In Seattle begann die Euphorie, die das US-Team nach einem souveränen 2:0-Sieg gegen Australien ins Achtelfinale trug, schon in den frühen Morgenstunden. Bereits ab 7 Uhr füllten sich die Bars rund um das Stadion, die Straßen im Viertel wurden für den Verkehr gesperrt, und eine rot-weiße Fanwand – gespickt mit australischem Grün und Gold – empfing die Ankommenden.
Zum Match-Center: USA vs. Australien
Spätestens jetzt ist klar: Nach dem schwierigen Start bei der WM 1994 hat der Fußball in den USA endlich sein Zuhause gefunden. 66.925 Zuschauer verwandelten das Seattle Stadium in einen Hexenkessel und peitschten ihr Team ununterbrochen nach vorne. Die leidenschaftliche Atmosphäre erinnerte dabei viel mehr an europäische Fußballtempel als an die oft zitierte amerikanische Zurückhaltung bei Sportevents. Jeder gewonnene Zweikampf wurde frenetisch bejubelt, jeder gelungene Pass beklatscht – das Publikum strafte alle Vorurteile Lügen und ging über die vollen 90 Minuten voll mit.
Auch die Mannschaft von Mauricio Pochettino liefert auf dem Platz ab und wird den hohen Erwartungen gerecht. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von "Captain America" Christian Pulisic (Wadenverletzung) stand das Team vor einer Reifeprüfung: Wer sollte ohne ihn für die kreativen Momente sorgen?
Die Antwort: Die Mannschaft löste die Aufgabe im Kollektiv und ohne jegliche Probleme. Das Sturmduo Ricardo Pepi und Folarin Balogun harmonierte prächtig, während Weston McKennie auf dem rechten Flügel genau die Dynamik und Torgefahr ausstrahlte, die man sonst von Pulisic kennt.

Von der Defensive bis zum Sturm präsentiert sich hier eine Einheit, die man absolut ernst nehmen muss und die im weiteren Turnierverlauf niemand unterschätzen sollte. Mit Pochettino steht zudem ein erfahrener Taktiker mit starker Persönlichkeit an der Seitenlinie, der garantiert, dass seine Spieler auf der ganz großen Weltbühne die Nerven behalten. Wenn das Verpassen der WM 2018 der absolute Tiefpunkt war, greift diese Generation jetzt nach den Sternen.
Fans tragen das Team durch das Turnier
Fox Sports begleitete das Spektakel wie gewohnt mit einem Live-Studio direkt vor dem Stadion. Millionen Menschen im ganzen Land verfolgten die Übertragung – ein medialer Aufwand, der sonst fast ausschließlich dem College-Football vorbehalten ist.
Auch nach dem Abpfiff war spürbar, dass sich dieses Turnier zu einem echten Volksfest entwickelt. Rund um den Pioneer Square prägten fast ebenso viele US-Trikots das Straßenbild wie die Jerseys der heimischen Seattle Mariners. Dabei spielten die Mariners am Freitagabend sogar ein traditionsreiches Match gegen die Boston Red Sox – ein klassischer Fixpunkt für die Sportfans der Stadt, der diesmal jedoch vom WM-Fieber komplett überschattet wurde.
Zwischen den feiernden Amerikanern mischten sich enttäuschte, aber faire Australier. Man lag sich in den Armen, fachsimpelte über das Spiel oder feierte einfach gemeinsam in den unzähligen Kneipen der Innenstadt weiter. Ein Bild blieb dabei besonders im Gedächtnis: Nur wenige Blocks vom Stadion entfernt formierte sich mitten auf der Straße eine Gruppe junger Leute zu einem Kreis, um den Ball hochzuhalten. Eine Szene, wie man sie aus den Straßen von Rio, London oder Buenos Aires kennt – für die USA ist das jedoch ein völlig neues, faszinierendes Bild.
Vielleicht ist es nur das temporäre WM-Fieber, das uns im Moment des Sieges alle mitreißt. Vielleicht erleben wir hier aber auch den Beginn von etwas ganz Großem. Bei der Heim-WM 1994 schieden die USA noch glanzlos im Achtelfinale aus – hängen blieb damals vor allem das gewöhnungsbedürftige, von Bluejeans inspirierte Nationaltrikot. Der große Fußball-Boom blieb danach aus.
USA: Hat die Party erst begonnen?
Mehr als drei Jahrzehnte später steht da nun eine Mannschaft auf dem Platz, die das ganze Land elektrisiert. Angeführt von einem argentinischen Coach, der nach dem Spiel sichtlich bewegt zugab, dass ihn die Unterstützung der Fans „emotional“ berührt habe, und getragen von einem Kader voller europaerprobter Talente. Dieses Team besitzt eine spielerische Klasse und Identität, die seinen Vorgängern fehlte.
Ob sie gekommen sind, um zu bleiben und ein bleibendes Vermächtnis zu hinterlassen? Wir werden es sehen. Doch während wir auf die nächsten Spiele warten, bleibt das Gefühl: Diese Party hat gerade erst begonnen.
FIFA WM 2026
Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird vom 11. Juni und 19. Juli ausgetragen. Bei Flashscore findest du alle Infos zur Endrunde in in den USA, Kanada und Mexiko.
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