US-Stürmer Balogun: Der Ein-Monat-Amerikaner mit dem Wink des Schicksals

Folarin Balogun spricht mit der Presse
Folarin Balogun spricht mit der PresseČTK / AP / Andre Penner

Florence Balogun war im siebten Monat schwanger, als sie im Frühjahr 2001 nach einem Besuch in New York ein Flugzeug nach London besteigen wollte. Am Gate aber hinderten sie Mitarbeiter der Fluggesellschaft, an Bord zu gehen - aus Sicherheitsgründen. Florence Balogun blieb in New York. Ein paar Wochen später, am 3. Juli, brachte sie im Stadtteil Brooklyn ihren zweiten Sohn zur Welt. Und der hat es in den USA mittlerweile zu einiger Berühmtheit gebracht.

Folarin Balogun hatte mit dem Land, dessen Staatsbürger er durch die Geburt auf dessen Boden automatisch wurde, allerdings lange überhaupt nichts zu tun. Einen Monat nach der Niederkunft flog seine Mutter mit ihm nach London, zu Ehemann Ben und dem älteren Sohn. Ben und Florence Balogun sind geboren in Nigeria und dort aufgewachsen, nach London zog es sie einst in der Hoffnung, dort ein besseres Leben zu führen. Ihr zweiter Sohn hat nie länger in den USA gelebt als diesen einen Monat.

Ginge es nach der politischen Agenda von Donald Trump, hätte Folarin Balogun am ersten Spieltag der WM nicht zwei Treffer für die USA gegen Paraguay (4:1) erzielt. Der US-Präsident will den 14. Verfassungszusatz von 1868 ändern, der Menschen, die auf dem Boden der Vereinigten Staaten zur Welt kommen, automatisch zu deren Staatsbürgern macht - unabhängig von der Herkunft ihrer Eltern.

US-Team freut sich über Balogun

Balogun könnte auch für Nigeria spielen. Oder für England. Im Alter von acht Jahren nahm ihn der FC Arsenal in seine Akademie auf, für englische U-Teams bestritt er zwischen 2018 und 2021 immerhin 32 Spiele. Kurios: In der Zwischenzeit spielte Balogun 2018 auch vier Mal für die U18 der USA. Doch erst im Frühjahr 2023 entschied er sich für sein Geburtsland.

"Wir haben beschlossen", erklärte Balogun, "dass es das Richtige ist, das Land zu repräsentieren, in dem ich geboren wurde." Mutter Florence erhob keinen Einwand. Zum Glück für das USMNT, das schon verzweifelt nach einem Mittelstürmer gesucht hatte. In 29 Einsätzen hat Balogun nun elf Mal getroffen, vor allem seine beiden Tore gegen Paraguay lösten gewaltige Emotionen aus. "Ich bin extrem stolz darauf, dass sich bei meiner Reise nun ein Kreis geschlossen hat", sagte er danach erkennbar gerührt.

Zur Wahrheit gehört auch: In England hätte es Balogun wohl nie bis zur A-Auswahl geschafft - für die USA aber waren und sind seine Referenzen mehr als ausreichend. Für die AS Monaco erzielte er bei 30 Einsätzen in der Liga 13 Tore, dazu traf er in zehn Champions-League-Spielen fünf Mal. Bei der WM, gab er im Teamquartier südlich von Los Angeles zu, würde er gerne um den Goldenen Schuh des besten WM-Torschützen mitschießen. Allerdings: Mit dem Zählen der Tore der Konkurrenz kommt er nicht nach.

Zum Match-Center: Türkei vs. USA

"Es geht mir auf die Nerven, Spieler wie Messi, Mbappé oder Haaland zu sehen. In jedem Spiel schießen die ein Tor", sagte er - im Scherz wohlgemerkt. Und er wird wohl im sportlich bedeutungslosen Spiel gegen die Türkei am Freitag (4.00 MESZ/MagentaTV) auch nicht nachlegen können: Nach einer zweiten Gelben Karte wäre er für das Sechzehntelfinale am 2. Juli in Santa Clara gesperrt.

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