WM 2018: Griezmanns Schwalbe und der umstrittene VAR-Eingriff
Mit dem Einzug ins WM-Finale 2018 in Russland schrieb Kroatien Fußballgeschichte. Gegen den haushohen Favoriten Frankreich zeigte das Team von Zlatko Dalić vor allem in der ersten Halbzeit eine starke Leistung und war über weite Strecken die spielbestimmende Mannschaft. Zwei umstrittene Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns um Néstor Pitana brachten die Kroaten jedoch entscheidend aus dem Konzept.
Bereits in der 18. Minute fiel das 1:0 für Frankreich nach einem Freistoß von Antoine Griezmann, den Mario Mandžukić unglücklich ins eigene Tor verlängerte. Der Freistoß selbst hätte allerdings gar nicht zustande kommen dürfen: Griezmann ging zuvor nach einem Zweikampf ohne erkennbaren Kontakt zu Boden.
Zum Match-Center: Kroatien vs. Frankreich
Kroatien ließ sich davon zunächst nicht beeindrucken und glich durch Ivan Perišić verdient zum 1:1 aus. Kurz vor der Pause rückte Pitana erneut in den Mittelpunkt. Nach einer französischen Ecke sprang Perišić der Ball an die Hand. Der Schiedsrichter ließ zunächst weiterspielen, wurde anschließend jedoch vom VAR an den Bildschirm gebeten. Nach mehr als zwei Minuten entschied er auf Strafstoß für Frankreich.
Der frühere FIFA-Schiedsrichter Urs Meier bewertete die Szene damals im ZDF mit den Worten: "Man kann den Elfmeter geben." Genau darin lag jedoch die Kritik vieler Experten: Der VAR sollte bei seiner Einführung ausschließlich klare Fehlentscheidungen korrigieren. Bei der Handspielszene handelte es sich vielmehr um eine Ermessensentscheidung, weshalb ein Eingriff des Videoassistenten aus Sicht vieler Beobachter nicht gerechtfertigt war.
Frankreich gewann das Finale schließlich mit 4:2. Bis heute bleibt die Frage offen, welchen Verlauf das Spiel ohne die beiden umstrittenen Entscheidungen genommen hätte.
WM 2022: Elfmeter für Argentinien verändert das Spiel
Vier Jahre später überraschte Kroatien erneut die Fußballwelt. Nach Erfolgen gegen Japan und Brasilien erreichten die "Kockasti" zum zweiten Mal in Folge das Halbfinale einer Weltmeisterschaft. Dort wartete Argentinien. Die Begegnung verlief zunächst ausgeglichen. Kroatien verteidigte diszipliniert und ließ kaum gefährliche Aktionen zu. Nach rund einer halben Stunde änderte eine umstrittene Szene jedoch den gesamten Spielverlauf.
Julián Álvarez lief allein auf Dominik Livaković zu, schloss ab und prallte anschließend mit dem kroatischen Torhüter zusammen. Livaković stand dabei mit beiden Füßen am Boden und machte keine aktive Bewegung in Richtung seines Gegners. Dennoch entschied Schiedsrichter Daniele Orsato auf Elfmeter. Auch der VAR griff nicht ein.
Zum Match-Center: Argentinien vs. Kroatien
Lionel Messi verwandelte den Strafstoß sicher zur Führung. Kroatien fand anschließend nicht mehr zurück in die Partie und verlor am Ende deutlich mit 0:3.
WM 2026: Der VAR und ein rätselhafter Chip sorgen erneut für Diskussionen
Auch bei der Weltmeisterschaft 2026 geriet Kroatien nach einer kontroversen Schiedsrichterleistung in den Mittelpunkt. Im Sechzehntelfinale gegen Portugal stand der norwegische Referee Espen Eskås bereits zur Pause in der Kritik. Mehrfach pfiff er Zweikämpfe zugunsten Portugals, während vergleichbare Situationen auf der anderen Seite ungeahndet blieben.
