Die Begegnung birgt eine immense historische Brisanz und weckt Erinnerungen an eine der größten Sensationen der WM-Geschichte. Für Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps schließt sich bei diesem Turnier ein Kreis: Er wird sein Amt nach der Weltmeisterschaft an die Legende Zinedine Zidane übergeben. Genau jener Zidane fehlte verletzungsbedingt im französischen Aufgebot, als der krasse Außenseiter Senegal im Eröffnungsspiel der WM 2002 die Fußballwelt schockierte und den amtierenden Weltmeister mit 1:0 bezwang.
Zum Match-Center: Frankreich vs. Senegal
Fast ein Vierteljahrhundert später brennt der Senegal auf eine Wiederholung dieses Coups. Dass Favoriten straucheln können, hat das aktuelle Turnier bereits bewiesen: Erst am Montag trotzte der WM-Debütant Kap Verde dem Schwergewicht Spanien ein torloses Unentschieden ab – eine rechtzeitige Warnung für die Franzosen, jede Nachlässigkeit im Keim zu ersticken. Deschamps selbst steht an der Schwelle zum historischen Rekord: Dem Coach fehlen nur noch fünf Partien, um die Bestmarke für die meisten WM-Spiele als Trainer (25) einzustellen.
Sollte der Équipe Tricolore der ganz große Wurf gelingen, würden sie Historisches erreichen. Eine bärenstarke Qualifikation mit fünf Siegen und nur einem Remis unterstreicht die Titelambitionen. Zieht Frankreich erneut ins Endspiel ein, wären sie erst die dritte Nation überhaupt, die dreimal in Folge ein WM-Finale erreicht.
Doch auch die Westafrikaner reisen mit breiter Brust an. Senegal marschierte ebenfalls ungeschlagen durch die Qualifikation (sieben Siege, drei Unentschieden) und nimmt zum dritten Mal hintereinander an einer Endrunde teil. Nach dem schmerzhaften Entzug des AFCON-Titels Anfang des Jahres infolge von Protesten gegen einen späten Final-Elfmeter für Marokko ist die Mannschaft von Pape Thiaw extrem motiviert, auf der Weltbühne ein unüberhörbares Zeichen zu setzen. Das Minimalziel ist klar: Das bisherige Maximum – das legendäre Viertelfinale von 2002 – soll übertroffen werden.
Die Statistik verspricht eine packende, offene Partie. Seit der bitteren Pleite im Jahr 2002 hat Frankreich kein WM-Auftaktspiel mehr verloren (drei Siege, zwei Unentschieden), allerdings gingen drei der letzten vier WM-Duelle gegen afrikanische Teams verloren. Senegal hingegen kämpft mit einem Defensivfluch: Seit dem Zu-Null-Sieg gegen Frankreich vor 24 Jahren gelang es ihnen in elf aufeinanderfolgenden WM-Spielen nicht mehr, die weiße Weste zu wahren. Ein Weiterkommen wird maßgeblich an der taktischen Disziplin gegen Frankreichs High-Speed-Offensive hängen.
Tore scheinen derweil garantiert zu sein: In fünf der letzten sieben WM-Partien Senegals fielen mehr als 2,5 Tore – eine exakte Parallele zu Frankreichs jüngster Bilanz von über 2,5 Toren in fünf der letzten neun Pflichtspiele.
Duell der Superstars: Mbappé gegen Mané
Im Rampenlicht stehen vor allem die Offensivkünstler beider Teams. Auf senegalesischer Seite ruhen die Hoffnungen auf Ismaila Sarr, der frischgebackene Conference-League-Sieger von Crystal Palace, der in sieben seiner letzten acht Länderspiele mit Torbeteiligung jeweils den eminent wichtigen Führungstreffer markierte. Demgegenüber steht Superstar Kylian Mbappé: Nach einer für seine Verhältnisse durchwachsenen Vereinssaison brennt er darauf, im Nationaltrikot zu glänzen. Mit aktuell 12 WM-Treffern hat er den Allzeit-Rekord von Miroslav Klose (16 Tore) fest im Visier.
Unterstützt wird Mbappé von einer Offensive der Extraklasse. Bayern-Profi Michael Olise spielt die Saison seines Lebens (22 Tore und 27 Assists in Bundesliga und Champions League) und untermauerte seine Form jüngst mit einem Hattrick beim 3:1-Testspielsieg gegen Nordirland. Auch Ballon d'Or-Gewinner Ousmane Dembélé reist mit enormem Selbstbewusstsein an, nachdem er mit Paris Saint-Germain – trotz einer schwächeren Torquote in der Liga – den zweiten Champions-League-Titel in Serie feierte. Seine Unberechenbarkeit und Beidfüßigkeit werden die senegalesische Kette vor immense Probleme stellen.

Für Senegals Volksheld Sadio Mané schließt sich mit 34 Jahren vermutlich das WM-Kapitel. Auch wenn er sein Geld mittlerweile in der Saudi Pro League verdient, hat der Routinier nichts von seinem Torinstinkt verloren. Zusammen mit seinen Teamkollegen blickt er auf ein erfolgreiches Jahr 2026 zurück (fünf Siege, ein Remis beim finalen 0:0-Test gegen Saudi-Arabien und nur eine Niederlage).
Da beide Trainer für einen mutigen Offensivfußball stehen, dürfen sich die Fans auf einen spektakulären Schlagabtausch freuen. Wer hier die drei Punkte entführt, legt nicht nur den Grundstein für das Achtelfinale, sondern setzt ein dickes Ausrufezeichen an die Konkurrenz.
