"Druck von außen spüre ich nicht": Gislasons Gelassenheit vor kniffliger EM-Mission

Alfred Gislason bei der Kaderbekanntgabe zur Handball-EM 2026
Alfred Gislason bei der Kaderbekanntgabe zur Handball-EM 2026FEDERICO GAMBARINI / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Alfred Gislason war gleich voll in seinem Element. Die schneebedingten Startschwierigkeiten für Deutschlands Handballer bei ihrer EM-Mission? Ließen den Bundestrainer kalt. Noch am Abend des Anreisetages bat Gislason seine 18 Auserwählten zum ersten Training, dabei durfte sogar der bei Juri Knorr und seinen Mitspielern so beliebte Fußball rausgeholt werden.

Von übermäßigem Druck vor seinem achten Turnier mit der DHB-Auswahl war bei Gislason zum Auftakt der knackig-kurzen EM-Vorbereitung nichts zu spüren. Im Gegenteil. Mit einem Lächeln im Gesicht begrüßte der Isländer seine Spieler in Hannover, wo in den kommenden Tagen der Feinschliff für eine erfolgreiche Europameisterschaft (ab 15. Januar in Dänemark) gelegt werden soll.

Die Schlagzeilen um seine ungeklärte Zukunft scheinen Gislason nichts anzuhaben. "Ich kann bei ihm überhaupt nicht erkennen, dass es irgendeine Anspannung gibt", sagte DHB-Teammanager Benjamin Chatton dem SID. Man sei "sehr fokussiert und sehr konzentriert" auf die kommenden Aufgaben. Die wenigen gemeinsamen Trainingseinheiten, die zwei Härtestes gegen Vizeweltmeister Kroatien am Donnerstag in Zagreb (20.30 Uhr/sportschau.de) und am Sonntag in Hannover (18.05 Uhr/ARD) - "und dann freuen wir uns aufs Turnier".

Gislasons Vertrag beim Deutschen Handballbund (DHB) läuft 2027 nach der Heim-WM aus. Im SID-Interview hatte der 66-Jährige gesagt, gern weitermachen zu wollen. Zugleich gab DHB-Präsident Andreas Michelmann dem Routinier für den Fall einer nicht zufriedenstellenden EM keine Job-Garantie.

Gislasons Leitlinie heißt in der Zukunftsfrage Gelassenheit. Druck verspüre er nur "den, den ich mir selbst mache. Druck von außen spüre ich nicht", sagte er im Interview mit der Bild am Sonntag. "Der interessiert mich auch nicht. Ich bin so lange dabei. Und habe viele Tiefen, aber viel, viel mehr Höhen erlebt. Ich bin einfach dankbar, meine absolute Leidenschaft als Job zu haben, und genieße die Arbeit mit den Jungs."

Wird schon über Nachfolger diskutiert?

Dass er gern über sein Vertragsende hinaus für Deutschlands Handballer verantwortlich sein würde, daraus macht Gislason kein Geheimnis. Ihm sei natürlich "auch klar, dass ich nicht der Jüngste im Feld bin", sagte er dem SID. Mindestens genauso klar ist für ihn aber auch, dass er "natürlich gerne weiter mit der Mannschaft arbeiten möchte".

Fahrt aufnehmen dürfte die Gretchenfrage beim Verband nach dem EM-Turnier. Geht es auch über 2027 hinaus weiter mit Gislason, der seit 2020 für das Team verantwortlich ist und die Auswahl zu Olympia-Silber 2024 führte, oder kommt es zu einem Neuanfang? "Wenn sie meinen, sie wollen einen jüngeren Trainer haben - davon gibt es eine ganze Reihe richtig guter in Deutschland - dann ist es halt so", sagte Gislason, der sein Verhältnis zu den Verbandsverantwortlichen als "extrem gut" beschreibt.

Ein Ende seiner inzwischen 35-jährigen Trainerlaufbahn, so viel steht fest, kommt für Gislason nicht infrage. "Ich habe das schon mal versucht", sagt der Bundestrainer, "das war nicht so schön und hat mir auch nicht viel Spaß gemacht".