Vor der WM
Das Eröffnungsspiel hat noch nicht begonnen, da eröffnet Klopp mit seiner unglücklichen "Noch"-Aussage bereits die Nagelsmann-Debatte. Noch mache der ja die Aufstellung, witzelt er. Wenn er etwas zu sagen hätte, ergänzt Klopp, würde Deniz Undav anstelle von Jamal Musiala beginnen.
Vor Curacao
Klopp bekommt Gegenwind. Er betont, "alle" liebten Musiala, auch er. "Das war nicht: Raus mit ihm. Es ging darum: Wir haben noch andere Möglichkeiten!" Ob Bundestrainer oder Experte, "wir alle wollen das Gleiche: Weltmeister werden!" Wie er gegen den Außenseiter spielen würde? "Nicht wie ein Topfavorit", sagt Klopp, ja nicht überheblich, sondern aggressiv. Heavy Metal! "Curacao ist eine wunderschöne Insel (...), ich wünsche euch nur das Beste – ab morgen. Aber heute ist das hier unser Kram!"
Nach Curacao
Die Fußballnation badet wohlig im 7:1-Gefühl, das Unverständnis für TV-Bundestrainer Klopp ist groß. Er muss sich für sein persönliches "Unwort" des Jahres ("Noch!") bei Nagelsmann entschuldigen. "Ich hätte mir dafür aufs Maul hauen können. Es ist flapsig rausgerutscht, hat gar keine Relevanz. Ich werde übermorgen 59 - und bin immer noch dämlich."
Nach der Elfenbeinküste
Klopp spricht von einem "hochdramatischen" Spiel (2:1) und analysiert: "Es waren wahnsinnig viele gute Dinge dabei und ganz viele Dinge, die man mitnehmen kann in die nächsten Spiele. Wenn wir die Dinge auch noch besser machen... Wir haben schon gezeigt, dass wir ein Favorit sein können."
Vor Ecuador
Das bekräftigt er vor dem Gruppenfinale. "Wir sind eine richtig gute Fußballmannschaft. Ich mag die Art und Weise, wie wir spielen. Aber wir haben auch noch ein bisschen Spielraum." Insbesondere im defensiven Umschaltverhalten sei eine Steigerung nötig.
Nach Ecuador
Das 1:2 drückt auf die Stimmung, auch bei Klopp. "Wir müssen jetzt die Pace aufnehmen", mahnt er, "Ecuador war emotionaler, wir müssen mindestens mit der gleichen Intensität zu Werke gehen." Er moniert "Ballverluste in den falschen Räumen" und schimpft: "Heute wurden wir in den Zweikämpfen aufgefressen im Zentrum. Es war zu offensichtlich, was wir wollten."
Eine Ohrfeige für das Mittelfeld-Duo Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic. "Fußball muss gewürzt werden mit Leidenschaft, Intensität und Emotionalität", doziert Klopp und orakelt mit Blick auf die stumpfe Offensive: "Wenn es für dich einfach nur Kicken ist, dann wirst du nicht weit kommen!"
Paraguay, Halbzeitpause
Es steht 0:1, Klopp ist erschüttert. "Da tränen einem die Augen. Das ist einfach schlecht verteidigt", sagt er über das Gegentor, spricht von "ungefähr acht" Fehlern. "Da nimmt keiner den Laufweg auf. Das ist wirklich verrückt." Grundsätzlich: "Wir sind zu statisch."
Die rechte Seite mit Kapitän Joshua Kimmich und Leroy Sané funktioniere nicht - Sané aber "ist nicht das Problem. Kimmich hinterläuft nicht, Nmecha unterläuft nicht." Bei Nathaniel Brown und Florian Wirtz links laufe das besser. Undav sei "nicht im Spiel, Nmecha nicht im Spiel, das ist das Problem. Total statisch, der Ball kommt zu Pavlovic - fehlt nur noch, dass er ruft, wo er hinspielt",
Zum Match-Center: Deutschland vs. Paraguay
Paraguay wisse das schon vorher, habe leichtes Spiel. "Bis Leroy den Ball hat, stehen drei Leute vor ihm." Undav dürfe "sich gerne ein bisschen mehr um den Ball bemühen", mäkelt er, "das ist auch Körpersprache".
Direkt nach dem Aus
"Das ist deprimierend und dramatisch", stöhnt Klopp. "Es gibt 500.000 Wege, ein Fußballspiel zu gewinnen. Du musst nur einen finden. Wir haben nicht funktioniert." Warum nicht? "Du musst über die Flügel kommen. Es gibt keine Alternative. Wir wissen alle, wie gut die Jungs spielen können, aber das haben sie nicht auf den Platz bekommen."
In drei Monaten (unter ihm?) "werden wir wieder von Wirtz und Musiala schwärmen, wie großartig sie sind. Aber eben nicht jetzt." Auch der Kopf habe eine Rolle gespielt. Paraguay konnte, Deutschland musste etwas erreichen. Frischer Wind müsse her. "Wir können über den DFB reden. Wir müssen hundertprozentig ein paar Dinge verändern. Da können wir bei der U10 anfangen und ein paar Jahre warten, was oben rauskommt."
Die Folgen
"Da muss an ganz vielen Stellschrauben gedreht werden", sagt Klopp in seiner Nach-WM-Analyse. Was er vor allem vermisse im DFB-Team: "Die Dringlichkeit, die absolute Leidenschaft - auch da gibt es ja eine Steigerung. Es haben Bewegungen und Abläufe gefehlt, um den Gegner viel mehr zu beschäftigen als wir es getan haben. Wenn wir mal wieder im Finale sein wollen, müssen alle Synapsen an sein."
Keine Zweifel lassen! Und runter vom hohen Ross! "Wir kommen hier an und sagen: Wir wollen Weltmeister werden." Damit tue sich Deutschland keinen Gefallen mehr. Klopp rät, "auch wieder Herausforderer" zu sein, "um selber Spaß zu finden" an Turnieren. Das ist sein Auftrag.
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