Durch die Hölle in den Handball-Himmel: DHB-Team will EM-Gold gegen Dänemark

Das DHB-Team trifft am Abend im EM-Finale auf Dänemark.
Das DHB-Team trifft am Abend im EM-Finale auf Dänemark.JONATHAN NACKSTRAND / AFP

15.000 ekstatische Fans, ein scheinbar übermächtiger Gegner - der Weg in den Handball-Himmel führt Andreas Wolff und Co. durch die Hölle von Herning. Doch genau darin sehen Deutschlands Handballer ihre große Chance. "Was gibt es Schöneres?", fragte Linksaußen Rune Dahmke vor dem Finale gegen Dänemark am heutigen Sonntagabend (18.00 Uhr/ZDF, Dyn und Flashscore-Audioreportage) in der Jyske Bank Boxen.

Beim schnellen Wiedersehen mit dem Weltmeister will die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason im EM-Finale um jeden Preis ein Déjà-vu vermeiden - und ausgerechnet in Dänemarks Handball-Tempel zu gern zum dritten Mal in der Geschichte den EM-Thron besteigen. "Unser Ziel ist es, aus dem Hexenkessel eine Oper zu machen", sagte DHB-Teammanager Benjamin Chatton am Samstagabend im ZDF-Sportstudio.

Dass Deutschland durchaus Qualitäten als Partycrasher besitzt, bewies eine DHB-Auswahl bereits vor 22 Jahren. Beim ersten deutschen EM-Gold triumphierte das Team des damaligen Bundestrainers Heiner Brand im Endspiel von Ljubljana 30:25 gegen Slowenien. Vielleicht schaffe es das DHB-Team, sagte Dahmke nun, dass die Dänen "mal Druck spüren in ihrem Leben. Hier zu Hause, wenn alle erwarten, dass sie gewinnen, und dieses Final-Wochenende gefühlt schon vor der Auslosung ausverkauft war."

Man habe, ergänzte Juri Knorr, "nichts zu verlieren - außer ein cooles Spiel zu machen und den Zuschauern ein würdiges Finale zu liefern." Die bereits sichere Silbermedaille habe das Team - anders als beim jüngsten Final-Duell mit den Dänen - nur noch hungriger gemacht. "Wir gehen da auf Augenhöhe rein, wir scheuen uns nicht", versicherte der Spielmacher. Das Gefühl sei besser als bei Olympia 2024 in Lille, wo das dänische Imperium Deutschland im Endspiel mit einer Weltklasse-Leistung gedemütigt hatte (39:26).

Die Dänen, die inzwischen seit 14 Jahren auf ihr drittes EM-Gold warten, wollen sich vor dem zweiten Deutschland-Duell binnen einer Woche nicht auf die deutsche Außenseiter-Darstellung einlassen. Dass erstmals seit 2002 wieder ein EM-Gastgeber bei seinem Heimturnier triumphiert, ist für Dänemarks Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen sechs Tage nach dem klaren Hauptrunden-Erfolg (31:26) jedenfalls nicht selbstverständlich.

Gidsel: DHB-Team soll aufhören, "sich kleinzumachen"

"Sie bekommen keine bessere Chance", sagte Jacobsen, nachdem sich Dänemarks Sorgen auf der Kreisläuferposition nach der Verletzung von Simon Hald im Halbfinale gegen Island vergrößert hatten. "Wenn sie uns einmal schlagen wollen, dann sollten sie versuchen, das am Sonntag zu tun."

Auch laut Superstar Mathias Gidsel sollte das DHB-Team "mal aufhören, sich so kleinzumachen. Die brauchen nicht ständig zu behaupten, dass sie nicht zu den Besten der Welt gehören. Wenn du Frankreich, Portugal oder Spanien schlägst, dann bist du absolute Weltklasse - und vielleicht sogar das beste Team hier bei dieser EM."

Fakt aber ist: Deutschland hat seit zehn Jahren kein Pflichtspiel mehr gegen Dänemark gewonnen. Auf dem Weg zum EM-Triumph vor zehn Jahren gelang in der Hauptrunde ein 25:23. Auch sonst dient das 2016er-Turnier als Mutmacher: Auch damals traf das DHB-Team schon vor dem Duell um Gold auf seinen späteren Endspielgegner - einer Vorrundenniederlage gegen Spanien folgte damals der Finalsieg gegen die Iberer mit einer Wahnsinnsleistung von Wolff.

Der Torhüter ist neben Dahmke und Jannik Kohlbacher einer von drei verbliebenen Europameistern, die zehn Jahre nach dem Gold-Coup von Krakau mit der talentierten DHB-Mannschaft ihre eigene Erfolgsgeschichte schreiben wollen. "Manchmal kann man kleine bis mittelgroße Wunder auch erzwingen - und Sonntag wäre so ein Tag", sagte Dahmke.

Zum Match-Center: Dänemark vs. Deutschland

Klappt dies, würde sich das auch finanziell lohnen. Bei einem EM-Triumph zahlt der Deutsche Handballbund (DHB) seinen Spielern 575.000 Euro aus. Schon jetzt sind dem Team 430.000 Euro sicher.