Die Wahl ist längst gefallen, nur das Ergebnis bleibt ein Geheimnis. Ein Umstand, der für Katie Goodland schier unerträglich ist, wie Harry Kane zu berichten wusste. Seine Frau und "auch meine Familie", erzählte er, hätten gerne vorher gewusst, ob es sich lohnt, am Montag in London zu sein. Dort, keine zehn Meilen von Kanes Wurzeln im Stadtteil Walthamstow entfernt, wird am Abend im Palladium Theatre am Oxford Circus der Ballon d'Or verliehen.
Goldenes Heimspiel für Kane?
Wird es ein goldenes Heimspiel für den Torjäger des FC Bayern, der ja in der Tat so viel mehr ist als nur ein Garant für Tore? Kane, schrieb der zweimalige Ballon-d'Or-Gewinner Karl-Heinz Rummenigge (1980, 1981) in Münchner Merkur/tz, überzeuge nicht nur mit seinen herausragenden Statistiken und als "Quarterback" auf dem Platz - sondern auch als "Gegenentwurf" des modernen, viel zu oft auf die bloße Inszenierung bedachten Fußballers. Schöne Grüße an Lamine Yamal und Kylian Mbappé.
Kanes Konkurrenten beließen es nicht bei den Leistungen auf dem Platz, sie betrieben auch wortgewaltig bis hin zur Schmerzgrenze Eigenwerbung. "Ich, ich, ich", schallte es vor allem von Yamal aus Barcelona oder Mbappé aus Madrid. Kane ließ lieber seine Taten und andere für sich sprechen. Seine Quote von 73 Treffern und acht Vorlagen in 65 Pflichtspielen in der vergangenen Saison ist ohnehin unerreicht, und sein Wert für die Bayern oder die englische Nationalmannschaft eben nicht nur daran zu bemessen.
"Könnte ein besonderer Abend werden"
"Er ist eine Galionsfigur unseres Vereins", sagte Uli Hoeneß in der Welt am Sonntag und bekannte: "Ich bin verrückt nach Harry Kane." Der so Umschwärmte lässt sich von all der Begeisterung über ihn nicht verrückt machen. Ja, "es ist schon sehr aufregend für alle", sagte der 33-Jährige mit Blick auf die Bekanntgabe, und ja, "es könnte ein besonderer Abend werden". Aber, so versicherte Kane, "ich versuche, nicht zu viel daran zu denken".
Im vergangenen Jahr triumphierte der Franzose Ousmane Dembélé; der letzte Deutsche mit dem goldenen Ball in den Händen war Matthias Sammer 1996 - damals noch als "Europas Fußballer des Jahres". Inzwischen wird bei der Wahl des Fachmagazins France Football der Weltbeste gekürt, Kane wäre der erste Engländer. Sich selbst und seiner Frau hat er verordnet: "Wir sollten es einfach genießen und uns nicht so viel Stress machen."
Dass vorab nichts verraten wird, dafür hat Kane sogar Verständnis. "Sie wollen ja, dass wirklich alle kommen, all die großen Namen, und dass mehr Leute zuschauen", sagte er eingedenk des Boykotts von Real Madrid und Vinicius Junior 2024. Damals war durchgesickert, dass der Spanier Rodri gewinnen würde. Die Königlichen zogen sich daraufhin in den Schmollwinkel zurück. Einer wie Harry Kane würde das mit Sicherheit nicht tun.
