Der Grund: Ausgerechnet die beiden muslimisch geprägten Länder treten im ersten offiziellen "Pride Match" der WM-Geschichte (5.00 Uhr MESZ/MagentaTV) gegeneinander an.
Zum Match-Center: Ägypten vs. Iran
Dass es so kommt, beruht in erster Linie auf einem Zufall. Bereits vor der Auslosung und dem Feststehen des Duells hatte die FIFA das Spiel als solches festgelegt, weil in Seattle am letzten Juni-Wochenende traditionell die queere Gemeinschaft zu einem Festival zusammenkommt. Eine Community, die sich nun (mal wieder) Gegenwind ausgesetzt sieht – obgleich sich die Kritik der beiden beteiligten Verbände in erster Linie an die FIFA richtet.

Man nehme die Angelegenheit "ernst", teilte ein Sprecher der iranischen Nationalmannschaft auf Anfrage von "The Athletic" mit. So ernst, dass sich die beiden Kontrahenten vor dem Match sogar zusammenschlossen, um wie schon im Anschluss an die Spielansetzung erneut zu protestieren.
Keine Symbole "der Bewegung"
Der Iran und Ägypten seien schließlich "zwei muslimische Länder mit tiefen kulturellen und religiösen Gemeinsamkeiten", hieß es vonseiten des iranischen Verbands. Länder, die "Werte und Überzeugungen" teilen würden.
Weshalb die FIFA nun aufgefordert wird, "die notwendigen Schritte" zu unternehmen, "um sicherzustellen, dass keine entsprechenden Zeremonien oder Werbeaktionen im Stadion stattfinden". Man wolle keine Symbole "der Bewegung" (also auch keine Regenbogen-Flaggen) im Stadion sehen.
Sogar eine Boykott-Drohung und ein möglicher Spielabbruch stehen seit Wochen im Raum. Experten halten eine derart drastische Reaktion allerdings für unwahrscheinlich, obwohl die Abneigung zumindest im Iran extreme Ausmaße annimmt.
Die LGBTQ+-Community erleidet in der theokratischen Republik heftige Repressionen, für homosexuelle Handlungen etwa droht sogar die Todesstrafe. Und auch in Ägypten kann Homosexualität zumindest strafrechtlich verfolgt werden.
One-Love-Kapitänsbinde 2022 verboten
Die FIFA, die in den vergangenen Jahren ein durchaus fragiles Rückgrat offenbart hatte, hält bislang dagegen. Die WM sei ein "inklusives Event", hieß es auf Anfrage von "The Athletic" – und Fans jeglicher sexueller Orientierungen seien bei den Spielen "willkommen".
Was der Weltverband damit beweist: Dass er sich im Umgang mit politischen Botschaften gerne an den Zuständen in den Gastgeberländern orientiert. Auf Kosten einer klaren Linie.
FIFA WM 2026
Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird vom 11. Juni und 19. Juli ausgetragen. Bei Flashscore findest du alle Infos zur Endrunde in in den USA, Kanada und Mexiko.
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Während in Katar 2022 etwa die One-Love-Kapitänsbinde untersagt worden war und Fans die Stadien mit gewissen Symbolen nicht betreten durften, weht nun in den vergleichsweise queer-freundlichen USA ein anderer Wind. "Regenbogenfahnen und andere Fahnen, die für sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität stehen", seien gemäß des Stadium Code of Conduct erlaubt.
Und auch im weltoffenen Seattle gibt man sich trotzig. "Lasst uns die Menschen in Seattle willkommen heißen", sagte Hedda McLendon aus dem WM-Organisationskomitee der Stadt gegenüber dem Portal Outsports. "Und lasst uns ihnen zeigen, wie stolz wir sind."
Was die Spieler von all der Unruhe halten, ist nicht überliefert. Sie dürften sich trotz aller Querelen auf das Sportliche konzentrieren. Für beide Teams steht schließlich einiges auf dem Spiel. Topstar Mohamed Salah und seine Ägypter (vier Punkte) können sich zum Abschluss der Vorrunde den Gruppensieg sichern, der Iran (zwei Punkte) will trotz einer überaus komplizierten WM das Sechzehntelfinale erreichen.