Zum Match-Center: Portugal vs. Kroatien
Nach dem Seitenwechsel übernahm Kroatien zunehmend die Kontrolle und ging durch Ivan Perišić verdient in Führung. Wenig später meldete sich jedoch erneut der VAR. Nach einer portugiesischen Ecke überprüfte Eskås ein Gerangel zwischen Nikola Vlašić und Renato Veiga und entschied schließlich auf Strafstoß für Portugal.

Auch diese Szene wurde von vielen Beobachtern als klassische 50:50-Entscheidung bewertet – ein Zweikampf, wie er bei Standardsituationen regelmäßig ungeahndet bleibt. Entsprechend wurde erneut die Frage gestellt, ob der Eingriff des VAR überhaupt den Vorgaben für eine klare Fehlentscheidung entsprach.
Aberkanntes Ausgleichstor sorgt für neue Diskussionen
Noch größer war die Aufregung in der Nachspielzeit. Nachdem Gonçalo Ramos Portugal in Führung gebracht hatte, warf Kroatien alles nach vorne und erzielte in der Nachspielzeit der Nachspielzeit tatsächlich den vermeintlichen Ausgleich.
Doch erneut griff der VAR ein. Mario Pašalić soll sich beim Zuspiel im Abseits befunden haben, weil Igor Matanović den Ball noch berührt habe. Die Fernsehbilder lieferten dafür allerdings keinen eindeutigen Nachweis. Weder war eine sichtbare Richtungsänderung des Balles zu erkennen, noch schien sich dessen Flugbahn zu verändern. Zudem kam anschließend noch ein portugiesischer Verteidiger an den Ball und lenkte ihn leicht ab.
Damit musste Eskås gleich zwei Bewertungen treffen: Zum einen musste er davon ausgehen, dass Matanović den Ball tatsächlich berührt hatte. Zum anderen bewertete er die anschließende Aktion des portugiesischen Verteidigers nicht als neue Spielsituation – eine Auslegung, die ebenfalls kontrovers diskutiert wurde.

Für zusätzliche Diskussionen sorgte die Erklärung der FIFA nach dem Spiel. Demnach habe der im Spielball verbaute Sensor einen Kontakt von Igor Matanovic registriert, obwohl dieser auf den TV-Bildern nicht eindeutig zu erkennen war. Gerade die Diskrepanz zwischen den Fernsehaufnahmen und den technischen Daten ließ viele Fans und Experten an der Entscheidung zweifeln. Entsprechend sorgte auch diese Situation für heftige Diskussionen. Zahlreiche Fans und Experten sprachen anschließend sogar von einem "Raub" an Kroatien.
Fazit: Kroatien hätte noch mehr erreichen können
Die Frage, was ohne diese umstrittenen Entscheidungen möglich gewesen wäre, wird in Kroatien wohl noch lange diskutiert werden. Zwischen dem WM-Finale 2018, dem Halbfinale 2022 und dem Aus im Sechzehntelfinale 2026 liegen gleich mehrere Schlüsselmomente, in denen Schiedsrichter oder VAR maßgeblich in den Spielverlauf eingriffen. Es wirbelt natürlich auch einmal mehr die Frage auf, ob es von Seiten der FIFA nicht doch eine Art Agenda geben könnte. Warum werden solche Entscheidungen stets gegen "kleinere" Nationen gepfiffen, nie aber gegen Teams wie Argentinien, Frankreich oder Spanien?
Ob der dreifache WM-Medaillengewinner ohne diese Entscheidungen tatsächlich einen Weltmeistertitel oder zumindest weitere Endspielteilnahmen gefeiert hätte, bleibt offen. Fest steht jedoch, dass Kroatien bei drei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften nicht nur mit seinen Leistungen, sondern auch mit einigen der kontroversesten Schiedsrichterentscheidungen des Turniers in Erinnerung bleibt. Oder wie Luka Modric es nach dem Portufal-Spiel passend formulierte: "Der VAR entscheidet immer gegen uns."

