Kein "Deal" im Fall Iran: Druck auf FIFA wächst – Erneut Probleme bei der Anreise

Iran darf auch beim zweiten WM-Gruppenspiel erst am Spieltag anreisen.
Iran darf auch beim zweiten WM-Gruppenspiel erst am Spieltag anreisen.REUTERS/Daniel Cole

Im Fall Iran wächst der Druck auf die FIFA. Während US-Präsident Donald Trump auf politischer Weltbühne ein Friedensabkommen feiert, ist ein "Deal" für die iranischen Fußballer auch vor ihrem zweiten WM-Gruppenspiel nicht in Sicht. Weil ein Antrag auf frühere Einreise in die USA erfolglos blieb, zog der iranische Fußballverband Konsequenzen und kündigte eine "formelle Beschwerde" beim Weltverband an.

Man sehe sich "erneut mit Beschränkungen durch die Organisatoren konfrontiert, die die Umsetzung der Pläne des Trainerstabs beeinträchtigen", hieß es in einer Erklärung. Angesichts der frühen Anstoßzeit gegen Belgien am Sonntag (12.00 Uhr Ortszeit) habe man beantragt, zwei Tage vor dem Spiel nach Los Angeles zu reisen, um den Spielern genügend Zeit zur Vorbereitung zu geben. Doch dem Wunsch sei nicht entsprochen worden, das "Team Melli" darf erst am Samstag von seinem Basislager im mexikanischen Tijuana aus zum Spielort nach Los Angeles aufbrechen. Eine vernünftige Spielvorbereitung im Sinne der Fairness? Unter den gegebenen Voraussetzungen unmöglich.

Zum Match-Center: Belgien vs. Iran

Der iranische Verband ist der Ansicht, "dass solche Einschränkungen nicht mit dem Grundsatz der Gleichbehandlung aller teilnehmenden Mannschaften vereinbar sind und sich negativ auf die Vorbereitung der Mannschaften auswirken könnten." Trotz der vom Verband dargelegten Gründe sei "der Antrag erneut abgelehnt" worden, führte ein Verbandssprecher aus.

Dies alles stelle ein "dunkles Kapitel in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften" dar, sagte Hedayat Mombeyni, Generalsekretär des iranischen Fußballverbandes: "Dies ist ein bedeutendes internationales Turnier. Ein derartiger Verstoß gegen unsere Regeln und Vereinbarungen stellt meiner Meinung nach den Fußball an sich infrage."

Und so bleibt das Turnier für den Iran ein einziger Hindernislauf. Nachdem die Schikane mit dem kurzfristig aufgezwungenen Quartierwechsel nach Mexiko bereits vor WM-Start begonnen hatte, sah sich die Mannschaft von Trainer Amir Ghalenoei auch nach dem Auftaktspiel gegen Neuseeland (2:2) der Willkür der Organisatoren ausgesetzt - und musste den Spielort Los Angeles noch am Spieltag wieder verlassen. Kapitän Mehdi Taremi sprach angesichts der Blitzabreise von einem "Desaster", Ghalenoei gar von einer "Unterdrückung" seines Teams.

Weißes Haus bleibt unerbittlich

Die Einreiseproblematik rund um die WM hat längst politische Kreise erreicht. So rückte Annalena Baerbock, Präsidentin der UN-Generalversammlung und frühere Bundesaußenministerin, in ihrer Kritik die Rolle des Weltverbandes in den Fokus. Dies sei "eine Sache, die bei dieser WM und auch nach dieser WM natürlich von der FIFA aufgearbeitet werden muss", sagte Baerbock. Der Sport lebe schließlich davon, "dass er Menschen verbindet und dass Menschen zusammenkommen können".

Die US-Regierung hatte die harsche Kritik des Irans nach dem WM-Auftakt noch deutlich zurückgewiesen. Andrew Giuliani, Leiter der FIFA-Taskforce des Weißen Hauses, erklärte am Montag, der Iran sei vorab darüber informiert worden, dass die Einreise in die USA erst am Tag vor dem Spiel gestattet werde.

"Regeln sollten eingehalten werden. Es wirkt auf mich, als hätte Giuliani die Regeln besser studieren sollen", sagte Mombeyni: "Leute, die die Regeln nicht umsetzen können, sollten keine Gastgeber sein."