"Er küsst den Ball": Magier Wirtz und die WM-Zauberformel

Florian Wirtz stimmt das Land auf die WM ein
Florian Wirtz stimmt das Land auf die WM einFoto von FABRICE COFFRINI / AFP

Der Wackel-Start gelang dank Wunder-Wirbler Florian Wirtz, gegen Ghana will die DFB-Elf ihre defensiven Schwächen abstellen.

Seine Zauberformel für traumhafte WM-Nächte konnte Fußballmagier Florian Wirtz den Kollegen aus der Wackel-Abwehr beim lockeren Teamabend noch mal ganz genau erklären. "Dass wir drei Tore kassieren, ist ein bisschen ärgerlich", sagte der Wunder-Wirbler nach dem wilden Start ins Turnierjahr und fügte schon mit Blick auf den nächsten Härtetest hinzu: "Wenn wir am Ende immer vier machen, ist das egal."

Den Bundestrainer hat Wirtz damit schon mal überzeugt. "Generell", sagte Julian Nagelsmann über das Duell mit Ghana am Montag (20.45 Uhr/ARD) in Stuttgart, "ist ein zu Null immer schön und gut. Aber am Ende erwarte ich, dass wir gewinnen." Egal wie - auch bei der WM. Am liebsten mit so viel Offensivwucht wie beim fulminanten 4:3 (2:2) gegen die Schweiz.

In Basel zog Wirtz Traumtore und kluge Vorlagen in Serie aus seinem Hexer-Zylinder. Für den großen Hoffnungsträger war deshalb schon zweieinhalb Monate vor dem Start in den "American Dream" klar: "Wir müssen uns vor keinem verstecken."

Defensive muss sich steigern

Also nur ein paar Schrammen, wie im Gesicht von Kapitän Joshua Kimmich nach dem Ellbogenschlag des Freiburgers Johan Manzambi? Tatsächlich machte der Auftritt im St. Jakob-Park große Lust auf mehr. Die Schweiz, als Nummer 18 der Weltrangliste höher einzustufen als alle deutschen WM-Gruppengegner, hatte dem Wirtz-Wirbel letztlich nichts entgegenzusetzen. Die neue Variabilität im Spielaufbau war erkennbar, der größere Schwerpunkt auf Standards machte sich sofort bezahlt, Debütant Lennart Karl erwies sich als Gewinn.

Alles gut? Auftritt Rudi Völler, dem vier Worte reichten, um allzu schwelgerische Schwärmereien einzufangen. "Jetzt mal nicht übertreiben!", mahnte der Sportdirektor. Julian Nagelsmann reiste auch mit Sorgen über Freiburg, wo am Samstag mit dem Gast Christian Streich beim SC trainiert wurde, nach Stuttgart.

Ja, seine Elf, die so bis auf zwei, drei Positionen auch beim WM-Start gegen Curacao auflaufen soll, habe "gute Nehmerqualität" gezeigt, auch Mentalität und Widerstandskraft. "Trotzdem gibt es ein paar Punkte, die wir besser machen können im Verteidigen."

Kaum auszudenken, wie viele Tore Topfavoriten wie Spanien, Frankreich oder Argentinien gegen diese Schweizer-Käse-Defensive erzielen würden. Gegen Ghana mit dem Stürmerstar Antoine Semenyo muss sich die WM-Abwehr steigern, Herausforderer Antonio Rüdiger drängt ins Team: "Wenn Julian mich braucht, werde ich da sein."

Karl macht auf sich aufmerksam

Noch hat Risikofaktor Nico Schlotterbeck seinen Platz sicher. Warum? "Nico hat mit den besten Spielaufbau in Europa", meinte Wirtz, doch genau in dieser Spezialdisziplin leistete sich der Dortmunder in Basel folgenschwere Patzer. Einen Wechsel soll es aber nur im Tor geben: Alexander Nübel darf Stammkeeper Oliver Baumann vor heimischem Publikum vertreten.

Vorne soll Wirtz wieder Wunder wirken. "Er küsst den Ball", schwärmte Pascal Groß, Nagelsmann adelte Wirtz als "Weltfußballer" und verriet, dass er ihn nach dem Holperstart in England in vielen Gesprächen aufgebaut habe. "Er hat sich extrem geöffnet", jetzt könne er "stärker sein als jemals zuvor".

Weil die behelfsmäßig zusammengestellte Mittelfeldzentrale mit Leon Goretzka und Angelo Stiller längst nicht so gut funktionierte, könnte der Bundestrainer Groß oder Anton Stach eine Chance geben. Beide kämpfen wie Stiller noch um ihre WM-Nominierung am 12. Mai.

Keine Sorgen machen müssen sich der formstarke Serge Gnabry und Kai Havertz. Der Arsenal-Profi erwies sich nach langer Abwesenheit in Ansätzen wieder als jener "Unterschiedsspieler", den nicht nur Nagelsmann in ihm sieht. Neuling Karl macht dahinter Druck. "Ein Top-Spieler", lobte Wirtz den Teenager, "er wird die nächsten Jahre viel Spaß bringen."

Und den ewig schwankenden Leroy Sané verdrängen? Nagelsmann hat dem Türkei-Legionär "weitere Chancen" versprochen. In Stuttgart muss er beweisen, dass er zum Faktor in Wirtz' WM-Formel taugt.

Zum Match-Center: Deutschland vs. Ghana