Völler: "Neuer wird ein Super-Turnier spielen" – Schult sieht Comeback skeptisch

Manuel Neuers Stammplatz sorgt in Fußball-Deutschland für Diskussionen.
Manuel Neuers Stammplatz sorgt in Fußball-Deutschland für Diskussionen.ALEXANDER HASSENSTEIN / Getty Images via AFP

Kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) steht eine Personalie ganz besonders im Rampenlicht: Manuel Neuer. Nach seinem eigentlichen Rücktritt aus der Nationalmannschaft nach der Heim-EM 2024 holte Bundestrainer Julian Nagelsmann den inzwischen 40-Jährigen überraschend zurück und ernannte ihn zur Nummer eins – eine Entscheidung, die Oliver Baumann auf die Bank verdrängte, im Vorfeld des Turniers jedoch für reichlich Diskussionsstoff sorgt.

Nicht alle teilen die Euphorie über die Rückkehr des Weltmeisters von 2014. Die ehemalige Nationaltorhüterin und Rio-Olympiasiegerin Almuth Schult äußerte sich im RND-Interview spürbar skeptisch. Zwar sei Neuer, wenn er seine Topleistung abrufe, auch mit 40 Jahren immer noch "der beste Torhüter der Welt", allerdings habe die aktuelle Saison gezeigt, "dass er nicht konstant auf seinem allerhöchsten Niveau spielt".

Zudem mahnte Schult zur Realismus bei der Bewertung vergangener Turniere: "In den letzten Turnieren, das sollte nicht in Vergessenheit geraten, war Neuer nicht der entscheidende Faktor, um die DFB-Elf vor dem Aus zu bewahren."

Auch von den ersten Gruppenspielen wolle sie eine finale Bewertung nicht abhängig machen. Selbst ein Patzer sei verzeihlich – entscheidend sei am Ende etwas anderes: "Es geht darum, ob Manuel Neuer die Deutschen mal in die nächste Runde rettet."

Völler bürgt für Weltklasse

Völlig frei von Zweifeln präsentiert sich dagegen die sportliche Leitung des DFB. Sportdirektor Rudi Völler versuchte im Gespräch mit der Bild, jegliche Bedenken im Keim zu ersticken. Neuer hatte die beiden letzten Testspiele gegen Finnland (4:0) und die Generalprobe gegen die USA in Chicago (2:1) wegen einer Wadenverletzung verpasst. Doch Völler gibt Entwarnung: Der Keeper habe bereits wieder mit der Mannschaft trainiert und gezeigt, dass die Wade keine großen Probleme mehr mache.

Für Völler steht die Qualität des Routiniers außer Frage: "Und auch wenn er jetzt kein Testspiel mehr macht: Wir reden hier über Manuel Neuer! Er ist ein Weltklasse-Torwart, der in seiner Karriere bereits alles erlebt und genug Erfahrung hat. Er wird ein Super-Turnier spielen, davon bin ich überzeugt. Um Manuel müssen wir uns alle keine Sorgen machen."

Läuft alles nach Plan, soll Neuer beim deutschen Turnierauftakt am 14. Juni in Houston gegen Außenseiter Curacao von Beginn an im Tor stehen.

Hoffnungsträger vor Neuer: Wirtz und Musiala im Fokus

Während hinten die Erfahrung von Neuer für Stabilität sorgen soll, ruhen die deutschen Hoffnungen in der Offensive auf zwei gereiften Ausnahmetalenten. Rudi Völler betonte die immense Bedeutung von Florian Wirtz und Jamal Musiala (beide 23).

Vor zwei Jahren noch die Rohdiamanten des Teams, seien beide nun noch einmal gereift. Trotz kleinerer Hürden im Vorfeld – Musiala kämpfte sich nach einer schweren Verletzung zurück, Wirtz erlebte eine anstrengende Phase in Liverpool – machen beide in der Vorbereitung einen hervorragenden Eindruck. "Ganz ohne sie wird es bei der WM nicht gehen", so Völler zuversichtlich. "Ich traue beiden beim Turnier alles zu."