Gegenwind wird stärker: Tuchel steht mit England vor wichtigem Stimmungstest

Tuchel gibt sich inmitten der Kritik gewohnt selbstsicher
Tuchel gibt sich inmitten der Kritik gewohnt selbstsicherFoto von GLYN KIRK / AFP

Rund um den WM-Mitfavoriten England herrscht dicke Luft, Trainer Thomas Tuchel sucht die Schuld bei einem deutschen Schiedsrichter.

Thomas Tuchel scherzte mit seinen Spielern und lachte. Die Buhrufe der Fans, die Kritik der Experten, seine Schiedsrichter-Schelte? Ließ Englands Nationaltrainer am Wochenende hinter sich, bestens gelaunt bereitete Tuchel sein Team um Stürmerstar Harry Kane auf den nächsten WM-Test vor.

Doch auf der Insel rumort es ein wenig vor dem Duell mit Japan (Dienstag, 20.45 Uhr/DAZN), das magere 1:1 der Three Lions mit einer B-Elf gegen Uruguay am Freitagabend hallt weiter nach. Selbst die sonst eher zurückhaltende BBC fragte, ob Tuchel "seine ungewöhnliche Kaderstrategie" womöglich "noch bereuen" könnte. Schließlich setzte der Deutsche auf ein Casting, anstatt seiner ersten Garde um Kane die Möglichkeit zu geben, sich auf dem Weg zum ersehnten WM-Titel im Sommer weiter einzuspielen.

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Doch Tuchel rief den Nörglern um Ex-Nationalspieler Paul Robinson trotzig entgegen, dass er "viel gelernt" habe, gerade was die "Details" anging: "Wir haben viele neue Spieler eingesetzt, ich bin sehr dankbar für diese Bewährungsprobe und sehr zufrieden" mit der Leistung. "Enttäuscht" zeigte sich der 52-Jährige hingegen von Teilen der Fans, die den Abwehrmann Ben White bei seinem ersten Länderspiel seit der WM 2022 ausbuhten: "Ich glaube nicht, dass es irgendjemandem hilft."

"Brauchen Hunger und Begeisterung"

Und so scheint die perfekte Qualifikation unter Tuchel für die WM fast schon vergessen zu sein, in diesen Tagen beherrschen Nebengeräusche die Schlagzeilen rund um den Mitfavoriten für den Titel. Wie die Nicht-Berücksichtigung von Real Madrids Trent Alexander-Arnold oder das Gemecker von Altmeistern wie Danny Murphy, der Tuchel vorwarf einen "sehr gut" bezahlten "Teilzeitjob" zu erledigen. Und daran erinnerte, dass England gegen kleinere Teams zwar eine gute Quali gespielt hat, aber gegen eine Mannschaft wie den Senegal im Vorjahr (1:3) Probleme hatte.

Tuchel selbst präsentierte sich nach dem Uruguay-Spiel wenig souverän. Stattdessen knöpfte er sich nach dem Remis durch einen späten Elfmeter den deutschen Schiedsrichter Sven Jablonski vor, der laut Tuchel einen "gebrauchten Tag" erwischt und "über das gesamte Spiel überhaupt keine gute Leistung" gezeigt hatte. Das direkte Gespräch suchte Tuchel nicht, "ich will es auch nicht", sagte er.

Für die Stimmung im Land wird das Spiel gegen das "sehr, sehr gute" Japan nun extrem wichtig, es ist der letzte Test, bevor Tuchel im Mai seinen WM-Kader bekannt gibt. "Wir brauchen Spitzenqualität, wir brauchen Hunger und Begeisterung", hatte Tuchel im Vorfeld gesagt. Und am besten auch ein Top-Ergebnis.

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