Kommentar: Deutsche Silber-Medaille mit goldenem Glanz

Größtenteils gute Laune nach dem Finale bei den deutschen Silbermedaillengewinnern
Größtenteils gute Laune nach dem Finale bei den deutschen SilbermedaillengewinnernČTK / DPA / Sina Schuldt

Die Szenen gingen ans Herz, die Enttäuschung der deutschen Handballer sind so nachvollziehbar. Die große Chance auf EM-Gold - verpasst! Der Traum vom ersten Titel seit zehn Jahren - geplatzt!

Und doch waren die zweieinhalb Wochen ein Gewinn. Ein Gewinn für den Handball. Ein Gewinn für die vielen Fans, die millionenfach mitgefiebert haben vor den Fernsehern in der Heimat. Ein Gewinn aber vor allem für die deutsche Mannschaft und ihren Trainer Alfred Gislason. Die Leistung im Endspiel am Sonntagabend war famos, der Kampf gegen unglaubliche Dänen lange Zeit episch.

Zum Match-Center: Dänemark vs. Deutschland

Setzten viele nach dem Vorrunden-Ausrutscher gegen Serbien schon zum großen Abgesang auf das junge DHB-Team an, steigerte es sich im weiteren Turnierverlauf sukzessive. Als der Druck maximal war, lieferten Andreas Wolff und seine Mitspieler. Die Siege gegen Spanien und Portugal, vor allem aber die Erfolge im Hauptrunden-Finale gegen Frankreich und im Halbfinale gegen Kroatien begeisterten.

Deutschland gläntz durch Breite

Dass es gegen die Handball-Übermacht aus Dänemark (noch) nicht reicht, ist kein Beinbruch. Die Zukunft, so viel ist sicher, gehört dem Gislason-Team. Auf dem Weg auf den Handball-Thron wird auch die Endspiel-Erfahrung vor 15.000 ekstatischen Fans in der Hölle von Herning helfen.

Die Breite des deutschen Kaders ist im Welthandball schon jetzt einzigartig, und auch die Spitze wird mit jedem Turnier, mit jedem Spiel und jeder Minute auf Weltklasseniveau breiter. Sechs Junioren-Weltmeister von 2023 sind bereits fest in die Mannschaft integriert - und das Repertoire an hoch veranlagten jungen Spielern ist noch immer nicht ausgeschöpft. 

Die Zukunft gehört dem DHB-Team

Zudem können Leistungsträger wie Kapitän Johannes Golla, Spielmacher Juri Knorr und auch Torhüter Wolff noch viele Jahre auf höchstem Level performen.

So weh es in den ersten Momenten tun mag, mit etwas Abstand wird die Final-Niederlage durchaus zu verschmerzen sein. Die nächste ganz große deutsche Handball-Sternstunde - es würde auch perfekt in die Dramaturgie passen - ist für die Heim-WM im kommenden Jahr vorgesehen. Deswegen: Deutschland hat am Sonntagabend im Hexenkessel von Herning nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen!