Zusätzliche Würze bekam das Duell bereits vor dem Anpfiff. Deutschlands Star-Torhüter Andreas Wolff sorgte mit markigen Aussagen für Aufmerksamkeit, sprach vom „absoluten Anti-Handball“ der ÖHB-Auswahl und stellte deren Spielweise offen infrage. Worte, die in Österreich registriert wurden – und die dem ohnehin emotional aufgeladenen Auftakt noch mehr Brisanz verleihen.
Die Zielsetzung der ÖHB-Auswahl bleibt davon unberührt. Wie schon vor zwei Jahren will Österreich aus der sogenannten Monstergruppe den Sprung in die Hauptrunde schaffen. Und wieder soll mehr entstehen als nur ein sportliches Ergebnis. „Wir wollen wieder ganz Österreich mitnehmen“, bringt es Torhüter Constantin Möstl auf den Punkt. „Wir wollen gleich im ersten Spiel zeigen, wer wir sind und was wir können. Wir wollen wieder so eine Stimmung aufbauen wie vor zwei Jahren. Es ist unglaublich cool, dass wir gleich gegen Deutschland spielen, denn das hat einen so hohen emotionalen Wert für viele Österreicher, nicht nur für uns.“
Deutschland kommt mit breiter Brust. Bei Großereignissen spielen die Nachbarn fast immer um Medaillen, die Qualität des Kaders ist unbestritten. Kapitän Mykola Bilyk weiß, was auf sein Team zukommt: „Deutschland hat in den letzten Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht. Sie haben eine extrem junge Mannschaft, die sehr heiß ist, die wirklich guten Handball spielen kann, dazu eine super Abwehr und zwei Weltklasse-Torhüter.“
Gerade deshalb richtet sich der Fokus bei Österreich stark auf die eigene Umsetzung. Abwehrchef Lukas Herburger spricht offen an, worauf es ankommt: „Jeder muss an seinem Maximum stehen, was die Leistung angeht. In Bezug auf das System von Iker merkt man, dass wir manchmal noch zu viel denken, als einfach zu machen. Beim Spiel gegen Deutschland muss das abgeschaltet werden und einfach gemacht werden.“
Die jüngere Vergangenheit macht Mut. Zwei Unentschieden gegen Deutschland – bei der EM 2024 und in der Qualifikation im Frühjahr 2025 – haben gezeigt, dass die ÖHB-Auswahl dem DHB-Team wehtun kann. Bei der EM vor zwei Jahren führte Österreich sogar zehn Minuten vor Schluss mit vier Toren. Sebastian Frimmel erinnert sich bewusst daran: „Sie haben in den letzten Jahren Medaillen gewonnen und waren ganz oben dabei. Aber sie haben in den letzten Jahren gegen uns auch Probleme gehabt und das werden wir sicher nicht vergessen, sondern werden uns an diese Momente zurückerinnern. Wir werden unser Spiel bestmöglich aufziehen und können dann hoffentlich was mitnehmen. Wir lieben solche Herausforderungen. Wir lieben es, gegen die Besten zu spielen. Diese Gruppe ist gespickt mit Topteams. Wir fühlen uns genau da wohl und wollen weiterkommen. Das ist keine Frage.“
Noch direkter formuliert es Tobias Wagner: „Wir wollen morgen den Bock umstoßen und das Spiel gewinnen.“ Rückendeckung kommt vom Trainer. Iker Romero geht seine erste Endrunde als ÖHB-Teamchef mit Überzeugung an: „Wir können es kaum erwarten, dass das Spiel morgen kommt. Die Mannschaft arbeitet unglaublich intensiv. Damit bin ich sehr zufrieden. Wir hatten bislang noch wenig Zeit, aber in dieser kurzen Zeit haben die Spieler das gut gemacht. Unser Weg ist ein langer Weg, und ich bin mir sicher, dass alles zu hundert Prozent funktionieren wird.“
Auch personell ist Österreich rechtzeitig bereit. Sportdirektor Patrick Fölser bestätigte die Einsatzfähigkeit der zuletzt angeschlagenen Spieler: „Elias Kofler und Michael Miskovez haben signalisiert und wir haben das auch ärztlich abgeklärt, dass sie spielen können. Beide waren im Training wieder voll dabei und können wieder 100 Prozent auf der Platte bringen. Das sind zwei aggressive Spieler in der Deckung, sie haben schnelle Beine, und das werden wir gegen Deutschland brauchen.“
Der Rahmen ist also gesetzt. Ein emotionaler Auftakt, ein Gegner mit großer Strahlkraft und ein österreichisches Team, das weiß, dass es mithalten kann. Ob erneut ein ganzes Land mitgenommen wird, entscheidet sich ab 20:30 Uhr, wenn der Ball in Herning erstmals fliegt.
