Üblicherweise ist der 25-Jährige aber ein so zuverlässiger Ballschmeichler, dass Julian Nagelsmann im Nominierungsvideo sogar ein wenig verliebt klang. "Felix, ich habe noch nie einen Spieler gesehen, der mit deiner Größe so geschmeidig auf 2,17 Meter mit einem Spagat die Bälle beim Fußballtennis übers Netz wuchtet", sagte der Bundestrainer: "Deine Athletik, dein Körper, gepaart mit der Technik, das ist einmalig."
Im Hintergrund ziehen zugleich die Bilder aus Nmechas Leben vorbei: als niedlicher Dreikäsehoch am Strand, auf dem Platz mit seinem Bruder Lukas, der im Clip den Familienpart übernimmt, im Kinderzimmer mit Cristiano-Ronaldo-Poster am Etagenbett. Es sind einstige Träume, die nun wahr werden - Nmecha gilt in der deutschen Elf vor dem WM-Start als unverzichtbar. "Er ist einer der besten Box-to-Box-Spieler der Welt", schwärmt Lothar Matthäus.
Nmecha und der Glaube
Felix Nmecha, der unerbittliche Jäger, der grätschdribbelnde Staubsauger, ein Ballzulieferer zwischen den Strafräumen. Körperlich wuchtig, dynamisch, technisch brillant. Schnell. Außerdem, sagt BVB-Trainer Niko Kovac: "Menschlich eine Vollgranate."
Nmecha denkt über den Ball hinaus, weit hinaus. Das liegt in seinem tiefen Glauben begründet, über den er neuerdings auch in seinem Podcast "The Pursuit" spricht. "Wenn man mir den Fußball nehmen würde, meine Karriere, alles", fragte er sich da selbst: "Wer wäre ich dann eigentlich?"
Idealerweise, so seine Antwort, ein guter Mensch. Als er in den USA aus dem deutschen Teamflieger stieg, mit türkisfarbenem Louis-Vuitton-Täschchen im Arm, sah es aus, als halte er eine Bibel in der anderen Hand. Das Wort Gottes, sagt er, studiere er jeden Tag: "Die Bibel hat mein Leben verändert und tut es weiterhin. Ich bin Felix, ein Christ, der Fußball spielt."
Dass er sich damit an der Grenze zum Missionarischen bewegt, hat ihm auch schon Ärger eingebracht. Er ist ein Posterboy der "Ballers in God", der Vereinigung der evangelikalen Gotteskicker. Er teilte und likte bei Instagram homophobe und transphobe Inhalte. Nach der Ermordung des radikalen Eiferers Charlie Kirk in den USA löschte er einen Post, in dem er geschrieben hatte, Kirk habe "friedlich für seine Überzeugungen und Werte eingestanden".
Fußballerisch hingegen gibt es kaum jemanden, der an Nmecha noch viel auszusetzen hat. Er hat auch Nagelsmann längst vollauf überzeugt - dabei hatte der Bundestrainer in seinem kicker-Interview im März verbal bereits ein Leon-Goretzka-Bildchen in sein WM-Album geklebt. Inzwischen würden nur noch wenige Goretzka in der Startelf sehen: Dafür ist Nmecha schlicht zu stark. Er wird wohl an der Seite von Aleksandar Pavlovic spielen - als patenter Grätschdribbler.
