EM im "eigenen Land": Wann platzt bei Juri Knorr endlich der Knoten?

Knorr kämpft gegen seine persönliche Krise
Knorr kämpft gegen seine persönliche KriseČTK / DPA / Sina Schuldt

Für Juri Knorr ist die EM in Dänemark ein ganz besonderes Turnier. In seiner neuen Wahlheimat läuft es für den Spielmacher bislang aber nicht rund.

Auf die üblichen Sticheleien unter Mannschaftskollegen verzichtete Juri Knorr bewusst. "Die Dänen wissen schon, wie gut sie sind. Da hatte ich jetzt nicht so viele Möglichkeiten, zu schießen", hatte der Spielmacher von Deutschlands Handballern unmittelbar vor seiner ganz persönlichen "Heim-EM" gesagt.

Mit Blick auf die deutschen Aussichten fügte er grinsend an: "Mal gucken, vielleicht sieht es nach dem Turnier dann anders aus." Knapp zwei Wochen später bekommen die Aussagen Knorrs einen ganz neuen Spin.

Das DHB-Team eilt von Sieg zu Sieg
Das DHB-Team eilt von Sieg zu SiegČTK / imago sportfotodienst / Maximilian Koch

Der schier übermächtig erscheinende Olympiasieger und Weltmeister wackelte bereits bedenklich, das deutsche Team spielt ein erfolgreiches Turnier. Und das, obwohl Knorr bislang nicht richtig ins Rollen kommt. Fahrige Anspiele, fatale Fehlwürfe – es ist (noch) nicht seine Europameisterschaft.

Match-Center: Deutschland vs. Dänemark

Knorr genervt

"Es nervt mich einfach extrem", sagte der gebürtige Flensburger über seine bisherigen EM-Auftritte, "gerade die letzten beiden Spiele, das wurmt mich einfach. Ich habe keine Erklärung dafür."

Immerhin, ergänzte Knorr, der dieser Tage von Selbstzweifeln belastet scheint, könne man bislang auf die Kaderbreite bauen. "Das ist ein gutes Gefühl", sagte der 25-Jährige: "Wir können uns in jedem Spiel irgendwie immer darauf verlassen, dass einer kommt und den Karren aus dem Dreck zieht."

Wahl-Däne Knorr sucht noch seine Bestform
Wahl-Däne Knorr sucht noch seine BestformSINA SCHULDT / DPA / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Fanliebling in Aalborg

Anders als bei den EM-Auftritten von Herning mit der Nationalmannschaft läuft es für Knorr im Klub in dieser Saison richtig gut. Nach einem halben Jahr bei Aalborg Handbold hat er die Herzen der Fans im Sturm erobert, seine Trikots sind die meistverkauften beim Champions-League-Klub. Noch vor denen seiner dänischen Mitspieler.

Ein Grund dafür sind seine sportlichen Ausnahmefähigkeiten. Aber auch die Tatsache, dass Knorr sich schnell in der dänischen Kultur eingelebt und vor allem die Sprache gelernt hat, imponierte den Menschen.

Knorr gibt in den EM-Tagen von Herning Interviews in fließendem Dänisch, seine Sichtweise ist auch im Nachbarland gefragt. "Es ist eine schwierige Sprache, die Aussprache ist kompliziert, aber andererseits gibt es viele Wörter, die dem Deutschen ähneln", sagte Knorr. Das Wichtigste, wenn man in ein neues Land kommt, sei es, "die Sprache so schnell wie möglich zu lernen. Deshalb möchte ich das tun."

Nach vier Jahren bei den Rhein-Neckar Löwen zog es Knorr zusammen mit Freundin Friederike und Hund Elfie im vergangenen Sommer in den hohen Norden. Er suchte ganz bewusst eine neue Herausforderung. In Aalborg kann sich Knorr ganz auf seinen Sport konzentrieren.

Denn obwohl die Dänen Handball lieben wie die Deutschen ihren Fußball, hat er in seiner neuen Heimat die ersehnte Ruhe gefunden. "Wenn ich durch die Stadt gehe, werde ich eigentlich nicht angesprochen", sagte er im Gespräch mit dem Mannheimer Morgen.

Mit dem DHB-Team ist Knorr zurück im Scheinwerferlicht.