Es wirkte fast so, als würde Gidsel die erste Niederlage in der Jyske Bank Boxen in Herning seit zwölf Jahren als eine persönliche Beleidigung empfinden. "Eine Sache ist, dass du verlierst. Das ist manchmal okay im Sport", sagte der 26 Jahre alte Star der Füchse Berlin, "aber es tut natürlich weh, wie wir heute verlieren".
Zum Match-Center: Dänemark vs. Portugal
31:29 (12:11) für Portugal stand in Dänemarks Handball-Tempel am Ende auf der Anzeigetafel. Der Topfavorit startet bei seinem Heimturnier mit 0:2 Punkten in die Hauptrunden-Gruppe mit Deutschland - einer klaren Hypothek beim Vorhaben, den dänischen EM-Fluch endlich zu beenden. "Dänemark steht in einer historisch schwierigen Hauptrunde mit dem Rücken zur Wand", meldete das dänische Fernsehen TV2 alarmiert.
Handball-EM: Dänemark mit "vier Endspielen"
"Wir haben uns selbst maximal unter Druck gesetzt und müssen die nächsten vier Spiele gewinnen. Dann müssen wir abwarten, wie es weitergeht", sagte Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen, in dessen Erfolgsära mit Dänemarks scheinbar übermächtigen Ausnahmekönnern die EM-Goldmedaille noch fehlt.
Europameisterschaften und Dänemark - das war in den vergangenen Jahren bereits keine Liebesbeziehung. Bei den vier (!) vergangenen Weltmeisterschaften stürmten die Nordeuropäer auf den WM-Thron, auch bei den Olympischen Sommerspielen 2016 und 2024 waren die Skandinavier nicht zu bezwingen. Doch auf europäischer Ebene warten die Dänen seit 2012 auf ihren dritten Titel.
Nun wartet am Donnerstag (20.30 Uhr/Dyn) gegen Titelverteidiger Frankreich bereits das erste von "vier Endspielen", wie Gidsel mit Blick auf die weiteren Duelle mit Spanien, Deutschland und Norwegen sagte. Jacobsen forderte vor der Neuauflage des vergangenen EM-Endspiels von Köln: "Wir müssen nach vorne schauen und am Donnerstag bereit sein. Eine der besten Mannschaften der Welt kommt zu uns, sie hat einen starken Eindruck gemacht, und wir müssen dieses Spiel gewinnen."
Gidsel spürt einen "Riesendruck", aber er betonte auch: "Das ist normal für uns." Und so deutete er die Niederlage gegen Portugal kurzerhand in etwas Positives um. "Vielleicht ist es auch gut für uns, manchmal zu verlieren", sagte Gidsel. "Wir haben immer Bock. Wir wissen jetzt, dass es für uns nur Finals gibt."
Aus seinem Mund klang das wie eine Drohung.
