Spanien
Nach dem Abschied der legendären Generation um David Villa, Xavi und Andrés Iniesta fiel Spanien in eine lange Phase der Ernüchterung. Über ein Jahrzehnt hinweg blieb der einstige Welt- und Europameister hinter den Erwartungen zurück und musste bei großen Turnieren zahlreiche Rückschläge verkraften.
Nach den enttäuschenden WM-Niederlagen gegen Russland (2018) und Marokko (2022) wurde vielerorts bereits das Ende einer Ära ausgerufen. "Tiki-Taka ist tot", lautete das Urteil zahlreicher Kritiker. Mit Luis de la Fuente begann jedoch ein grundlegender Wandel. Der spanische Nationaltrainer formte aus talentierten Einzelspielern wieder eine geschlossene Einheit.
"Er hat die Stimmung im Team verändert und es geschafft, Spieler und Rivalen aus verschiedenen spanischen Klubs zu einer Einheit zu formen. Und das ist das Wichtigste", erklärt der frühere spanische Nationalverteidiger Ivan Helguera.
Mit neuer Dynamik zur neuen "Goldenen Generation"
De la Fuente gab der Mannschaft neues Selbstvertrauen und entwickelte den Spielstil weiter. Spanien kontrolliert weiterhin das Mittelfeld, agiert inzwischen aber deutlich direkter und vertikaler. Vor allem die Dynamik der jungen Flügelspieler sorgt für zusätzliche Gefahr. Symbol dieser Entwicklung ist Ausnahmetalent Lamine Yamal.
Wie erfolgreich die Neuausrichtung ist, zeigte die EM 2024 eindrucksvoll. Spanien blieb während des gesamten Turniers ungeschlagen und gewann sieben Spiele in Serie. Bemerkenswert ist dabei vor allem das geringe Durchschnittsalter des Kaders.
"Aber Vorsicht, das sind Spieler, die bereits kampferprobt sind und mit dem Druck umgehen können", betont Flashscore-Experte César Suárez. Die Jugend ist längst keine Schwäche mehr, sondern eine der größten Stärken der Spanier. Entsprechend hoch werden die Chancen auf den nächsten großen Titel eingeschätzt. "Sie sind einer der ganz großen Favoriten, und das mit deutlichem Abstand", sagt Helguera.
Portugal
Während Spanien auf seine neue Generation setzt, richtet sich in Portugal der Blick vor allem auf Cristiano Ronaldo. Der mittlerweile 41-Jährige bereitet sich auf seine sechste Weltmeisterschaft vor – ein historisches Kapitel in einer ohnehin einzigartigen Karriere.
Trotz seines Alters und der Diskussionen um seine sportliche Zukunft bleibt Ronaldos Bedeutung für die Nationalauswahl Portugals ungebrochen. "Er ist immer noch der wichtigste Spieler, der Kapitän und trägt eine enorme Verantwortung. Man darf nicht vergessen: Weltklasse-Verteidiger bereiten sich auf ihn vor, als wäre er 20 Jahre alt", sagt der ehemalige portugiesische Nationalspieler Maniche mit einem Lächeln. Für Ronaldo ist das Turnier keine Abschiedstournee. Sein Ziel bleibt unverändert: der Gewinn des größten Titels im Weltfußball.
Mehr Qualität denn je?
Portugal kann sich dabei auf einen außergewöhnlich stark besetzten Kader verlassen. Mit Spielern wie Bruno Fernandes, Bernardo Silva, Vitinha und Ruben Dias verfügt die Nationalmannschaft über eine Qualität, die viele Beobachter als die beste Generation der portugiesischen Fußballgeschichte bezeichnen.
Die Mannschaft ist dadurch deutlich weniger abhängig von Ronaldo als noch bei vergangenen Turnieren – und gleichzeitig schwerer auszurechnen. Zusätzliche Motivation zieht das Team aus dem Andenken an den verstorbenen Nationalspieler Diogo Jota. Innerhalb der Mannschaft spielt die Erinnerung an den früheren Teamkollegen eine wichtige Rolle. "Gerade in den Schlüsselmomenten des Turniers kann das wirklich den Unterschied machen – sie spielen für Diogo", erklärt Flashscore-Experte André Guerra.
Auch Maniche sieht darin einen möglichen Erfolgsfaktor: "Wenn die Egos zurückgestellt werden und ein echtes Kollektiv entsteht, haben wir die Chance, sehr, sehr weit zu kommen."
