicht letzte Chance zur Wiedergutmachung. Dass die deutsche Mannschaft wie Curacao 28 Torschüsse zulässt, ist trotz des drohenden Ausfalls von Innenverteidiger Nico Schlotterbeck nicht zu erwarten. Und dann ist da ja noch Manuel Neuer.

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